Der Erschütterung, die die deutsche Eishockey-Szene und vor allem die Klubs der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2) und ihre Fans erfasst hat und vielerorts Enttäuschung und Unverständnis hervorgerufen hat, folgt so langsam Aufbruchstimmung. Jetzt richtet sich der Blick darauf, im dritten Anlauf die erforderlichen Kriterien vollumfänglich zu erfüllen, damit die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) die Vereinbarung zwischen beiden Ligen erfüllt sieht und es zu einer Auf-und Abstiegsregelung kommt. Vertreter der 14 DEL-2-Klubs haben sich bei einer Sitzung in Frankfurt/Main darauf verständigt, einen dritten Anlauf unternehmen zu wollen (die BZ berichtet). Es wäre der letzte, den der zwischen DEL und DEL 2 geschlossene Vertrag vorsieht. Danach wäre eine Verzahnung wohl auf Jahre hinaus passé. „Wir kämpfen bis zur letzten Patrone. Der letzte Schuss muss sitzen“, berichtet Volker Schoch von der Stimmung innerhalb der Zweitliga-Vereine, die im Sinne des Sports und des Eishockeys weiter machen und einen neuen Anlauf starten wollen.

Der Geschäftsführer der Bietigheim Steelers steht im Fokus, weil das erneute Scheitern an einem fehlerhaften Formular der Steelers bei einer 15 000-Euro-Bürgschaft bei einem Gesamtvolumen von rund 860  000 Euro hing. Das haben von der DEL beauftragte Juristen schon vor Monaten und jetzt auch das Sportschiedsgericht des Deutschen Institus für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) beanstandet und eine Auf- und Abstiegsregelung platzen lassen. Auch wenn es nur um einen geringfügigen Betrag angesichts einer Gesamtsumme von rund fünf Millionen aller sechs Bewerber aus der DEL 2 ging, so sprach DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch davon, dass das Urteil des DIS „in seiner Klarheit überraschend“ ausfiel.

Mit der Rolle des „schwarzen Peters“ geht Schoch „relativ entspannt um“, wie er sagt. „Es ist natürlich schon belastend. Aber ich habe kein schlechtes Gewissen. Es geht auch nicht um Bietigheim. Es geht um nicht wollen und um Formalismus. Da gibt es auch Ermessensspielräume“, so der Geschäftsführer der Steelers.

Ein Klub wird noch gesucht

Um den dritten und letzten Anlauf zu starten, doch noch eine Verzahnung mit Auf-und Abstieg hinzubekommen, müssen bis zum 31. März 2018 sechs Vereine der DEL 2 ihre Bewerbungsunterlagen einreichen. Geht alles durch, würde es im Jahr 2020 erstmals seit 2006 wieder einen sportlichen Austausch zwischen der Eliteliga und dem Unterhaus geben. Die Kassel Huskies, die Löwen Frankfurt, der SC Riessersee und die Dresdner Eislöwen müssten im Grunde ihre geprüften und für in Ordnung befundenen Unterlagen sowie die Bürgschaften aus dem Bewerbungsverfahren von 2017 erneut vorlegen. Die Bietigheim Steelers müssten die Formalien in Bürgschaften den strengen Kriterien anpassen.

Doch ganz so einfach ist es nicht. „Die Frage ist, tut man sich das Ganze noch einmal an, und geht dann alles schadlos durch“, gibt Schoch zu bedenken. Die Tendenz, dass Bietigheim auch beim dritten Anlauf dabei ist, scheint positiv zu sein: „Wir sind in Gesprächen. Das muss aber unser Aufsichtsrat entscheiden. Wir sind da in einem Findungsprozess. In acht Wochen haben wir die letzte Chance“, so Schoch.

Ein Problem muss die DEL 2 noch unter sich klären. Durch den Abstieg der Starbulls Rosenheim, die sich ebenfalls erfolgreich am Verfahren beteiligt hatten, 2017 in die Oberliga muss noch ein Verein gefunden werden, der bis zum 31. März 2018 als sechster Bewerber ins Rennen geht. Denkbare Kandidaten wären die Heilbronner Falken, der EC Bad Tölz und die Ravensburg Towerstars. „Wir müssen jetzt in den nächsten 14 Tagen überlegen, wie wir sechs Standorte zusammenbekommen“, nennt Schoch die dringenden Hausaufgaben der Liga.