Totgesagte leben länger. Die Bietigheim Steelers haben sich mit einem Sechs-Punkte-Wochenende in der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2) zurückgemeldet und in eindrucksvoller Manier ihre Krise überwunden. Dem 5:0-Erfolg am Freitag bei den Tölzer Löwen ließ das Team aus dem Ellental am Sonntag ein ähnlich überzeugendes 4:0 gegen die Eispiraten Crimmitschau folgen. Die Steelers stehen zwar weiter nur auf Platz acht. Doch mit den am Wochenende gezeigten Leistungen dürften sie schon bald wieder in den Tabellenregionen zu finden sein, in die sie laut Bietigheimer Selbstverständnis auch hingehören.

St. Jean lobt die Defensivarbeit

Bemerkenswert ist vor allem die neue Sicherheit in der Abwehr, zu der auch der nach seiner Knieverletzung ins Aufgebot zurückgekehrte Kapitän Nikolai Goc beiträgt. Goalie Stephon Williams feierte prompt seinen zweiten Shutout innerhalb von drei Tagen und wurde auch als Steelers-Profi des Abends ausgezeichnet. „Das ganze Kollektiv hat eine sehr starke Defensivarbeit geleistet – Torwart, Verteidiger und Stürmer. Wir waren richtig stabil hinten“, lobte Interimstrainer Marc St. Jean, der erneut von Torwart-Trainer Andrew Hare an der Bande unterstützt wurde.

Eine mentale Blockade hatten St. Jean und Geschäftsführer Volker Schoch vor dem Doppelspieltag nach den vielen Nackenschlägen zuvor als Kernproblem ausgemacht und auf ein Erfolgserlebnis als Problemlöser gehofft. Mit dem Auswärtscoup in Bad Tölz im Rücken präsentierten sich die Steelers nun auch auf heimischem Eis wieder selbstbewusst und gefestigt. Mit Spielwitz, spielerischer Klasse, viel Speed und purer Lust am Eishockey wiesen sie die Eispiraten in die Schranken. Dabei zeigten sie auch Kombinationen, die von ihnen lange nicht mehr zu sehen gewesen waren. Ein Makel war allerdings das Überzahlspiel, bei dem nach wie vor noch viel Luft nach oben ist.

Das 1:0 in der fünften Minuten resultierte allerdings nicht aus einem genialen Bietigheimer Spielzug, sondern einem Aussetzer von Ole Olleff: Der Gästeverteidiger schlug nach einem Bully direkt vor dem eigenen Gehäuse über den Puck. Nutznießer war Benjamin Zientek, der aus kurzer Distanz vollstreckte. Ein vorweihnachtliches Crimmitschauer Präsent am 1. Advent. 62 Sekunden vor Drittelende lebte dann Verteidiger Tim Schüle seinen Offensivdrang aus, bediente Freddy Cabana, und der erhöhte auf 2:0. Wie schon in Bad Tölz hatten sich die Bietigheimer als wahre Meister in Sachen Effektivität erwiesen. Dabei versteckten sich die Sachsen keineswegs. Allein Christoph Körner vergab zwei Riesenchancen. 31:23 lautete nach der Partie sogar das offizielle Torschussverhältnis zugunsten der Gäste. Diese waren als Tabellenletzter in die Deutschland-Cup- Pause gegangen und hatten seitdem in jedem der sechs folgenden Spiele gepunktet – bis sie am Sonntag wieder mal mit leeren Händen dastanden.

Eine blitzsaubere Kombination führte in der 28. Minute zur Bietigheimer 3:0-Führung: Goc leitete dem Angriff ein, Lukas Laub legte die Scheibe quer, und Zientek erledigte den Rest. Jetzt wirkten die Gäste zum ersten Mal angeknockt. Ihr Widerstand war aber noch immer nicht gebrochen. Die Eispiraten kämpften im Schlussdrittel weiter verbissen um eine Resultatsverbesserung und hätten eigentlich zumindest ein Ehrentor verdient gehabt. Doch da spielte Williams nicht mit. Seine größte Rettungstat vollbrachte er, als er nach einem der wenigen Abspielfehler seiner Verteidigung gegen den freistehenden Lukas Vantuch klärte (46.). Dafür schlug es in der vorletzten Minute noch ein viertes Mal im Crimmitschauer Kasten ein: Schüle nutzte ein Zuspiel seines kongenialen Mitstreiters Goc zum 4:0-Endstand.

„Ich hoffe, dass der Knoten geplatzt ist“, sagte St. Jean. „Die Jungs glauben wieder an sich. Aus den ersten drei Spielen haben wir viel gelernt. Wenn die Spieler machen, was wir vorgeben, mit Selbstvertrauen spielen und ihre Fähigkeiten zeigen, haben wir eine sehr gute Mannschaft.“

So spielten sie


DEL2. 24. Spieltag
Bietigheim – Crimmitschau

4:0

Drittel: 2:0, 1:0, 1:0.
Tore: 1:0 Zientek (5.), 2:0 Cabana (19.), 3:0 Zientek (28.), 4:0 Schüle (59.).
Strafminuten: 2 (1 Strafe) – 6 (3 Strafen).
Schiedsrichter: Martin Holzer (Altusried)), Robert Paule (Bad Aibling).
Zuschauer: 2005.

2


Shutouts hat Steelers-Torhüter Stephon Williams seit Sonntagabend in der DEL2-Statistik stehen – so viele wie Gerald Kuhn (Kassel) und Olafr Schmidt (Ravensburg). Top in dieser Kategorie ist Ben Meisner vom EHC Freiburg, der in bereits drei Hauptrundenspielen ohne Gegentreffer geblieben ist.