Das Fünkchen Hoffnung auf den Klassenerhalt in der Dritten Liga glimmt wieder etwas heller bei der SG Sonnenhof Großaspach. Unter dem neuen Trainer Hans-Jürgen Boysen hat der selbsternannte Dorfklub nach elf sieglosen Spielen in Folge mal wieder gewonnen. Gegen den ebenfalls tief in der Krise steckenden Halleschen FC gab es einen teils überzeugenden, insgesamt verdienten, aber nur selten schön anzuschauenden 1:0-Erfolg.

Die äußeren Bedingungen zum Debüt von Boysen als Dorfklub-Trainer blieben auch am Samstag schwierig. Nachdem das Donnerstagstraining im dichten Schneetreiben abgehalten werden musste, hatte der neue Übungsleiter vor seinem ersten Spiel eine ganze Reihe Kranker und Verletzter zu beklagen. Unter anderem erwischte es Kapitän Julian Leist, der eigentlich in der Innenverteidigung kaum zu ersetzen ist. Er testete zwar beim Warmmachen, ob ein Einsatz möglich ist, musste aber mit Schwindelgefühlen abwinken. So fanden sich plötzlich Torhüter David Nreca-Bisinger und Verteidiger Vincent Sadler aus dem A-Junioren-Team auf dem Spielberichtsbogen und der Ersatzbank wieder.

Stabile Dorfklub-Defensive

Boysen musste aus der Not eine Tugend machen, hatte dabei aber ein äußerst glückliches Händchen. In der Defensivzentrale entschied er sich für Marin Sverko, der neben Kai Gehring ein nahezu fehlerfreies Spiel ablieferte. Gemeinsam mit Gehring und Torhüter Maximilian Reule, die gegen die langen Kerle aus Sachsen-Anhalt (Boysen: „Bei Halle ist kein Spieler unter 1,80 Meter groß“) souverän die Lufthoheit behielten, sorgte er dafür, dass der HFC über die gesamten 90 Minuten nur zwei nennenswerte Chancen hatte. Das war genau nach dem Geschmack des neuen Übungsleiters, der vorab gefordert hatte, das Spiel vom eigenen Strafraum fern zu halten.

Treffer kurz nach Einwechslung

Aber auch sonst hatte Boysen ein goldenes Händchen, was die Spielerwahl betraf. Winter-Neuzugang Kamer Krasniqi, eigentlich einer fürs defensive Mittelfeld, durfte auf der Zehnerposition spielen und war an vielen Offensivaktionen beteiligt. Beispielsweise gleich in der ersten Minute, als er nach einer Hereingabe von Panagiotis Vlachodimos aus spitzem Winkel an Torhüter Kai Eisele scheiterte. Auch Flankengeber Vlachodimos gefiel auf der linken Außenbahn, nicht nur weil er in der 76. Minute den entscheidenden Pass zum Tor des Tages spielte, sondern auch, weil er sehr gute Defensivarbeit leistete, wofür er eigentlich eher weniger bekannt ist.

Ein glückliches Händchen zeigte Boysen auch mit seinen Einwechslungen. Als Sebastian Bösel schon in der 38. Minute verletzt ausgewechselt werden musste – er war bei einer Abwehraktion unglücklich gegen den Pfosten geprallt – brachte der neue Coach Ken Gipson, der sich nahtlos einfügte und mithalf, die Abwehr stabil zu halten. Noch mehr ein goldener Griff war der Tausch von Marco Hingerl für Nicolas Jüllich in der 74. Minute. Keine zwei Zeigerumdrehungen später machte der Joker das Tor des Tages, als ihm Vlachodimos den Ball von Linksaußen in den Lauf legte und Hingerl das Leder fast von der Tor­auslinie ins lange Eck schob.

Diese Aufgabe hätte eigentlich in der ersten Hälfte Stürmer Matthias Morys übernehmen müssen, als er in der Nachspielzeit plötzlich am langen Pfosten völlig frei stand, nachdem Eisele eine scharfe Flanke von Onur Ünlücifci durch die Hände rutschen lassen hatte. Morys brachte aber das Kunststück fertig, am leeren Tor vorbeizuköpfen. „Danach ärgert man sich natürlich. Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass es nicht so gefährlich wird, sobald der Ball auf meinen Kopf kommt“, nahm es der verhinderte Torjäger mit Galgenhumor.

„Nicht ans Saisonende denken“

Insgesamt zeigte sich Morys aber sehr zufrieden mit dem Spiel der eigenen Mannschaft. „Ich glaube, der Trainer hat uns wieder gezeigt, was wir können. Er hat uns Selbstvertrauen gegeben. Das hat man auch gesehen, dass keiner den Kopf hängen hat lassen, jeder für jeden gekämpft hat.“ Der Stürmer hofft, dass der Sieg nun auch positive Auswirkungen auf die kommenden Partien hat. „Endlich gehen wir mal wieder mit einem guten Gefühl nach Hause. Vielleicht sollten wir jetzt gar nicht daran denken, was am Ende der Saison sein wird, sondern einfach nur versuchen, dieses gute Gefühl von Spiel zu Spiel zu transportieren.“ Bei der Mammutaufgabe von voraussichtlich acht benötigten Siegen aus noch zwölf verbleibenden Partien vielleicht nicht die schlechteste Herangehensweise.