Viel ungeschickter geht’s nicht: Die Bietigheim Steelers haben am Freitagabend bei den ersatzgeschwächten Ravensburg Towerstars in den letzten zehn Minuten noch eine 5:2-Führung verspielt und am Ende mit 5:6 nach Verlängerung verloren. „Heute haben wir gelernt, dass ein verletztes Tier ein gefährliches Tier ist“, sagte Steelers-Trainer Marc St. Jean nach dem Duell beim amtierenden Meister. Schon vor drei Wochen in Dresden hatte sein Team im Schlussdrittel einen Drei-Tore-Vorsprung vergeigt und einen fast schon sicheren Sieg aus der Hand gegeben. Bereits am Sonntag (17 Uhr) kommt es im Ellental zum vierten und damit letzten Kräftemessen zwischen Bietigheim und Ravensburg in der laufenden Hauptrunde.

Steelers-Probespieler Guillaume Leclerc steuerte bei seinem Debüt auf Anhieb drei Scorerpunkte bei. Der französische Nationalspieler kassierte in der Verlängerung aber auch eine Strafzeit, die Vincenz Mayer zum Towerstars-Siegtreffer in Überzahl nutzte. Ein weiterer Wermutstropfen aus Steelers-Sicht war die Verletzung von Dennis Swinnen. Der Stürmer musste nach einem Zusammenprall bereits im ersten Drittel vom Eis.

Während die personell gehandicapten Hausherren mit nur drei Reihen und ohne ihren kranken Star Andreas Driendl aufliefen, spielte Bietigheim – auch ohne den noch angeschlagenen Lukas Laub – mit vier Reihen. Quasi aus dem Nichts ging Ravensburg in der zwölften Minute in Führung: Jakub Svoboda fuhr ungehindert Richtung Steelers-Kasten und vollstreckte zum 1:0 ins lange Eck. Die Gäste brauchten eine Weile, ehe sie sich berappelt hatten. Ein Doppelschlag in der 16. Minute bescherte ihnen neue Sicherheit. Erst war Norman Hauner mit einem raffinierten Schlenzer zum 1:1 erfolgreich. 26 Sekunden später nutzte der SCB sein erstes Powerplay zum 2:1: Tim Schüle traf aus der Distanz und profitierte dabei davon, dass Benjamin Zientek vor der Nase von Marco Wölfl herumgetanzt war und dem Towerstars-Schlussmann so die Sicht versperrt hatte.

Kurios war das 3:1: Nach einem gewonnenen Bully von Matt McKnight zog Leclerc sofort ab, Wölfl parierte den Schuss, doch Ravensburgs Verteidiger Maximilian Kolb schob den Puck bei seinem verunglückten Rettungsversuch durch die Schoner seines Goalies (27.). Da es im Eishockey keine Eigentore gibt, wurde das Tor Leclerc gutgeschrieben.

Der vierte Steelers-Treffer war dann aber wieder ganz klar eine Bietigheimer Produktion: Nach Vorarbeit von Eric Stephan und René Schoofs vollendete Hauner aus kurzer Distanz (34.). Ein Patzer von Torhüter Stephon Williams ermöglichte den Oberschwaben 92 Sekunden vor Drittelende das 2:4: Dem US-Amerikaner glitt die Scheibe nach einem Schuss von Shawn O‘Donnell aus dem Handschuh, und Mayer ließ sich die unverhoffte Chance nicht entgehen und staubte ab.

Vogelwild und unkonzentriert

Für das letzte Drittel versuchte es Towerstars-Coach Rich Chernomaz mit einem neuen Keeper: Olafr Schmidt löste Wölfl ab. Ravensburg drückte nun mächtig, doch das nächste Tor fiel auf der Gegenseite: Brett Breitkreuz fälschte einen Fernschuss von Chris Owens zum 2:5 ab (48.). Es folgte eine vogelwilde und unkonzentrierte Bietigheimer Endphase: Youngster Justin Volek mit seinem ersten DEL2-Tor (51.) und Sören Sturm (52.) verkürzten innerhalb von einer Minute auf 4:5, worauf St. Jean sofort eine Auszeit nahm. Trotzdem kassierte sein Team durch O‘Donnell noch den 5:5-Ausgleich – Williams war die Scheibe durchgeflutscht (58.). Und in der zweiten Minute der Verlängerung gab der Titelverteidiger den Steelers dann mit dem 6:5 endgültig den Rest und sorgte so für bedröppelte Gesichter im Bietigheimer Lager.

So spielten sie


DEL2, 27. Spieltag
Ravensburg – Bietigheim

6:5 n.V.

Drittel: 1:2, 1:2, 3:1; 1:0.
Tore: 1:0 Svoboda (12.), 1:1 Hauner (16.), 1:2 Schüle (16./Powerplay), 1:3 Leclerc (27.), 1:4 Hauner (34.), 2:4 Mayer (39.), 2:5 Breitkreuz (48.), 3:5 Volek (51.), 4:5 Sturm (52.), 5:5 O‘Donnell (58.), 6:5 Mayer (60.+2/Überzahl).
Strafminuten: 8 (4 Strafen) – 8 (4 Strafen).
Schiedsrichter: Andreas Koch (Zürich), Markus Schütz (Bad Aibling).
Zuschauer: 2902.