Der Stachel saß tief. Doch die Bietigheim Steelers haben am Freitagabend in der DEL2 die erhoffte Trotzreaktion gezeigt – eine Trotzreaktion auf die Kritik, die an den Trainern und Spielern nach der jüngsten Misere laut geworden ist. Auf den öffentlichen Brief, den der Klub am Donnerstag veröffentlicht hatte, um zur aktuellen Situation Stellung zu nehmen. Auf den blutleeren Auftritt eine Woche zuvor bei der ersten Heimniederlage der Saison gegen Bad Nauheim (0:2). Und auf die 1:4-Derbyschlappe zuletzt bei den Heilbronner Falken. Mit 4:1 bezwang die Mannschaft von Trainer Hugo Boisvert nun den Titelverteidiger Ravensburg Towerstars, der immerhin als auswärtsstärkstes Team und Tabellenvierter im Ellental angetreten war. Dennoch verharren die Steelers auf Rang acht. Am Sonntag (17 Uhr) sind auswärts die Bayreuth Tigers der nächste Gegner.

Ohne Hauner und McKnight

Bemerkenswert war der Heimerfolg, weil er ohne fünf Leistungsträger und mit nur einem Ausländer im Kader zustande kam: Stürmer Norman Hauner und Top­scorer Matt McKnight gesellten sich zu Keeper Stephon Williams, Kapitän Nikolai Goc und Star-Verteidiger Tim Schüle ins Bietigheimer Lazarett. Dafür kehrte von dort Alexander Preibisch nach dreiwöchiger Zwangspause infolge einer Knieverletzung überraschend ins Aufgebot zurück. Geschäftsführer Volker Schoch hatte ein Comeback der Rekonvaleszenten eigentlich erst für die Zeit nach der Deutschland-Cup-Pause in Aussicht gestellt. „Das zeigt viel Charakter und Führungsqualität. Man hat gesehen, wie wichtig er für uns ist, gerade auch in Unterzahl“, lobte Coach Boisvert Rückkehrer Preibisch, der sich selbst fit gemeldet hatte.

Der Assistenzkapitän und Publikumsliebling erhielt beim Verlesen der Aufstellung prompt den meisten Applaus von den Rängen. Dafür schwiegen die Fans, als Stadionsprecher Andreas Lausch die Namen von Boisvert und Sportdirektor Marc St. Jean vortrug, statt wie sonst üblich den Nachnamen zu brüllen. Vereinzelt waren sogar Pfiffe zu hören.

Ansonsten unterstützte der Bietigheimer Anhang die ersatzgeschwächte Mannschaft in den 60 Minuten aber bedingungslos. Die spielerischen Vorteile der Ravensburger machten die Steelers mit Einsatz und Kampfgeist wett. Hinzu kam ein bestens aufgelegter Cody Brenner im Kasten. Der 22-Jährige, der schon in den Spielen zuvor einer der wenigen Lichtblicke gewesen war, zeigte seine bisher stärkste Leistung im SCB-Trikot und hatte ab und zu auch das Glück des Tüchtigen. Etwa nach 53 Sekunden, als Sören Sturms Fernschuss an den Pfosten prallte. Obwohl das Torschussverhältnis nach dem ersten Drittel 16:4 für die Towerstars lautete, lag das Heimteam zur ersten Pause vorne – dank einer Willensleistung von Benjamin Zientek. Der Angreifer schnappte sich im eigenen Drittel den Puck, behauptete sich am rechten Flügel und jagte die Scheibe zum 1:0 ins lange Eck.

Zwei Tore in 20 Sekunden

Im zweiten Durchgang blieb Ravensburg zunächst dominant. Die Steelers zogen sich wie gehabt weit zurück, verteidigten – auch in Unterzahl – weiter beherzt und lauerten auf Konter. Mit einem Doppelschlag innerhalb von 20 Sekunden schossen die Boisvert- Schützlinge eine 3:0-Führung heraus. Erst staubte der von Zientek freigespielte Dennis Swinnen, bereits auf dem Eis liegend, zum 2:0 ab, nachdem er im Fallen beim ersten Schussversuch noch an Olafr Schmidt gescheitert war. Dann erwischte Freddy Cabana die Abwehr der Oberschwaben und Schmidt im Tiefschlaf und traf völlig unbeachtet zum 3:0, worauf Gästecoach Tomek Valtonen seinen Goalie vom Eis holte und Marco Wölfl zwischen die Pfosten schickte. Vom Bully weg pennte jetzt auch Bietigheims Verteidigung: Der Tscheche Jakub Svoboda war im Eins-gegen-eins-Duell gegen Brenner erfolgreich und verkürzte auf 1:3 (31.).

Im Schlussdrittel ging’s noch mal hitzig zur Sache – vor allem zwischen Steelers-Youngster Robert Kneisler (18) und Towerstars-Förderlizenzspieler Boaz Bassen (20), die sich unmittelbar nach Kneislers Pfostentreffer einen Boxkampf lieferten und entsprechend sanktioniert wurden. Die Gäste probierten noch mal alles – vergebens. Den Schlusspunkt setzte Zientek mit einem Empty-Net-Goal, nachdem Swinnen die Scheibe perfekt in Richtung Ravensburger Gehäuse befördert hatte (58.). Brenner, eine gnadenlose Effektivität sowie ein exzellentes Penalytkilling – alle vier Unterzahl-Situationen überstanden die Steelers unbeschadet – waren letztlich die Erfolgsfaktoren. Dass das Powerplay hingegen ohne die Schlüsselspieler McKnight und Schüle dreimal ziemlich misslang, fiel am Freitag nicht ins Gewicht. Alles kann eben auch nicht auf einen Schlag plötzlich wieder klappen.

So spielten sie


DEL2, 16. Spieltag
Bietigheim – Ravensburg

4:1

Drittel: 1:0, 2:1, 1:0.
Tore: 1:0 Zientek (13.), 2:0 Swinnen (30.), 3:0 Cabana (30.), 3:1 Svoboda (31.), 4:1 Zientek (58./Empty Net).
Strafminuten: 24 (8 Strafen) – 22 (7 Strafen).
Schiedsrichter: Patrik Gogulla (Düsseldorf), Nicole Hertrich (Hagen).
Zuschauer: 2886.

Wölfe vertrauen Duo Russell und Heinrizi


Der EHC Freiburg setzt langfristig auf das aktuelle Führungsduo: Der Tabellenneunte der DEL2 verlängerte vorzeitig die Verträge mit dem Sportlichen Leiter Daniel Heinrizi (33) und Cheftrainer Peter Russell (45). Heinrizi war zum Ende der vergangenen Saison vom Ligakonkurrenten EC Bad Nauheim gekommen. Der Schotte und britische Nationalcoach Russell heuerte zur laufenden Runde bei den Wölfen an. Der Klub aus dem Breisgau ist für ihn die erste Trainerstation außerhalb Großbritanniens. ae