Die Zeiten ändern sich: Trainer und Spieler kommen und gehen, die Vereine durchleben Höhen und Tiefen – und die Heilbronner Falken gewinnen plötzlich in der EgeTrans-Arena. Die Bietigheim Steelers verloren am Dienstagabend auch das zweite Derby der DEL2-Hauptrunde 2019/20, diesmal mit 4:7. Für die Unterländer war es nach zuvor 14 Niederlagen im Ellental hintereinander der erste Sieg. Sechs Jahre sind bis dahin vergangen.

Dritte Niederlage unter St. Jean

Für Marc St. Jean war die Pleite im Prestigeduell die dritte Niederlage seit dem Einstieg als Steelers-Interimstrainer. Sein Team bleibt in der Tabelle auf dem neunten Platz. Am Freitag (19.30 Uhr) geht es für den SCB bei den Tölzer Löwen weiter. Die vom langjährigen Bietigheimer Erfolgscoach Kevin Gaudet trainierten Oberbayern sind mit zehn Siegen in Serie die Mannschaft der Stunde und stehen seit Dienstag sogar auf Rang drei. Den Steelers blüht dagegen die fünfte Schlappe hintereinander.

Mit 0:4 lagen die Bietigheimer Cracks gegen Heilbronn bereits nach dem ersten Durchgang hinten. Nach einer stürmischen Anfangsphase der Steelers zogen die Falken den Hausherren mit einem Doppelschlag schnell den Zahn. Erst staubte Kapitän Derek Damon zum 0:1 ab, nachdem der ins Tor zurückgekehrte Stephon Williams einen Schuss von Stefan Della Rovere abgewehrt hatte (4.). Kurz darauf hatte Brett Breitkreuz einen Blackout: Der Stürmer verlor an der Mittellinie als letzter Mann die Scheibe an Bryce Gervais. Dieser ging auf und davon, scheiterte aber an Williams, doch im zweiten Versuch schob der mitgelaufene Ian Brady den Puck zum 0:2 ins Netz. Exakt vier Minuten und neun Sekunden waren zu diesem Zeitpunkt erst absolviert. Wenn die Bietigheimer einen Plan hatten, war jener früh durchkreuzt worden.

St. Jean reagierte sofort und nahm eine Auszeit, um seine strauchelnden Mannen neu einzustellen. Doch wie gehabt blieb Heilbronn am Drücker. Zwei weitere Male rappelte es noch in der Bietigheimer Kiste. Nach einem abgeblockten Schuss von Alexander Nikiforuk und einem Querpass von Della Rovere traf Damon aus kurzer Distanz zum 0:3 (18.). 62 Sekunden vor Drittelende schoss Nikiforuk gar das 4:0 für die Gäste. „Hier regiert der HEC“ tönte es nun laut aus dem Falken-Block. Auf der Gegenseite hatten die Steelers-Fans eine unmissverständliche Botschaft an ihre Lieblinge: „Wir wollen euch kämpfen sehen“, skandierten sie. Mit Pfiffen von den Rängen wurde die Mannschaft in die Kabine verabschiedet. Eigentlich konnte es nur besser werden.

Brenner ersetzt Williams im Tor

Zum zweiten Drittel nahm St. Jean einen Torwartwechsel vor: Cody Brenner ersetzte Williams, der im ersten Spielabschnitt freilich noch Schlimmeres verhindert hatte. Mit neuem Mut kehrte die Truppe aus dem Ellental aufs Eis zurück – und René Schoofs, der den zum Assistenzcoach bestimmten Nikolai Goc wieder als Kapitän vertrat, ging mit bestem Beispiel voran. Der Steelers-Dauerbrenner schloss bereits nach 46 Sekunden einen Angriff über Chris Owens und Frédérik Cabana mit dem 1:4 ab (21.). Nun endlich lieferten die Bietigheimer dem Erzrivalen einen heißen Derbykampf auf Augenhöhe, auch wenn die Begegnung bereits verloren schien. Erst recht, nachdem Falken-Topscorer Dylan Wruck das 5:1 gelungen war (26.). Die Steelers-Schlachtenbummler feuerten ihr Team weiter an, als ob nichts geschehen wäre. Sie spürten: Dieses verunsicherte Ensemble braucht gerade in der gegenwärtigen Krise die Unterstützung von außen.

Spätestens, nachdem Damon in Überzahl (46.) und Brady (48.) auf 7:1 erhöht hatten, kam aber auch die verbale Gegenwehr der SCB-Fans fast zum Erliegen. Immerhin: Benjamin Zientek (50.) und Topscorer Matt McKnight (53./58.) gelang noch etwas Ergebniskosmetik zum 4:7-Endstand. „Die Nummer eins im Land sind wir“, sangen die glückseligen HEC-Anhänger. So ändern sich die Zeiten.

So spielten sie


DEL2, 22. Spieltag
Bietigheim – Heilbronn

4:7

Drittel: 0:4, 1:1, 3:2.
Tore: 0:1 Damon (4.), 0:2 Brady (5), 0:3 Damon (18.), 0:4 Nikiforuk (19.), 1:4 Schoofs (21.), 1:5 Wruck (26.), 1:6 Damon (46./Überzahl), 1:7 Brady (48.), 2:7 Zientek (50.), 3:7 McKnight (53./Überzahl), 4:7 McKnight (57.)
Strafminuten: 6 (3 Strafen) – 10 (5 Strafen).
Schiedsrichter: Michael Klein (Stuttgart), Sascha Westrich (Zweibrücken); Zuschauer: 3875.