Den Frust von der unnötigen Niederlage in Weißwasser haben sich die Bietigheim Steelers am zehnten Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2) gegen die Tölzer Löwen von der Seele geschossen. Das Team von Coach Hugo Boisvert schoss die Oberbayern mit 9:5 aus der Halle, machte es zwischenzeitlich aber auch spannend.

Wenn der Gästetorhüter Sinisa „Silo“ Martinovic vor der Partie mit Video geehrt wird, wenn die Tölzer Shawn Weller und Tyler McNeeley fast so viel Applaus bekommen, wie die eigenen Spieler, dann weiß man sofort, dass die Partie gegen die Tölzer Löwen etwas ganz besonderes ist. Doch außer einem Erinnerungsbild für Silo wurden keine Geschenke gemacht. Schon nach 47 Sekunden stand es 1:0, als nach einem Missverständnis zwischen Torhüter Martinovic und dessen Vorderleuten Lukas Laub am schnellsten schaltete, den Puck vors Tor brachte und Frederik Cabana nur noch den Schläger hinzuhalten brauchte. In diesem Tempo ging es weiter. Nur 62 Sekunden später stand es 2:0. Topscorer Matt McKnight hatte seinen früheren Mitspieler im Powerplay aus der Halbdistanz überwunden.

Die Partie lief zu diesem Zeitpunkt ganz nach dem Geschmack von Trainer Boisvert und den Zuschauern. Doch dann musste Chris Owens auf die Strafbank. Als er gerade zurückkam nutzte Johannes Sedlmayr einen Abpraller von Stephon Williams und versenkte den Puck von halblinks genau im langen Winkel (9.). Die Steelers zeigten sich allerdings wenig beeindruckt und stellten gut drei Minuten später wieder den alten Abstand her. Benjamin Zientek ging seinem eigenen Schuss hinters Tor hinterher und legte blind zurück. Cabana stand goldrichtig und überwand den Tölzer Keeper aus einem Nullwinkel. Dann das einzige weitere Geschenk der Steelers. Bei einem Angriff in der 14. Minute spielte Lubor Dibelka einen Pass in die Mitte, wo eigentlich kein Löwe mitgelaufen war, fand aber den Schlittschuh von Rene Schoofs, der seinen Torhüter tunnelte.

Das zweite Drittel war relativ ereignisarm. Ein Pfostentreffer von Lukas Laub, als er bei einem Solo gefoult wurde, war lange Zeit die einzige wirklich erwähnenswerte Szene. Die Hausherren agierten aber deutlich überlegen, fanden jedoch, wie zuletzt in Weißwasser, die Lücken nicht. So wurde die Partie in 36. Minute ziemlich auf den Kopf gestellt, als sich die Oberbayern einmal kurz ums Bietigheimer Tor festsetzten. Tyler McNeely bewies Auge, fand Stefan Reiter im Slot und der traf zum Ausgleich. Doch die Steelers reparierten diesen Fauxpas noch vor der Pause, als Max French auf der Strafbank saß. McKnight hatte plötzlich ganz viel Platz und Zeit, schaute sich Martinovic aus und zimmerte die Scheibe genau unter die Latte. So genau, dass der Treffer per Video überprüft werden musste (40.).

Waren die bisherigen 40 Minuten schon recht unterhaltsam, so wurde das Schlussdrittel hochgradig spektakulär. Alleine zwischen der 45. und 48. Minute fielen fünf Tore binnen 211 Sekunden. French eröffnete den Torreigen mit dem etwas überraschenden Ausgleich im Nachschuss bei einem Konter. 27 Sekunden darauf führte Bietigheim aber schon wieder. Tim Fleischer zog hart aber unpräzise ab. Der Schuss wäre weit vorbeigeflogen, hätte er nicht Schoofs getroffen, der die Scheibe unbeabsichtigt diesmal ins richtige Tor ablenkte. Weitere 36 Sekunden danach traf Brett Breitkreuz im Nachschuss, nachdem er von Tim Schüle schön freigespielt worden war. Fast eine ganze Minute dauerte es dann, bis Lukas Laub über links durchbrach, zur Mitte zog, kurz die Kufen ins Eis rammte und die Scheibe im kurzen Eck versenkte.

Dann war wieder Tölz an der Reihe. Nach toller Einzelleistung von McNeely traf Reiter zum zweiten Mal (48.). Weller erwischte dann im Powerplay satt den Pfosten (51.). Das war es dann aber mit der Tölzer Herrlichkeit. Norman Hauner schloss in der 52. Minute ein starkes Powerplay zum 8:5 ab. Und mit einem unwiderstehlichen Antritt über rechts sorgte Benjamin Zientek schließlich für den sportlichen Schlusspunkt (53.). Und Boisvert freute sich auch, dass sein Team wieder torhungrig war: „Das waren wir in Weißwasser nicht.“

Den unsportlichen Höhepunkt lieferte dann noch French mit einem üblen Check gegen das Knie von Alexander Preibisch. Gaudet entschuldigte sich zwar hinterher für diese Aktion seines Spielers, Preibisch könnte aber länger ausfallen, so wie es aussah.

So spielten sie


DEL2, 10. Spieltag
Bietigheim – Bad Tölz

9:5

Drittel: 3:2, 1:1, 5:2.
Tore: 1:0 Cabana (1.), 2:0 McKnight (2./Überzahl), 2:1 Sedlmayr (9.), 3:1 Cabana (12.), 3:2 Dibelka (14.), 3:3 Reiter (36.), 4:3 McKnight (40./Überzahl), 4:4 French (45.), 5:4 Schoofs (45.), 6:4 Breitkreuz (46.), 7:4 Laub (47.), 7:5 Reiter (48.), 8:5 Hauner (52./Überzahl), 9:5 Zientek (53.).
Strafminuten: 10 (5 Strafen) – 39 (8 Strafen + Spieldauer French).
Schiedsrichter: Stephan Bauer (Nürnberg), Kilian Hinterdobler (Reichersbeuern); Zuschauer: 2692

Mark Ledlin von den Huskies zu den Steelers


Von den Kassel Huskies wechselte der 21-jährige Stürmer Mark Ledlin vor dem Spiel gegen Bad Tölz ins Ellental. Das gab der Klub am Nachmittag vor der Partie bekannt. Der in Garmisch-
Partenkirchen geborene Rechtsschütze wurde in der Jugend des SC Riessersee ausgebildet und lief mit der vorläufigen  Rückennummer 50 auf. Er soll nach dem Abgang von Max Lukes dem Kader mehr Tiefe verleihen. bz