Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim haben sich vorzeitig aus dem EHF-Pokal verabschiedet: Am Samstag verloren sie beim russischen Vertreter HC Lada in Toljatti nach einer schwachen zweiten Hälfte mit 25:30 (14:12) und fielen auf den letzten Platz der Gruppe D zurück. Da am Sonntagabend Storhamar Handball Elite das skandinavische Duell gegen Herning-Ikast mit 26:24 gewann, haben die Bietigheimerinnen nun keine Chance mehr aufs Viertelfinale – die erhoffte Schützenhilfe der Däninnen, der letzte Strohhalm, blieb aus. Für das Team von Herning- Ikast, das bereits vorab als Viertelfinalist festgestanden hatte, war es die erste Niederlage in der Gruppenphase. „Wir hatten selbst dreimal die Chance auf einen Big Point, diese aber nicht genutzt. Darum müssen wir uns an die eigene Nase packen“, sagte SG- Sportdirektor Gerit Winnen.

SG spielt nur noch um die Ehre

Um Rang zwei und damit den Einzug in die Endrunde streiten sich am letzten Spieltag nun Storhamar und SG-Bezwinger HC Lada in einem Fernduell. Für den Deutschen Meister geht es am Sonntag (17 Uhr) in der Ludwigsburger MHP-Arena gegen Storhamar dagegen nur noch um die Ehre. Die Bietigheimerinnen können dort das Zünglein an der Waage spielen, was für sie aber wohl nur ein schwacher Trost sein wird.

Das Abschneiden auf internationalem Parkett ist für die SG ein Desaster. Der Bundesliga-Zweite scheiterte im alten Jahr nicht nur in der Champions League als Gruppenletzter, sondern war nun selbst im zweitklassigen Europapokal nicht konkurrenzfähig. Alle sechs Partien der Spielzeit 2019/20 im Ausland gingen verloren – in der Königsklasse bei Ramnicu Valcea, Brest Bretagne und Buducnost (Montenegro) sowie im neuen Jahr im EHF-Cup bei Storhamar, Herning-Ikast und in Toljatti. Und von den Heimspielen gewann Bietigheim in beiden Wettbewerben auch nur jeweils eines. „Die Enttäuschung ist riesig. Wir sind auf europäischer Bühne weit hinter den Erwartungen geblieben“, sagte Winnen.

In Russland sah es am Samstagnachmittag zunächst so aus, als ob die SG BBM die Chance auf ein „Endspiel“ ums Weiterkommen in eigener Halle wahren würde. Das Team um Kapitänin Kim Naidzinavicius wirkte von Beginn an entschlossen und fokussiert, war die bessere Mannschaft und warf eine verdiente 14:12-Pausenführung heraus.

Im zweiten Durchgang erhöhte die Niederländerin Laura van der Heijden sogar auf 16:13 für Bietigheim (33.), Amelie Berger sicherte mit zwei Treffern zum 18:15 und 19:16 den Drei-Tore-Vorsprung (35.). Doch das Polster war zehn Minuten später wieder verspielt. In der 45. Minute glichen die Russinnen mit dem 22:22 erstmals seit dem 10:10 (26.) wieder aus. Bei der SG BBM riss jetzt endgültig der Faden. Die Bietigheimerinnen waren sowohl in der Abwehr als auch im Angriff nur noch ein Schatten der ersten Hälfte. Die Folge: Der HC Lada zog Tor um Tor davon.

Bietigheims Torfrau Valentyna Salamakha, die inzwischen die in der ersten Hälfte eigentlich gut haltende Dinah Eckerle abgelöst hatte, konnte einem leid tun, denn sie wurde von der Hintermannschaft ziemlich im Stich gelassen. Der Kampfgeist der Gäste erlahmte zusehends, die Führungsspielerinnen tauchten ab.

Auch die Auszeiten des immer hilfloser wirkenden SG-Trainers Martin Albertsen verpufften. Auf der Gegenseite mauserte sich Anastasia Lagina zu einem Erfolgsgaranten des HC Lada. Allerdings waren viele Würfe der Gäste auch nicht unbedingt eine allzu große Herausforderung für die russische Nationaltorhüterin, die nach Spielende auch als Handballerin des Abends ausgezeichnet wurde. In den letzten 20 Minuten brachte Bietigheim gerade einmal vier Treffer zustande – viel zu wenig, um den Traum vom Viertelfinale noch am Leben zu erhalten. Und viel zu wenig, um in Eurpoa zu bestehen.

„Wir sind gut in dieses Spiel gestartet, in der zweiten Halbzeit haben wir komplett die Kontrolle abgegeben und dementsprechend verdient verloren“, bilanzierte Albertsen.