Die SG BBM Bietigheim hat am 18. Spieltag der Handball-Bundesliga Frauen eine Rechnung beglichen. Das 25:25 im Hinspiel beim VfL Oldenburg könnte immer noch entscheidend im Kampf um den Meistertitel sein. Entsprechend motiviert ging das Team von Trainer Martin Albertsen im Rückspiel zu Werke und fegte die Niedersachsinnen mit 37:22 aus der Viadukthalle.

Schon von der ersten Sekunde an war zu spüren, dass die Bietigheimerinnen motiviert bis in die Haarspitzen waren. Nach einem Fehlwurf von Malene Staal beim ersten Angriff packte SG-Torhüterin Dinah Eckerle noch drei Paraden aus. Vorne schlugen Maura Visser per Siebenmeter, zweimal Fie Woller mit Tempogegenstößen und Angela Malestein, die wie schon des Öfteren beim Anwurf des Gegners auf einen Pass auf ihre Seite spekulierte, diesen abfing und dann freie Bahn hatte, zu. So stand es nach knapp vier Minuten 4:0. Näher ließen die Gastgeberinnen die Oldenburgerinnen nicht mehr herankommen.

Bis zum ersten Tor der Gäste dauerte es mehr als fünfeinhalb Minuten. Danach folgten aber wieder drei für Bietigheim, sodass die Partie nach noch nicht einmal zehn Minuten quasi schon entschieden war. Ab den 2:7 hatte der VfL zwar seine stärkste Phase in der ersten Hälfte, näher als auf 6:10 und 7:11 kamen die Niedersachsinnen aber nicht heran. Und das auch nur, weil Visser beim Stand von 10:5 mit einem Siebenmeter an Nele Reese scheiterte. Momentan ist eine gewisse Nervenschwäche von der Linie vielleicht das größte Manko beim amtierenden Deutschen Meister.

Aber Bietigheim legte einen Zwischenspurt ein und zog auf 15:7 davon. Eckerle half mit weiteren Paraden, diesen Vorsprung bis zum Pausenstand von 18:10 zu transportieren. Überhaupt war die scheidende Nationaltorhüterin zusammen mit der bis dahin sechsfachen Torschützin Malestein und der mit viel Zug zum Tor agierenden Polin Karolina Kudlacz-Gloc bis dato die überragende Akteurin auf dem Feld. Insgesamt hielt die 24-Jährige zehn der 20 Würfe, die in den ersten 30 Minuten auf ihr Tor kamen. „Wir wollten es besser als im Hinspiel machen und auch etwas fürs Torverhältnis tun“, kommentierte die zur besten Spielerin der SG BBM gewählte Torfrau.

Im zweiten Durchgang kamen die Oldenburgerinnen früher zu ihrem ersten Treffer. Dies lag auch daran, dass Trainer Niels Bötel von Beginn an konsequent im Angriff die Torhüterin von der Platte holte und eine siebte Feldspielerin brachte. „So lange wir Luft hatten, hat das sehr gut funktioniert. Wir haben BIetigheim lange bei neun, zehn Toren Abstand gehalten. Dann sind wir aber wieder in Konter gelaufen. Und da muss ich sagen, dass das die SG BBM überragend macht“, kommentierte der VfL-Coach.

Tatsächlich führten die Gastgeberinnen sogar ein paar Mal mit elf und sogar zwölf Toren, doch beim 29:20 und 30:21 lagen die Oldenburgerinnen tatsächlich wieder nur mit neun Treffern hinten. Bietigheims Torhüterin hielt in dieser Phase nicht mehr ganz so gut, weil Oldenburg mit einer Spielerin mehr auf dem Feld unweigerlich in bessere Wurfpositionen kam. Allerdings nutzte Eckerle nach drei Fehlversuchen zwei ihrer Paraden zu Würfen über das gesamte Feld ins leere Tor. Als sie das 33:21 erzielt und einen Wurf von Staal gehalten hatte, bekam sie verdientermaßen frühzeitig Feierabend. Valentyna Salamakha fügte sich jedoch nahtlos ein, ließ in den letzten acht Minuten nur noch einen  Treffer zu und hatte dabei ein Fangquote von 60 Prozent. Zuvor war sie einmal kurz bei einem Siebenmeter eingewechselt worden, gegen den sie nichts ausrichten konnte.

Höheren Sieg verpasst

Am Ende verpasste es die SG BBM sogar, die gute Torwartleistung in einen noch deutlicheren Sieg umzumünzen. Beispielsweise weil Antje Lauenroth mit einem Tempogegenstoß an Reese scheiterte. Oder weil Luisa Schulze sechs Sekunden vor der Schlusssirene den Ball ans Lattenkreuz nagelte.

Nach dem Spiel gingen die Gedanken aber gleich zum nächsten Spiel am Freitag (19.30 Uhr) beim Thüringer HC. „Ich freue mich schon darauf. Ich denke, dass wir alle megaheiß sein werden, wie immer, wenn es gegen den THC geht“, meinte beispielsweise Eckerle. Und auch der Trainer schaute gleich einmal voraus. „Ich habe gehört, dass Thüringens Trainer Herbert Müller lieber sehen würde, wenn Dortmund Meister würde. Da bin ich natürlich nicht bei ihm. Wir werden deshalb alles geben in Erfurt und hoffen, dass uns viele Fans begleiten, um uns dabei zu unterstützen“, so Albertsen.