Herbst-Tristesse in der europäischen Königsklasse: Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim kommen in der Champions League einfach auf keinen grünen Zweig. Sie verloren am Samstagnachmittag auch das vierte Duell in der Gruppe C bei Brest Bretagne mit 30:36 (15:18). Damit bleibt der Deutsche Meister weiter ohne Punkt und hat bei zwei ausstehenden Gruppenspielen nur noch geringe Chancen auf den Einzug in die Hauptrunde (siehe auch Infokasten). „Wir standen heute nicht gut in der Abwehr und haben unser Champions-League-Niveau vermissen lassen“, klagte der dänische SG- Trainer Martin Albertsen nach Pleite Nummer vier.

Sieben Naidzinavicius-Tore

Die 28-jährige Linkshänderin Ana Gros war vor den rund 3800 Zuschauern im Brester Hexenkessel die herausragende Handballerin. Die slowenische Nationalspielerin erzielte 13 Tore, davon zehn aus dem Feld. Bereits nach den ersten 30 Minuten hatte Gros zehn Treffer in der Statistik stehen. Gegen ihre fulminanten Würfe aus dem Rückraum standen die Bietigheimer Torfrauen Dinah Eckerle und Valentyna Salamakha auf verlorenem Posten – und mit ihnen die ebenfalls damit überforderte Deckung. Bei der SG BBM war Kapitänin Kim Naidzinavicius mit sieben Toren die beste Werferin, gefolgt von Laura van der Heijden und Fie Woller, die jeweils fünfmal erfolgreich waren.

In der ersten Hälfte sah es noch so aus, als ob die Gäste dem aktuellen Tabellenzweiten der französischen Liga vielleicht doch ein Schnippchen schlagen könnten. Wie bei der 32:35-Heimniederlage zwei Wochen zuvor bot der Außenseiter aus dem Schwabenland Brest erneut Paroli und kämpfte sich nach Rückständen immer wieder heran. Dabei setzte Albertsen darauf, die Angriffe extrem lange auszuspielen, sobald kein Tempogegenstoß mehr möglich war. Nach einer Viertelstunde stand es 7:7, ehe Brest mit vier Treffern in Folge auf 11:7 davoneilte (18.). Die nun für Eckerle eingewechselte Salamakha fügte sich gleich mit zwei Paraden ein, und die Spielgemeinschaft verkürzte auf 12:13 (24.).

Pech und Unvermögen verhinderten in dieser Phase ein noch besseres Zwischenergebnis. So scheiterte Rechtsaußen Angela Malestein innerhalb einer Minute gleich zweimal völlig frei an Brests starker Keeperin Sandra Toft, worauf Albertsen Amelie Berger für die Niederländerin auf den rechten Flügel schickte. Zudem vergab Karolina Kudlacz- Gloc beim Stand von 11:9 einen Siebenmeter – sie fand in der dänischen Nationaltorhüterin Toft ihre Meisterin. So war es zuvor auch schon Naidzinavicius bei einem Strafwurf ergangen. Beim Pausenstand von 18:15 war für die Bietigheimerinnen aber noch nichts verloren.

Allerdings konnte der Bundesligist das Niveau nach der Pause nicht halten. Das Star-Ensemble aus der Bretagne dominierte nun nach Belieben und warf bis zur 41. Minute ohne viel Bietigheimer Gegenwehr eine 26:18-Führung heraus. Damit war die Partie vorzeitig entschieden. Am Ende triumphierte der Favorit standesgemäß mit 36:30.

Am Mittwoch kommt der THC

Für die SG-Frauen war in der Schlussphase angesichts des klaren Rückstands Kräfteschonen angesagt. Denn bereits am Mittwoch (20 Uhr) steht für sie das nächste wegweisende Duell auf dem Programm. Dann geht es in der Bundesliga in der Ludwigsburger MHP-Arena gegen den Thüringer HC, den großen Rivalen um die deutsche Meisterschaft. „Da erwarte ich eine deutliche Steigerung meines Teams“, nimmt Coach Albertsen seine Schützlinge in die Pflicht.

Spannender Zweikampf um Platz drei zwischen Bietigheim und Valcea


In der Gruppe C der Champions League sind am Wochenende die ersten Entscheidungen gefallen: Brest Bretagne aus Frankreich und Buducnost aus Montenegro haben sich nach ihren Siegen gegen Bietigheim (36:30) und Valcea (21:20) bereits vorzeitig für die Hauptrunde qualifiziert. Um den dritten Platz streiten sich der rumänische Meister Valcea (2:6 Punkte) und die SG BBM Bietigheim (0:8). Beide Teams treffen am nächsten Sonntag (18 Uhr) in der Ludwigsburger MHP-Arena im direkten Duell aufeinander. Um seine kleine Chance aufs Weiterkommen zu wahren, benötigt der Deutsche Meister zwingend einen Heimsieg – am besten mit mehr als acht Toren Differenz, um nach der 27:34- Niederlage in Rumänien den direkten Vergleich zu gewinnen und sich so auf Rang drei zu verbessern. Am letzten Spieltag (16. November) erwartet der SCM Ramnicu Valcea den Spitzenreiter aus Brest, während die SG in Podgorica bei Buducnost antritt. Dass die beiden Underdogs in diesen Partien punkten, ist eher unwahrscheinlich. Der Gruppenletzte darf als Trostpflaster im EHF-Cup weiterspielen – eine Regelung, die nur noch diese Saison gilt.  ae