Das Lob haben die Bietigheim Steelers nach dem Spiel bei den Lausitzer Füchsen kassiert, die Punkte blieben am neunten Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) 2 allerdings an der polnischen Grenze. Obwohl das Team von Hugo Boisvert selbst bei personellem Gleichstand über weite Strecken des zweiten und dritten Drittels Powerplay spielte, unterlag es am Ende mit 2:3, weil Torhüter Mac Carruth irgendwann über sich hinauswuchs und 48 von insgesamt 50 Schüssen entschärfte.

„Wir lassen eigentlich immer viele Schüsse zu, aber aus Positionen, die wir wollen“, sagte Füchse-Trainer Corey Neilson nach der Partie. Damit traf er einerseits den Nagel auf den Kopf. Denn beispielsweise Tim Schüle, der Verteidiger, der bislang den roten Helm des Topscorers trägt, fand selten die Lücken, die er für seine Präzisionsgeschosse benötigt. Und wenn, dann hatte Carruth freie Sicht, sodass er keine größeren Probleme damit hatte, sich als Abfangjäger zu betätigen.

Weißwasser mit Puckglück

Der Unterschied an diesem Tag wurde vor allem im Überzahlspiel deutlich. Während Bietigheim, das bislang jedes vierte seiner Powerplays erfolgreich gestaltet hatte, zwar aus allen Rohren schoss, den Füchse-Schlussmann aber nie in erhebliche Gefahr brachte, weil die Versuche eben vorhersehbar waren, wurde Stephon Williams auf der anderen Seite zweimal gnadenlos ausgespielt. Querpass, Schläger hinhalten, jubeln. So einfach kann unter Umständen Eishockey sein. Wobei die Gastgeber beim Siegtreffer 9,6 Sekunden vor der zweiten Pausensirene auch eine gehörige Portion Glück hatten. Darcy Murphy hatte eigentlich über den Puck geschlagen, die Scheibe sprang ihm aber noch einmal vor den Schläger, sodass er sie nun ins offene Tor schieben konnte.

So ähnlich wie bei den beiden „todbringenden“ Toren der Füchse gelang das zu Beginn des Mitteldrittels auch ausgerechnet den Youngsters in Reihen der Steelers. Robert Kneisler, Förderlizenzspieler Tim Fleischer und Norman Hauner hatten sich regelrecht im gegnerischen Drittel festgebissen. Kneisler eroberte schließlich vor dem Füchse-Gehäuse die Scheibe, legte auf die linke Seite zu Fleischer, der das inzwischen in Schussposition gelaufene Steelers-Eigengewächs wieder bediente. Kneisler und Hauner behinderten sich zwar fast noch gegenseitig, doch dem 18-jährigen gebürtigen Herrenberger gelang es, die Scheibe über die Linie zu schieben und damit seinen ersten Profitreffer zu erzielen.

Bis dahin sah die Steelers-Welt rosig aus. Die Mannschaft bestimmte das Spiel, weitere Tore waren gefühlt nur eine Frage der Zeit. So ähnlich hatte es auch schon nach 74 Sekunden ausgesehen, als Hauner kurioserweise einen Pass auf sich selbst gespielt und Carruth zum 1:0 überwunden hatte. Die Antwort ließ da jedoch nur 94 Sekunden auf sich warten. Jordan George überwand Williams mit einem Schuss in die lange Ecke.

Nach Kneislers 2:1 spielten eigentlich nur die Bietigheimer. Die Füchse waren froh, wenn sie sich irgendwie befreien konnten. An konstruktive Gegenangriffe war kaum zu denken. „Wir hatten zu wenig Biss vor dem Tor“, monierte jedoch Steelers-Trainer Hugo Boisvert. So blieb es eben bei den beiden Treffern. Und wie es eben so oft im Sport ist, kippt dann plötzlich das Spiel. In diesem Fall in der 34. Minute, als George nach einem Querpass von Mike Hammond das offene Tor vor sich hatte und ausglich. Wenig später griff auch noch das Schiedsrichtergespann Markus Schütz und Stefan Vogl so ein wenig ins Geschehen ein, als es für einen ganz üblen Bandencheck von Clarke Breitkreuz, Bruder des Steelers-Stürmers Brett Breitkreuz, gegen Benjamin Zientek nur zwei Minuten gab. Selbst viele Weißwasseraner waren der Meinung, dass er damit noch mehr als gut davongekommen war.

Aber womöglich hätte hier auch eine fünfminütige Strafe nichts eingebracht. Denn ganz am Schluss zeigten die Steelers, dass Überzahlspiel an diesem Abend einfach nicht ihr Ding war. Nachdem Eric Mik und Joel Keussen drei Minuten vor dem Ende innerhalb von vier Sekunden auf die Strafbank mussten, spielten die Bietigheimer fast zwei volle Minuten mit drei Mann mehr, denn Boisvert opferte den Torhüter für einen sechsten Feldspieler. Doch selbst da brachten sie den Puck nicht mehr im Netz unter, sodass die Niederlage trotz deutlicher Überlegenheit iregndwie auch verdient war.

So spielten sie


DEL2, 9. Spieltag
Weißwasser – Bietigheim

3:2

Drittel: 1:1, 2:1, 0:0.
Tore: 0:1 Hauner (2.), 1:1 George (3.), 1:2 Kneisler (23.), 2:2 George (34./Überzahl), 3:2 Murphy (40./Überzahl).
Strafminuten: 16 (8 Strafen) – 16 (8 Strafen).
Schiedsrichter: Markus Schütz (Bad Aibling), Stefan Vogl (München).
Zuschauer: 2225