Auswärts sind die Bietigheim Steelers seit vier Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2) ohne Sieg. Dabei gab es die herben 2:10- und 1:6-Klatschen in Kassel und Frankfurt. Dafür ist das Team von Trainer Hugo Boisvert zu Hause noch ungeschlagen. Auch gegen den in den letzten Jahren so starken ESV Kaufbeuren hielt die Serie. Glanzvoll war der 3:2-Erfolg allerdings nicht.

Am Ende war Boisvert „stolz auf die Jungs“, weil sie sich in Münchhausen-Manier quasi am eigenen Schopf aus dem Schlamassel gezogen hätten. Schön anzuschauen war das nicht unbedingt, was auch die trotz Spannung eher maue Stimmung in der EgeTrans-Arena belegte. Doch Respekt musste man den Steelers schon zollen. Denn die wirkten nach dem 0:2 durch zwei Treffer von Sami Blomqvist (11./Überzahl, 14.) zwei Minuten lang mausetot. Man befürchtete beinahe schon ein Debakel wie am Freitag. Kaufbeuren beherrschte die Szene nach Belieben, und der dritte Treffer schien nur eine Frage der Zeit.

Doch dann passte Dennis Swinnen, der am Freitag in Frankfurt zurückgekehrt war, ganz genau auf und fing vor der gegnerischen Verteidigungszone einen Pass ab. Und dann ging es ganz schnell: Puck hinters Tor, Matt McKnight sah Lukas Laub heraneilen, der die Scheibe neben dem Pfosten versenkte (16.).

Der Anschlusstreffer war so etwas wie der Weckruf für die Gastgeber. Während sich die Kaufbeurer laut Trainer Andreas Brockmann im zweiten Drittel viel zu passiv verhielten – „verwalten liegt uns nicht“ –, bestimmten die Steelers nun zunehmend das Geschehen. Eine erste dicke Chance von Norman Hauner hätte eventuell nicht als Treffer gezählt, weil der Bietigheimer das Zuspiel von Frédérik Cabana zwar nicht kickend, aber sehr aktiv mit dem Schlittschuh in Richtung Tor beförderte (25.). Drei Minuten später stand Brett Breitkreuz im Powerplay plötzlich ziemlich frei vor ESV-Schlussmann Stefan Vajs, konnte die Scheibe aber nicht mehr auf die Vorhand legen und brachte sie so nicht über die Beinschiene. Doch die Situation war noch nicht vorbei, und wenige Sekunden später fälschte Breitkreuz einen Schuss von McKnight unter die Latte ab (28.).

Nun waren die Steelers auch dem Ergebnis nach wieder zurück im Spiel. Doch nur eine Minute nach dem 2:2-Ausgleich mussten sie noch eine Schrecksekunde überstehen, als Tobias Wörle auf halbrechts frei vor Cody Brenner auftauchte und satt den linken Pfosten traf. Es war quasi der Ausgleich für Bietigheims beste Chance in der Anfangsphase, als Laub aus fast der gleichen Position die Latte getroffen hatte (8.).

Jener Laub bereitete dann die erste Chance zur Bietigheimer Führung vor. McKnight scheiterte wie zuvor Breitkreuz mit der Rückhand (30.). Aber die Hausherren drängten nun auf das 3:2. Ähnlich wie Swinnen beim 1:2 eroberte sich Hauner in der 32. Minute unmittelbar vor dem Gästedrittel die Scheibe, hatte freie Bahn, scheiterte jedoch im Alleingang an Vajs. Vier Minuten später war es wiederum Laub, der nach einem Bullygewinn Vajs völlig unbedrängt auf die Brust schoss. Aber dann fiel es doch noch, das 3:2. René Schoofs machte über links das Spiel schnell, leitete die Scheibe auf Breitkreuz weiter, der im Eilzugtempo im Richtung Kaufbeurer Tor unterwegs war. Der Ex-Frankfurter versuchte es allein, blieb jedoch hängen. Hauner übernahm aber die Scheibe, hatte nun auf halbrechts freie Bahn und überwand Vajs im kurzen Eck.

Kaufbeuren musste nun im Schlussdrittel wieder mehr fürs Spiel tun, und dass die Joker dazu gewillt und in der Lage waren, zeigten sie vom Eröffnungsbully weg. Schon nach 13 Sekunden hatte Branden Gracel eine erste Chance über rechts. Brenner wirkte etwas wackelig bei der Abwehr, schaffte es aber, die Situation zu bereinigen. Kaufbeuren blieb danach druckvoll, schaffte es jedoch nicht mehr, die ganz brenzligen Situationen herbeizuführen. Brenner, der für den am Freitag im Frankfurt verletzt vom Eis gegangenen Stephon Williams spielte, musste keine Glanztaten vollbringen, um seinen Kasten sauber zu halten.

Auf der anderen Seite lief auch Vajs äußerst selten Gefahr, noch ein viertes Mal hinter sich greifen zu müssen. Denn die personell dezimierten Bietigheimer – neben Torhüter Williams fehlten die Top-Verteidiger Tim Schüle und Nikolai Goc sowie der immer gefährliche Stürmer Alexander Preibisch – verlegten sich auf die Sicherung des eigenen Tores. Dies gelang so gut, dass viele potenziell gefährliche Situationen schon in der Entstehung geblockt wurden. So mühten sich die Brockmann-Schützlinge zwar redlich um den erneute Ausgleich, letztlich jedoch erfolglos.

Boisvert lobt Charakter

„Ich bin extrem stolz auf meine Mannschaft. Besonders so, wie das Spiel angefangen hat. Nach dem 0:2-Rückstand hätten die Jungs sich auch sagen können:  ,wir sind müde und haben einen kleinen Kader’ und hätten aufhören können zu spielen. Das war aber nicht der Fall. Sie haben Charakter und Leidenschaft gezeigt“, lobte Boisvert.

Neben der Tatsache, dass sein Team im zweiten Drittel zu sehr zurücksteckte, ärgerte sich Gästecoach Brockmann vor allem über das Gegentor im ersten Durchgang. „Das ist momentan ständig so: Wir machen einen Fehler und werden extrem hart bestraft“, lamentierte der Kaufbeurer Trainer. Ansonsten war er aber mit den ersten 20 Minuten seines Teams zufrieden. „Wir haben sehr gut angefangen, sind sehr gut ins Spiel gekommen und 2:0 in Führung gegangen“, lobte Brockmann. Nach einem schwachen zweiten Drittel sei sein Team dann im Schlussabschnitt noch einmal gut ins Spiel gekommen.

So spielten sie


DEL2, 13. Spieltag
Bietigheim – Kaufbeuren

3:2

Drittel: 1:2, 2:0, 0:0.
Tore: 0:1, 0:2 Blomqvist (11./14./Überzahl), 1:2 Laub (16.), 2:2 Breitkreuz (28./Überzahl), 3:2 Hauner (39.).
Strafminuten: 4 (2 Strafen) – 8 (4 Strafen); Schiedsrichter: Kevin Salewski (Berlin), Jens Steinecke (Erfurt); Zuschauer: 2186.