Bestes Fußball-Wetter, 350 Zuschauer, ein Traum- Freistoßtor von der Mittellinie und ein SGV Freiberg in Galaform – das Testspiel des Oberligisten am Samstag im Wasenstadion gegen den VfB Stuttgart II hat Lust auf mehr gemacht. Das Ergebnis war trotz der vielen hochkarätigen Verstärkungen im SGV-Aufgebot nicht unbedingt zu erwarten: Mit 2:0 schlugen Freibergs Kicker die Bundesliga-Reserve aus Bad Cannstatt – und das hochverdient. Zuvor hatten sie bereits den SV Fellbach (3:2) und die Sportfreunde Gechingen (7:1) bezwungen.
„Das war ein toller Abschluss einer sehr guten ersten Woche. Für die kurze Zeit haben die Abläufe und die Struktur schon gut funktioniert“, sagte der neue SGV-Trainer Evangelos Sbonias. Der Grieche hat erst vor einer Woche seinen Job am Wasen angetreten – als Nachfolger des geschassten Milorad Pilipovic.

Abschlusstest in Heimerdingen

Am Dienstag (19.30 Uhr) steht noch ein letzter Test beim Verbandsligisten TSV Heimerdingen auf dem Freiberger Vorbereitungsplan. Seine Pflichtspielpremiere feiert der ambitionierte Oberligist dann am Samstag (15.30 Uhr) in der ersten Runde des WFV-Pokals 2020/21 beim Hohenloher Bezirksliga-Klub SGM Niedernhall/Weißbach.
Der SGV musste im dritten Testspiel auf die Top-Verstärkungen Dominik Salz (Familienurlaub), Michael Klauß (muskuläre Probleme) und Christian Mauersberger (noch im Pokaleinsatz für seinen alten Verein 1. FC Rielasingen-Arlen) verzichten. Letzteren hatte der Klub kurz vor dem Anpfiff als letzte Neuverpflichtung bekannt gegeben (siehe Bericht unten).
Wegen der drückenden Hitze hatten sich beide Teams auf eine Spielzeit von 80 Minuten geeinigt. Vom Anstoß hinweg präsentierte sich Freiberg bissiger als die Roten und zeigte die bessere Spielanlage. Schon in der vierten Minute fiel das 1:0: Nach einer Ecke und mehreren missglückten Abwehrversuchen der Gäste kam der aufgerückte SGV-Innenverteidiger Frano Buhovac im Getümmel zum Schuss und versenkte die Kugel flach im VfB-Gehäuse. Eine weitere Großchance vergab der neue Kapitän Marco Grüttner: Der vom SSV Jahn Regensburg aus der Zweiten Liga gekommene Angreifer knallte den Ball nach einem Stuttgarter Abwehrpatzer an die Latte. Der VfB II kam dagegen gar nicht in die Puschen und schaute meist nur hinterher. Nach vorne ging so gut wie nichts.

Sökler belebt VfB-Offensive

Dies änderte sich im zweiten Durchgang – auch weil Stuttgarts neuer Übungsleiter Frank Fahrenhorst jetzt den ehemaligen Freiberger Torjäger Marcel Sökler aufs Feld und ins Sturmzentrum schickte. Der 29-Jährige hatte bereits beim 6:1 im ersten Test in Fellbach einen Dreierpack geschnürt. In den zweiten 40 Minuten musste nun auch Sven Burkhardt einen Tätigkeitsnachweis liefern. Seine größte Rettungstat vollbrachte der SGV-Schlussmann, als er Mitte der zweiten Hälfte unter Dauerbeschuss geriet und dreimal innerhalb weniger Sekunden glänzend parierte.
Eine tragische Figur machte dagegen sein Gegenüber Florian Schock in der 71. Minute. Bei einem Freistoß an der Mittellinie schaltete Freibergs Neuzugang Lukas Hoffmann schnell und zirkelte den Ball via Bogenlampe über den weit vor dem Kasten stehenden Nachwuchskeeper zum 2:0 ins Netz – eine bittere Lektion für den 19-jährigen Schock, der aus der Stuttgarter U19 in den Regionalliga-Kader aufgerückt ist. „Da hat man die Qualität von Lukas gesehen. Um so zu treffen, muss man schon etwas können“, lobte Sbonias den Torschützen.

Das ist der Neue beim SGV:

Dem SGV Freiberg ist ein weiterer Transfercoup gelungen: Christian Mauersberger wechselt vom Oberliga-Mitstreiter 1. FC Rielasingen-Arlen an den Wasen. Der 25-jährige offensive Mittelfeldspieler unterschrieb einen Dreijahresvertrag plus Option. „Wir erwarten, dass Christian eine zentrale Rolle in unserer Mannschaft in den nächsten Jahren einnehmen wird“, sagt Sportdirektor Christian Werner.
Mauersberger stammt aus dem Nachwuchs des Chemnitzer FC, absolvierte 14 Junioren-Länderspiele für Deutschland und schaffte mit den Sachsen nach der Jugend den Sprung in die Dritte Liga. 2015 wechselte er für zwei Spielzeiten zu den Amateuren des FC Schalke 04, für die er 43 Mal in der Regionalliga West auflief. Es folgte ein Engagement beim FSV Zwickau. Insgesamt hat Mauersberger 43 Drittliga-Partien bestritten. Nach Rielasingen-Arlen verschlug es ihn 2018 wegen eines Praktikums in Konstanz. Der SGV profitierte nun davon, dass er in Stuttgart Theologie studiert – und einigte sich mit dem Oberliga-Rivalen auf einen Wechsel. „Ich sehe großes Potenzial in der Mannschaft und im gesamten Verein“, sagt Mauersberger.