Bei der 1:4-Derbyniederlage beim neuen Tabellenführer Heilbronner Falken fehlten den Bietigheim Steelers über die meiste Zeit die beiden Topscorer, die beiden Kapitäne und der Stammtorhüter. An der Situation hat sich nicht viel geändert, wenn am Freitag (17 Uhr) die Ravensburg Towerstars, der amtierende Meister der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2), in Bietigheim zu Gast sind.

Anfang der Woche gab es erst einmal Entwarnung. Topscorer Matt McKnight, der nach einem Ellbogencheck gegen das Kinn mehr als zwei Drittel des Derbys in Heilbronn verpasst hatte, sei soweit in Ordnung. Er fühle sich gut und wolle am Dienstag wieder trainieren. Doch am Dienstag trainierte der 35-jährige Kanadier nicht, und Trainer Hugo Boisvert ließ wissen, dass sein Einsatz gegen Ravensburg mindestens fraglich sei.

Mit Ausfällen haben auch andere Teams zu kämpfen. DEL2-Schlusslicht ESV Kaufbeuren kann davon ein Lied singen. Nach zwei Jahren im Playoff-Halbfinale kommen die Allgäuer in diesem Jahr noch nicht in Fahrt. Dennoch ist es auch nachvollziehbar, wenn Boisvert innerlich den Kopf schüttelt und sagt: „So etwas habe ich noch nie in meiner ganzen Karriere als Spieler und Trainer erlebt.“ Denn im Grunde fallen ihm die fünf wichtigsten Spieler seines Teams weg. Die beiden Kapitäne Nikolai Goc und Alexander Preibisch als Führungspersönlichkeiten, die beiden Topscorer Tim Schüle und McKnight sowie Rückhalt Stephon Williams. „Er hat unglaublich für uns gehalten“, beschreibt Boisvert dessen Stellenwert.

Dennoch ist das der Ausfall, der vielleicht am wenigsten schmerzt, denn Ersatzmann Cody Brenner „macht seine Sache gut“, wie der Steelers-Trainer betont. Gegen die Towerstars wird von ihm auch wieder eine gute Leistung nötig sein, um eine Chance auf einen oder mehrere Punkte zu haben. „Dazu müssen wir clever und diszipliniert spielen – keine Strafen kassieren und keine Geschenke verteilen. Denn Ravensburg ist gefährlich und gut besetzt“, erklärt Boisvert.

Zuletzt haperte es aber eher am Toreschießen. Mit nur einem Treffer am Wochenende sind keine sechs Punkte zu holen. Aber auch hier hat Boisvert ein Rezept, das seine Spieler allerdings auch umsetzen müssen. „Wir müssen einfach spielen. Wenn wir eine Chance zwei gegen eins haben, dann müssen wir auf jeden Fall schießen. Der beste Pass ist immer noch ein Nachschuss“, sagt der Franko-Kanadier. „In Heilbronn hatten wir drei Zwei-gegen-eins-Situationen und hatten dabei keinen einzigen Schuss“, erklärt Boisvert seine Forderung.

Hoffnung auf personelle Entlastung besteht noch durch Kooperationspartner Iserlohn Roosters. „Mark St.Jean hat deswegen Kontakt mit Iserlohn, noch wissen wir aber nicht, ob wir einen Spieler bekommen“, so der Trainer. Mehr als eine Entlastung für die Leistungsträger, die teils über 30 Minuten auf dem Eis stehen, können die jungen Spieler aber nicht sein. Jedenfalls kann man von ihnen nicht erwarten, dass sie Führungsrollen übernehmen.