Handball Favorit Melsungen steht unter Druck

Tobias Reichmann bejubelt ein Tor. Der Rechtsaußen ist einer von mehreren Nationalspielern im Melsunger Team.
Tobias Reichmann bejubelt ein Tor. Der Rechtsaußen ist einer von mehreren Nationalspielern im Melsunger Team. © Foto: Eibner
Bietigheim-Bissingen / Bernhard Gaus 01.09.2018

Das Abenteuer Handball-Bundesliga beginnt für die Fans der SG BBM Bietigheim jetzt erst richtig. Am zweiten Spieltag empfängt der Aufsteiger den Siebten der Vorsaison, die MT Melsungen. Die Nordhessen gehen in der EgeTrans-Arena in Bietigheim am Sonntag (16 Uhr) als Favorit an den Start. Das Spiel wird vom deutschen Topschiedsrichter-Gespann Lars Geipel und Marcus Helbig geleitet.

Gemessen an ihrem Saisonziel – Qualifikation für einen Europacup-Startplatz – stehen die Spieler von MT-Coach Heiko Grimm nach der 23:28-Auftaktpleite gegen den SC Magdeburg bereits etwas unter Druck. „Noch ist nichts passiert“, werden Grimm und MT-Manager Axel Geerken unisono zitiert, wohl mit Blick auf die bevorstehende Pflichtaufgabe beim Aufsteiger.

SG BBM will sich stabilisieren

Weniger Druck dürfte da der Neuling verspüren, der, wenn man den Worten von Übungsleiter Ralf Bader Glauben schenkt, frei aufspielen kann. „Was die Mannschaft im ersten Spiel in Wetzlar gezeigt hat, die Souveränität in der Abwehr, muss uns Motivation geben für die tägliche Arbeit“, sagte Bader im Pressegespräch am Donnerstag. Wohlgemerkt, mit der 21:24-Niederlage bei der HSG Wetzlar fuhren seine Jungs am ersten Spieltag ebenfalls keine Punkte ein. Aber die Perspektive ist für einen Aufsteiger, für den nur der Klassenerhalt zählt, eben eine andere. „Wir müssen die ersten Spiele gegen solche Topgegner wie Melsungen nutzen, um uns zu stabilisieren“, gibt der 37-Jährige als Ziel für Sonntag aus und hofft natürlich, dass sein Team so lange wie möglich mit den Gästen aus der 14 000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Kassel mithalten kann.

Gegen einen mit zahlreichen aktuellen und ehemaligen Nationalspielern gespickten Gästekader wird das wahrlich keine leichte Aufgabe werden. Da wären nicht nur die für die aktuelle deutsche Auswahl auflaufenden Julius Kühn, Defensiv-Spezialist Finn Lemke und Rechtsaußen Tobias Reichmann. Kühn war in der vergangenen Saison mit 224 Treffern zweitbester Werfer der HBL, der Rückraumlinke erzielte die meisten Feldtore der Liga.

Müller-Brüder als feste Größen

Zu den Leistungsträgern in Melsungen zählt seit vielen Jahren auch das Brüderpaar Michael und Philipp Müller. Und Melsungen, das in der Spielzeit 2015/16 mit einem vierten Platz seine bislang beste Platzierung erzielt hatte, hat sich mit Linksaußen Yves Kunkel vom SC DHfK Leipzig, Rückraumspieler Simon Birkefeldt aus Dänemark und Spielmacher Domagoj Pavlovic von RG Zagreb durchaus prominent verstärkt.

„Der Spielplan ist wie gemacht für uns“, dreht Ralf Bader das schwere Auftaktprogramm der SG BBM ins Positive. „Wenn die Mannschaft in den ersten Spielen so zusammenfindet, wie wir uns das vorstellen, dann werden wir mit einem eingespielten Team in der zweiten Hälfte der Hinrunde unsere Punkte holen können“. Das soll aber nicht heißen, dass seine Spieler auch am Sonntag nicht alles versuchen werden. Mit den eigenen Fans im Rücken wünscht sich Bader, dass sein Team im Idealfall eine Euphorie entfachen kann, die möglichst lange tragen soll.

Gut möglich, dass wieder der junge Norweger Vetle Rönningen neben Kapitän Patrick Rentschler zu Beginn den Innenblock stellen wird. „Die beiden strahlen Sicherheit aus“, sagt Bader. Der Diplom-Sportwissenschaftler, der in dieser Saison neben seiner Aufgabe in Bietigheim auch für seine A-Trainerlizenz büffeln wird, sieht in der Defensive bereits deutliche Fortschritte.

Etwas differenzierter stellt sich für ihn das Bild bei den Offensivbemühungen der SG dar. „Mit unseren Voraussetzungen brauchen wir viel Tempo gegen die stehende Abwehr“, bemerkt er. Aber gerade das fordere eine gewisse Zeit. „Das Tempospiel aus der vergangenen Saison ist mit den vielen Neuzugängen nicht so einfach zu reproduzieren“, muss Bader eingestehen. „Wir arbeiten intensiv daran, hier effektiver zu werden.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel