Zwei goldene Sterne prangen seit der deutschen Meisterschaft 2018/19 auf dem Logo der SG BBM Bietigheim – und damit auch auf den Trikots ihrer Handballerinnen. „Diese zwei Sterne sehen gut aus, aber ich finde, dass es mit einem weiteren Stern noch viel besser aussehen würde“, sagt Coach Martin Albertsen. Damit nennt er indirekt auch das Saisonziel des Vereins: die Titelverteidigung.

Für Albertsen wäre dies dann die dritte Meisterschaft mit der SG und der krönende Abschuss seiner Bietigheimer Zeit. Denn im Juli 2020 wird er Leiter der neuen Handball-Akademie Frauen der Schweiz (die BZ berichtete). Doch persönliche Befindlichkeiten stellt der 45-jährige Däne bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz am Donnerstag in der Zentrale von Hauptsponsor Olymp hintenan: „In der Saison geht es allein um Bietigheim. Ich bin davon nur ein kleiner Teil – der große Teil sind die Mädels, die Sponsoren und das Drumherum.“

Nach der wochenlangen Vorbereitung und dem achttägigen Trainingslager Mitte Juli in Kalifornien steht der Mannschaft an diesem Samstag (19.30 Uhr) die erste Bewährungsprobe der Spielzeit 2019/20 bevor: In der Ludwigsburger MHP-Arena trifft der Deutsche Meister im Supercup auf den Pokalsieger und Erzrivalen Thüringer HC. Bereits 2017 haben die Bietigheimerinnen diesen Wettbewerb nach ihrem ersten DM-Triumph gewonnen, damals gegen den Buxtehuder SV. „Der Supercup ist das beste Trainingsspiel, das man vor der Saison bekommen kann. Das wird ein super Test, bei dem man auch noch einen Titel holen kann“, sagt Albertsen. Eine Woche später beginnt für die SG BBM dann die Erstliga-Runde mit dem Derby bei Frisch Auf Göppingen.

Die Spielgemeinschaft tritt mit einem fast unveränderten Team an. Ausnahmslos alle Leistungsträgerinnen blieben an Bord. Hinzu kamen als Verstärkung und Ergänzung die externen Neuzugänge Maren Nyland Aardahl, Amelie Berger und Daphne Gautschi sowie Leonie Patorra und Ann Kynast aus der eigenen Talentschmiede. „Sie passen menschlich und sportlich hervorragend in unser Konzept“, sagt Sportdirektor Gerit Winnen und bekennt: „Mit dem Kader bin ich sehr zufrieden.“ Die einzigen Sorgenkinder sind aktuell noch Anna Loerper, die nach ihrem Achillessehnenanriss und einer Reha am Donnerstag erstmals wieder kurz trainierte, sowie die an der Schulter verletzte Fie Woller. Die dänische Linksaußen hofft, in vier Wochen wieder mitmischen zu können.

Als einziger deutscher Vertreter geht die SG BBM auch in der Champions League auf Torejagd – der Thüringer HC, sonst Dauergast in der Königsklasse, bekam vom europäischen Verband EHF kein Startticket. In der Gruppenphase misst sich Bietigheim ab Oktober mit dem SCM Ramnicu Valcea (Rumänien), Brest Bretagne und Buducnost (Montenegro). Der Einzug in die Hauptrunde ist das erklärte Ziel. „Die Zuschauer erwarten immer mehr von uns, und das mag ich. Denn wir erwarten auch immer mehr von uns“, sagt Albertsen.

Doppelspieltag geplant

Geschäftsführer Torsten Nick weist derweil auf die „Riesenherausforderung“ hin, die der internationale Wettbewerb organisatorisch mit sich bringt: „Die Ansprüche der EHF sind echt kein Spaß mehr. Da stoßen wir mittlerweile an Grenzen, zum Beispiel bei der Arena-Verfügbarkeit.“ Die Bietigheimer Topspiele finden wie gehabt in der MHP-Arena statt. Ein Champions-League-Heimduell ist aber auch in der EgeTrans-Arena geplant – im Rahmen eines Doppelspieltags mit den Zweitliga-Männern der SG BBM.

So begründet der Olymp-Seniorchef die Umschichtung der Sponsorengelder


Eberhard Bezner hat bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz sein Engagement und das der Firma Olymp für den Bietigheimer Frauenhandball bekräftigt: „Der Erfolg und die Anerkennung beim Publikum sind da – deutschlandweit und europaweit“, sagte der 83-jährige Seniorchef und betonte, dass hinter dem Sponsoring auch viel Eigennutz für das Unternehmen stecke. Bezner verwies auf den großen finanziellen Aufwand, den die SG BBM Bietigheim gerade in der Champions League zu leisten habe. „Nach Oslo oder Rumänien fährt man nicht mit dem Fahrrad. Da muss man fliegen, und das kostet eben Geld“, sagte Bezner. „Soweit es das Finanzamt zulässt und nicht von Liebhaberei redet, so lange machen wir da mit.“

Stellung nahm er auch zum Ausstieg als Geldgeber und Hauptsponsor der Zweitliga-Männer. „Wir mussten umschichten. Die Männer sind leider abgestiegen und als überregionaler Werbeträger nicht mehr so präsent“, sagte er und ärgerte sich über Äußerungen „hintenrum aus dem Männerbereich“: „Da ist man auf einmal giftig, insbesondere was meine Person anbetrifft. Da ist ein gewisser Neid.“ Zugleich wies er auf die langjährige Unterstützung auch der SG-Männer hin: „Sie würden ohne das Engagement der Firma Olymp in den vergangenen Jahren nicht in einer der höchsten Ligen spielen.“ ae