Der VfB Stuttgart oder der FC St.Pauli haben es in dieser Saison schon vorgemacht. Die MHP Riesen Ludwigsburg gegen Ulm und Crailsheim sogar gleich doppelt. Derbysiege sind das Größte, Emotionalste, was es im Sport gibt. Mancher Fan würde dafür auf jeglichen anderen Erfolg in der Runde verzichten. Auch viele Steelersfans gäben sehr viel für einen Sieg an diesem Dienstagabend (20 Uhr), wenn die Heilbronner Falken am 22. Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2) in der EgeTrans-Arena zu Gast sind. Schließlich läuft es bei den Bietigheimern trotz Trainerwechsel derzeit überhaupt nicht. Und auch das erste Derby in dieser Saison ging schon mit 4:1 an die Käthchenstädter.

1:4 aus Bietigheimer lautete auch das letzte Ergebnis am Sonntagabend gegen die Lausitzer Füchse. Vergleichen lassen sich die beiden Partien aber nur bedingt. In Heilbronn war das Team des da noch amtierenden Trainers Hugo Boisvert stark ersatzgeschwächt. Vor allem die Defensive war stark ausgedünnt. Sowohl Stammtorhüter Stephon Williams, als auch die beiden Top-Verteidiger Nikolai Goc und Tim Schüle waren nicht dabei. Gegen vier volle Reihen der Heilbronner hatten die Steelers da nicht genügend entgegenzusetzen. Bei der Niederlage gegen die Lausitzer Füchse waren dagegen bis auf Kapitän Goc alle wieder mit an Bord. Hier war es eher der Kopf der nicht mitspielte.

Nach der am Freitag in Dresden verspielten 4:1-Führung nach zwei Dritteln, war die Verunsicherung bei den Steelers nach dem Ausgleich extrem druckvollem Auftakt beinahe schon greifbar. „Das sind alles Menschen da auf dem Eis. Wir haben alle das Spiel am Freitag gesehen. Wir haben 40 Minuten absolut dominiert. Und dann ist plötzlich im letzten Drittel ein bisschen die Luft raus. Wir waren mit dem Kopf nicht mehr richtig da. Das merkt man dann in so einem Spiel wie gegen Weißwasser. Man will unbedingt noch ein Tor schießen, um Druck rauszunehmen. Aber plötzlich kassierst du den Ausgleich und der Druck wird riesig“, versuchte Interimstrainer Marc St. Jean den Spielverlauf gegen die Füchse zu erklären.

Der Druck von außen wird allerdings vor dem Derby gegen Heilbronn eher nicht kleiner. Die Hauptaufgabe von St. Jean wird deshalb vor allem darin liegen, die Köpfe einigermaßen frei zu bekommen. In nur zwei, drei Trainingseinheiten seit er die alleinige Verantwortung hat, lässt sich ohnehin nur wenig am Spielsystem, an den eingeübten Automatismen ändern. Gearbeitet werden kann allerhöchstens an der Qualität der Schüsse, die aufs Tor kommen. Gegen Weißwasser stellten viele Versuche keine allzu schwierig zu lösende Aufgabe für Schlussmann Mac Carruth dar. Kommt dagegen Qualität und nicht nur Quantität auf den Kasten, dann kann auch das bislang noch von Boisvert geerbte Spielsystem funktionieren.

„Momentan ist der Spielplan zu eng getaktet, um nachhaltig im taktischen Bereich etwas zu ändern. Ab kommendem Dienstag werden wir da aber verstärkt einsteigen. Man merkt der Mannschaft an, dass sie annimmt, was Marc sagt, dass sie bereit ist, etwas zu ändern“, berichtet Geschäftsführer Volker Schoch aus dem Innenleben des Teams. Er steht deshalb auch voll hinter seiner Entscheidung, zumindest vorerst mit St. Jean weiterzumachen. Kurzfristig sind dabei allerdings keine Wunderdinge zu erwarten. Deshalb sagt er auch: „Wir haben gegen Heilbronn gar nichts zu verlieren. Die Masse erwartet doch, dass wir im Derby nichts reißen. Deshalb können wir ganz ohne Druck ins Spiel gehen.“ Nach dem Verlauf der beiden Wochenendpartien vielleicht nicht die schlechteste Ausgangsposition.