Wenn die Löwen Frankfurt und die Bietigheim Steelers aufeinander treffen, bekommen die Zuschauer stets packendes Eishockey zu sehen. Nicht anders war es bei der Partie in der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2) am Freitagabend, die die Bietigheimer in Frankfurt mit 1:6 (1:1, 0:4, 0:1) verloren. Das klare Resultat spiegelt nicht die Leistungen auf dem Eis wieder.

Die Begegnung war von der ersten Minute an sehr  lebhaft und bis zur Hälfte der Spielzeit auch völlig ausgeglichen. Die Steelers waren das erste Team, das bei den daheim ungeschlagenen Löwen nicht nur mauerte, sondern sofort voll auf Sieg spielte. Beide Mannschaften kämpften um jeden Puck und suchten schnell den Abschluss, so dass die Torhüter Stephon Williams und Jimmy Hertel ständig im Mittelpunkt des Geschehens standen. „Wir haben zu hübsch gespielt, nicht effektiv. Und wir bekamen einige billige Gegentreffer“, fand Steelers-Trainer Hugo Boisvert. „Wir haben viele Chancen gehabt, sie aber nicht genutzt. Die Löwen schon“, fügte er hinzu.

Mit starkem Forechecking störten die Gäste im ersten Drittel wirkungsvoll den Spielaufbau der Frankfurter, konnten dadurch viele frühe Scheibengewinne verzeichnen. Sehr agil wirkte vor allem Lukas Laub, einer der vier Ex-Löwen, die von den 4209 Zuschauern bei der Vorstellung vor dem Match mit großem Applaus begrüßt wurden. Der 25-Jährige war auch an den beiden riesengroßen Chancen in der Anfangsphase beteiligt. Sein Schuss ging um Zentimeter am Tor vorbei, seinen Musterpass wenig später verfehlte Brett Breitkreuz im Powerplay nur knapp. Das hätte die Führung sein müssen. Dann blieb es Breitkreuz aber doch vorbehalten, sein Team in Front zu bringen. Der Schuss von Benjamin Zientek landete am Pfosten, den Abpraller beförderte der aus Frankfurt nach Bietigheim gekommene Stürmer ins Netz (8.).

Die Hessen kamen erst in der zweiten Hälfte des ersten Drittels richtig in Schwung. Nachdem es bei einer unübersichtlichen Situation weder der Abwehr, noch Torhüter Williams gelang, die Scheibe wegzukriegen, reagierte Carter Proft am schnellsten und glich aus (13.). Bis zur Sirene hatten noch beide Teams gute Chancen, doch es blieb beim 1:1.

Als im zweiten Drittel die Steelers wieder mit einem Mann mehr spielen durften, fehlte ihnen an der blauen Linie „Rothelm“ Tim Schüle, der schon während des ersten Spielabschnitts das Eis mit einer Schulterverletzung verlassen musste. Und dann geriet Bietigheim durch einen gewaltigen „Sonntagsschuss“ des Verteidigers Steven Delisle, bei dem der bis dahin sehr starke Williams nicht gut aussah, in Rückstand (28). Nur 44 Sekunden später, setzte sich Löwen-Kapitän Adam Mitchell energisch durch und erhöhte mit einem Schuss, der über der Fanghand des Keepers im Winkel einschlug, auf 3:1.

Die Boisvert-Schützlinge steckten nicht auf. Den K.o. versetzte ihnen aber der vierte Gegentreffer. Der frühere Nationalspieler Eduard Lewandowski traf im Powerplay (35.). Nun schwand doch ein wenig die Moral der Steelers. Als Williams nur eine Minute später nach einem Schuss von Lukas Koziol erneut hinter sich greifen musste, verließ er verletzt das Eis in Richtung Kabine. Für ihn kam Cody Brenner.

Die Partie war zu diesem Zeitpunkt natürlich gelaufen. Im Schlussdrittel ließ das bis dahin sehr hohe Tempo nach. Als Brenner einen billigen Treffer zum 1:6 durch Lewandowski hinnehmen musste (47.), deutete sich sogar ein Debakel an. Etwas, was bis zum 3:1 niemand in der Halle vermuten konnte. Es war schon unverständlich, dass eine so stark beginnende Mannschaft derart abgefertigt werden kann. Bedenklich war auch, dass aus sechsmaligem Überzahlspiel kein Kapital geschlagen werden konnte.  Nun wartet auf Boisvert nach diesem unerwarteten Desaster bis zum Sonntagspiel gegen Kaufbeuren (17 Uhr) viel Aufbauarbeit.

So spielten sie


DEL2, 12. Spieltag
Frankfurt – Bietigheim

6:1

Drittel: 1:1, 4:0, 1:0.
Tore: 0:1 Breitkreuz (8.), 1:1 Proft (13.), 2:1 Delisle (28.), 3:1 Mitchell (28.), 4:1 Lewandowski (35./Überzahl), 5:1 Erk (39.), Lewandowski (47.).
Strafminuten: 12 (6 Strafen) – 6 (3 Strafen); Schiedsrichter: Tony Engelmann (Iserlohn), Volker Westhaus (Erfurt); Zuschauer: 4209.