Trotz des Punktverlusts in Oldenburg sind die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim weiter auf Meisterkurs. Am sechsten Spieltag der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) schlagen sie am Mittwochabend den Vizemeister Thüringer HC in weitgehend überzeugender Manier mit 28:25 und übernehmen damit zumindest bis Samstagabend die Tabellenspitze. Nach Minuspunkten stehen die noch verlustpunktfreien Borussia Dortmund und HSG Blomberg-Lippe nach wie vor besser da.

Die erste Hälfte war eine Abwehrschlacht par excellence. Es dauerte fast fünf Minuten, bis überhaupt der erste Treffer fiel – obwohl die Thüringerinnen den Anwurf hatten, für die SG BBM. Mehr als sieben Minuten vergingen sogar, ehe der Vizemeister und Pokalsieger zum ersten Mal traf. Und dann auch „nur“ von der Siebenmeterlinie. Anders war Dinah Eckerle im Bietigheimer Tor kaum zu bezwingen. Sie hatte zur Pause zehn Paraden  – davon ein Siebenmeter – und insgesamt eine Quote von über 55 Prozent gehaltener Bälle zu Buche stehen.

Bei aller Klasse, die Eckerle bekanntermaßen hat, profitierte sie auch von einer bärenstarken SG-Defensive – und ein wenig vom Glück. Nationalspielerin Emily Bölk traf beim Stand von 0:0 zuerst die Latte und wenig später den Pfosten. Maura Visser, Kim Naidzinavicius und Co packten aber auch ordentlich zu. Der statistische Beleg dafür sind gleich vier Siebenmeter für den THC, bei nur einem für die Gastgeberinnen in Durchgang eins.

Anfänglich taten sich auch die Bietigheimerinnen schwer, gegen eine gut gestaffelte, sehr kompakte Abwehr der Thüringerinnen. Beim 2:3 geriet das Team von Trainer Martin Albertsen sogar kurzzeitig in Rückstand, weil vorne die Würfe ebenfalls nicht ihr Ziel fanden. Doch dann ging es ganz schnell mit einem 4:0-Lauf auf 6:3 davon. Herbert Müller nahm seine erste Auszeit und lobte nach dem Spiel weniger die Defensivreihen, sondern kritisierte die Offensive. „Ich finde, dass beide Mannschaften im Angriff ihre Probleme hatten, und dass beide Mannschaften deshalb international an ihre Grenzen stoßen“, so der THC-Coach.

Sein Weckruf half aber zumindest vorübergehend. Denn die Thüringerinnen legten nun ihrerseits einen 3:0-Lauf aufs Parkett. Die Partie schwankte jetzt hin und her. Bis zum 10:10 kam der Vizemeister immer wieder zum Ausgleich. Erst als dann die Ex-Bietigheimerin Mia Biltoft für zwei Minuten auf die Strafbank musste und Müller Torhüterin Ann-Cathrin Giegerich zu Gunsten einer sechsten Feldspielerin opferte, wurde es deutlich. Gleich dreimal traf das Albertsen-Team nach Ballgewinnen ins leere Tor.

Nach dem Seitenwechsel baute der Deutsche Meister die Führung zunächst sogar um ein Tor aus. Dank dreier Zeitstrafen gegen Angela Malestein, Maren Aardahl und erneut Malestein, ausgesprochen zwischen der 40. und 46. Minute, kam der THC aber wieder auf 21:22 heran. Weil nun Eckerle noch einmal zu Hochform auflief und selbst den Treffer zum 24:21 nach einer Parade ins leere Tor erzielte, zogen die Gastgeberinnen wieder davon.

Eckerle trifft beinahe doppelt

Müller versuchte es zu diesem Zeitpunkt – knapp sieben Minuten waren noch zu spielen – längst immer wieder mit einer siebten Feldspielerin. Doch seine Spieler­innen agierten nun hektisch und die SG BBM ließ sich nicht mehr aus der Ruhe bringen, stand nun bombensicher. Torhüterin Eckerle hätte beinahe sogar noch einen zweiten Treffer erzielt, verfehlte das verlassene Gehäuse nur um wenige Zentimeter. Aber es reichte auch so. Obwohl Naidzinavicius gut zwei Minuten vor dem Ende die insgesamt fünfte Zeitstrafe gegen Bietigheim – bei nur einer gegen den THC – kassierte, wurde es nicht mehr eng. Die Gäste kamen zwar von 23:27 auf 25:27 heran, doch ganz am Ende stand Fie Woller trotz der extrem offenen und aggressiven Deckung des THC noch einmal ganz frei am Kreis und tütete drei Sekunden vor der Sirene den Heimsieg im Spitzenspiel ein.