Was für ein Desaster für die Bietigheim Steelers. Im Topspiel der DEL2 bei den Kassel Huskies wurde der bisherige Tabellenführer vom Zweiten bei der 2:10 (1:1, 0:4, 1:5)-Packung vor 2873 Zuschauer geradezu eingeschmolzen. Bitter nicht zuletzt für Steelers-Coach Hugo Boisvert, einst Co-Trainer bei den Kasselern. Für sein Team besteht allerdings bereits an diesem Freitag (20 Uhr) in der heimischen EgeTrans-Arena die Chance, sich gegen die Dresdner Eislöwen – ein weiteres Ex-Team Boisverts – zu rehabilitieren.

Zumindest etwas waren die Reihen vorm ersten Bully gelichtet. Bei den Nordhessen fehlte Kapitän Alexander Heinrich, bei den Steelers standen nur fünf Verteidiger auf dem Spielbericht, weil Nikolai Goc, Ex-Husky Eric Stephan und Fabian Ribnitzky verletzt sind. Dies beeinträchtigte beide Teams jedoch  keineswegs. Vielmehr legten sie ganz dem Tabellenstand entsprechend los: Zweiter gegen Erster. Im ersten Drittel entwickelte sich ein sehenswertes Match, das von den Offensivreihen geprägt wurde. Auf beiden Seiten bekamen die Fans ein Angriffs-Feuerwerk zu sehen, Chancen hüben wie drüben fast im Minutentakt. Brett Breitkreuz hatte die erste Möglichkeit auf Gäste-Seite nach drei Minuten, doch in der Folge legten die Huskies mit vier Großchancen in kurzer Zeit los. Die Kasseler Zuschauer rauften sich die Haare wegen der miesen Verwertung.

Und wie es eigentlich immer so ist: Dann trifft der Gegner. Nach Norman Hauners Latten-Hammer (11.) auf Steelers-Seite und Ben Duffys Gelegenheit für Kassel (16.) setzte sich Lukas Laub vorm Huskies-Tor durch und überlistete Schlussmann Leon Hungerecker zum 0:1. Irgendwie ein klassisches Szenario. Doch zweieinhalb Minuten später der verdiente Ausgleich: Austin Carrolls schönen Rückpass verwertete Corey Trivino geistesgegenwärtig zum 1:1 (18.).

Auch im Mittelabschnitt blieb das Niveau dieses Spitzenspiels hoch. Beide Mannschaften verfolgten ihren Plan, agierten nicht auf Teufel komm raus, sondern mit Bedacht und Übersicht. Verlief die Partie bis dahin absolut ausgeglichen, so änderte sich dies schlagartig ab der 26. Minute. Stephan Tramm und Nathan Burns leisteten die Vorarbeit für Alexander Karachuns 2:1 von halblinks. Nur 20 Sekunden später kurvte Austin Carroll von rechts vors Steelers-Gehäuse, zockte Schlussmann Stephon Williams aus und traf rechts oben. 3:1 – doch damit nicht genug für die Gäste.

Vier Tore in gut vier Minuten

Wiederum nur 127 Sekunden später setzten die „Schlittenhunde“ ihren Sturmlauf fort: Alt-Star Richard Mueller schoss von rechts halbhoch in die lange Ecke – wieder nichts zu halten für den Steelers-Goalie. Und um das Maß für Bietigheim voll zu machen, erhöhte Burns nach genau 30 Minuten auf 5:1. Steelers-Coach Boisvert reagierte mit einer Auszeit. 4:13 Minuten, die die Schwaben wohl so schnell nicht vergessen werden. Die Gäste waren danach sichtlich beeindruckt, gefährliche Angriffsaktionen waren nun eher rar gesät.

Kassel war dagegen auch im Schlussabschnitt weiter in Torlaune. Mueller zog so hart von rechts ab, dass sich Williams die rechte Schulter hielt. Den Abpraller versenkte Michael Christ zum 6:1 (43.). Bei einer Strafzeit gegen Carroll gelang Breitkreuz in Überzahl das 2:6 (51.). Was die Huskies zum nächsten Dreierpack animierte: Carroll, Lois Spitzner und Trivino schraubten das Resultat in 103 Sekunden auf 9:2, das Duffy 24 Sekunden vor Schluss mit dem 10:2 noch zweistellig machte. Ein Debakel für die Steelers.

„Kassel war deutlich besser“, räumte Coach Boisvert ein. „Ich bin trotzdem stolz auf mein Team: In den bisherigen Spielen hat es gut gekämpft – diesmal nicht. Im ersten Drittel haben wir noch gut gespielt, dann aber nicht mehr.“ Kassels Trainer Tim Kehler konnte sich nicht erinnern, in seiner Profi-Zeit mit einem seiner Team zweistellig gewonnen zu haben: „Das war ein unerwarteter Sieg. Super, dass wir acht verschiedene Torschütze hatten.“


So spielten sie


DEL2, 7. Spieltag
Kassel – Bietigheim

10:2

Drittel: 1:1, 4:0. 5:1.
Tore: 0:1 Laub (16.), 1:1 Trivino (18.), 2:1 Karachun (26.), 3:1 Carroll (27.), 4:1 Mueller (29.), 5:1 Burns (30.), 6:1 Christ (43.), 6:2 Breitkreuz (51./Überzahl), 7:2 Carroll (54./Überzahl), 8:2 Spitzner (54.), 9:2 Trivino (55.), 10:2 Duffy (60.).
Strafminuten: 8 (4 Strafen) – 6 (3 Strafen).
Schiedsrichter: Sven Fischer (Osterode), Seedo Janssen (Bergedorf).
Zuschauer: 2873

Max Lukes kehrt in seine Heimat zurück


Stürmer Max Lukes verlässt nach über drei Jahren aus persönlichen Gründen die Steelers und wechselt mit sofortiger Wirkung zu seinem Heimatverein ESV Kaufbeuren. Dies teilte der Verein am Donnerstag mit. Im Allgäu wird er sich einer neuen Herausforderung stellen. Da Lukes unter Trainer Hugo Boisvert nicht so zum Zuge kam, wie er es sich vermutlich nach einer zuvor guten Entwicklung erhofft hatte, gilt die sportliche Situation als Hauptgrund für den Wechsel. Ob darüber hinaus weitere persönliche Gründe für den Wechsel in die Heimat vorliegen, wurde nicht bekannt. sim