Eishockey Erst das Kellerkind, dann der Erzrivale

Eine Bruchlandung wollen die Steelers – rechts Stürmer René Schoofs – gegen die Tölzer Löwen vermeiden. In den ersten zwei Duellen hatten sie mit dem Aufsteiger mehr Mühe als gedacht.
Eine Bruchlandung wollen die Steelers – rechts Stürmer René Schoofs – gegen die Tölzer Löwen vermeiden. In den ersten zwei Duellen hatten sie mit dem Aufsteiger mehr Mühe als gedacht. © Foto: Martin Kalb
Andreas Eberle 05.01.2018

Erster gegen Vorletzter – eigentlich kann der Sieger an diesem Freitag (19.30 Uhr) im Duell zwischen den gastgebenden Bietigheim Steelers und den Tölzer Löwen nur Bietigheim heißen. Mit nun bereits neun Zählern Vorsprung führt die Mannschaft um Kapitän Adam Borzecki seit Mittwoch­abend die Tabelle in der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2) vor den zweitplatzierten Löwen Frankfurt an. Dabei sind gerade einmal 32 Spieltage der Hauptrunde absolviert. Der Aufsteiger aus Bad Tölz hat sich dagegen wie zu Saisonbeginn allgemein erwartet weit hinten im Tabellenkeller eingenistet. Nur 26 von 96 möglichen Zählern haben die Löwen bisher erbeutet. Der Rückstand der Oberbayern zum Pre-Playoff-Rang zehn und damit dem sicheren Klassenerhalt beträgt schon satte 19 Punkte.

Die klare Ausgangslage ist auch SCB-Coach Kevin Gaudet bewusst – und darum macht der 54-jährige Kanadier das, was ein Trainer in solchen Situationen oft tut: Er warnt vor dem Gegner. „Diese Mannschaft läuft und kämpft. Sie hat gegen uns nichts zu verlieren.“ In den ersten beiden Aufeinandertreffen hatten seine Profis mehr Mühe mit dem Aufsteiger als gedacht: Zu Hause setzte sich Bietigheim mit 4:3 durch, in Bad Tölz gab es einen glanzlosen 2:0-Erfolg.

Mit Torhüter Andreas Mechel, Verteidiger Andreas Schwarz und den erfahrenen Mittelstürmern Marcel Rodman (36) und Chris St. Jacques (34) sind gleich vier aktuelle EC-Profis in der jüngeren Vergangenheit für die Steelers aufgelaufen. Philipp Schlager (2005 bis 2007) und der seit Wochen am Knie verletzte Thomas Schenkel (2002/2003) haben ebenfalls in Bietigheim Spuren hinterlassen, auch wenn diese schon länger zurückliegen. „Andi Mechel und die anderen wollen hier gewinnen. Ich erwarte ein schweres Spiel“, sagt Gaudet.

Hinzu kommt, dass die Löwen eine aufsteigende Form zeigen. Am Mittwoch schlugen sie den ESV Kaufbeu­ren mit 3:2 nach Verlängerung und verließen so nach langer Zeit den letzten Platz, was ihnen zusätzlich Auftrieb geben dürfte. Die rote Laterne trägt jetzt der EHC Bayreuth, der von den vergangenen 15 Begegnungen 14 verloren hat.

Auch die Heilbronner Falken, Bietigheims Gegner am Sonntag (17 Uhr) in der Kolbenschmidt-Arena, waren am Anfang der Runde wochenlang ein Dauergast auf dem letzten Rang. Doch diese Zeiten scheinen vorbei. Das Team von Coach Gerhard Unterluggauer hat sich gewaltig gemausert und sich mit sechs Siegen in den letzten sieben Duellen auf Platz neun hochgearbeitet. Die Krönung war am Mittwoch der deutliche 4:1-Heimerfolg über den Meister aus Frankfurt. Gaudet, der den HEC vom Potenzial her schon zu Saisonbeginn unter den besten acht Klubs der Liga gesehen hatte, scheint mit seiner Einschätzung richtig zu liegen. Heilbronn hatte er zuletzt sogar – gemeinsam mit dem SC Riessersee – voller Anerkennung als „die zurzeit heißesten Teams der Liga“ bezeichnet.

Torwarttausch zahlt sich aus

Auch der Anfang Dezember vorgenommene Torwartwechsel hat sich bei den Unterländern ausgezahlt: Der Slowake Marcel Melichercik ersetzte den glücklosen Kanadier Andrew Hare zwischen den Pfosten. Der Topscorer im Falken-Ensemble ist Brandon Alderson. Der kanadische Stürmer hat es bisher auf 37 Punkte (16 Tore, 21 Vorlagen) gebracht. Die ersten beiden Derbys in dieser Saison gingen mit 6:3 und 4:3 an Bietigheim. Keine guten Erinnerungen haben die Steelers allerdings an ihren letzten Auftritt in Heilbronn während der Spielzeit 2016/2017. Da gingen sie vor ziemlich genau einem Jahr mit 2:6 unter – bei einem Falken-Team, das damals wesentlich schwächer besetzt war als das aktuelle.

SCB bei Buchmachern haushoher Favorit

Alles andere als ein Heimerfolg der Bietigheim Steelers an diesem Freitag über den EC Bad Tölz wäre eine Sensation. Das zeigen auch die Wettquoten für das ungleiche Duell zwischen dem DEL-2-Spitzenreiter und dem Vorletzten: Wer beim Buchmacher Bwin zehn Euro auf den SCB setzt (reguläre Spielzeit), bekommt nur zwölf Euro ausbezahlt, sollte der Tipp korrekt sein – macht ein mageres Plus von zwei Euro. Wer dagegen diese Summe auf die Löwen wettet (Quote 8,5) und damit richtig liegt, darf sich über einen Reingewinn von 75 Euro freuen. ae