Ab Freitag (20 Uhr) messen sich die Bietigheim Steelers und der ESV Kaufbeuren in den Pre-Playoffs der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2). Es geht um einen der noch zwei freien Plätze im Viertelfinale. Beide Vereine haben gleich viele Punkte gesammelt (74) und die Hauptrunde auf Rang acht und neun abgeschlossen. Die BZ hat alles Wissenswerte über das Team aus dem Allgäu zusammengetragen.

Der Saisonverlauf

An die starke Vorsaison mit Platz vier nach der Hauptrunde und dem Einzug ins Halbfinale konnte der ESV 2019/20 nicht anknüpfen. An drei Spieltagen stand der Verein sogar auf dem letzten Rang. Die beste Platzierung in der Hauptrunde war dreimal Rang fünf, zuletzt am 44. Spieltag. Im Endspurt schlitterte die Mannschaft allerdings in ein Formtief: Im Februar gab es zunächst sechs Niederlagen am Stück, ehe am drittletzten Spieltag die Talfahrt endete – mit einem 6:4 zu Hause gegen Bietigheim. Nach dem 2:7-Heimdebakel gegen Bayreuth mussten die auf Rang zehn abgerutschten bayerischen Schwaben aber noch mal zittern. Erst am letzten Spieltag machte Kaufbeuren mit einem 5:3 beim EC Bad Nauheim den Einzug in die Pre-Playoffs perfekt. Wie die Steelers wäre der letztjährige Halbfinalist mit einem Punkt weniger in der Abstiegsrunde gelandet.

Der beste Spieler

Topscorer, bester Torschütze, Mann mit den meisten Vorlagen, effektivster Spieler – in allen vier Kategorien führt der Finne Sami Blomqvist das Ranking im Kaufbeurer Kader an. Der 29-jährige Stürmer, der derzeit von vielen Vereinen umworben wird, steht ligaweit mit 74 Punkten auf Rang zwei der Scorerliste, hinter Heilbronns Dylan Wruck (88 Punkte). 38 Treffer – der DEL2-Bestwert – hat Blomqvist selbst erzielt, 36 weitere vorbereitet. Mit einem Plus-Minus-Wert von plus fünf ist er, gemeinsam mit Verteidiger Florin Ketterer, auch hier der Topspieler beim ESV.

Die Ausländer-Positionen

Neben Blomqvist stehen noch drei weitere finnische Angreifer mit viel Routine in Kaufbeuren unter Vertrag: Ossi Saarinen, Antti Kerälä (beide 33) sowie Jere Laaksonen (29). Center Kerälä liegt mit 51 Zählern (15 Tore, 36 Assists) aus 50 Spielen auf Rang zwei der teaminternen Scorerliste. Auf dem dritten Platz folgt der einzige Nordamerikaner im Kader: Der 29-jährige Kanadier Branden Gracel, ebenfalls ein Stürmer, hat es bisher in 46 Partien auf 48 Punkte (17 Tore, 31 Assists) gebracht.

Trio mit Steelers-Vergangenheit

Gleich zwei ehemalige Steelers- Profis sind im Lauf der Saison zum ESV-Kader gestoßen: Nachdem er noch sechs Partien für den SCB absolviert hatte, zog es Max Lukes Anfang Oktober 2019 zurück zu seinem Heimatverein nach Kaufbeuren. Zuvor war der 24-jährige Stürmer gut drei Spielzeiten lang für die Steelers auf Torejagd gegangen. Lukes erwies sich als die erhoffte Verstärkung: Bei seinen 44 Einsätzen verbuchte er 14 Tore sowie 13 Vorlagen. Zeitweise durfte Lukes sogar in der ersten Reihe ran. Sein Plus-Minus-Wert ist mit minus elf allerdings deutlich negativ.

Kurz vor dem Ende der Transferperiode schloss sich Ilya Sharipov dem ESV an. Der Bietigheimer Meistergoalie der Spielzeit 2017/18 wechselte im Februar vom DEL-Schlusslicht Schwenninger Wild Wings zu den Schwaben und ersetzte dort den verletzten Stammtorhüter Stefan Vajs. Bei seinen bisher sechs Einsätzen kassierte er im Schnitt 4,9 Tore und kam auf eine eher schwache Fangquote von 81 Prozent.

Sharipov spielte von 2017 bis 2019 im Ellental, ehe Schwenningen ihn zu dieser Runde engagierte. Doch bei den Schwarzwäldern bekam der 25-Jährige als Backup von Nationalkeeper Dustin Strahlmeier kaum Eiszeit. Eine Rückkehr Sharipovs zum SCB ist eine der vielen Spekulationen, die sich um den Verein ranken.

Der dritte Ex-Bietigheimer ist Angreifer Daniel Oppolzer (31), der in der Spielzeit 2011/12 das Steelers-Trikot getragen hat. Der gebürtige Kaufbeurer geht seit 2015 für den ESV aufs Eis. Schon zwischen 2007 und 2010 hatte er für den Klub gespielt.

Der Trainer

Andreas Brockmann hat seit Juli 2016 das Sagen an der Bande des ESV Kaufbeuren und führte den Verein zuletzt dreimal in Folge ins Halbfinale. Der 52-jährige gebürtige Bad Tölzer genießt in der Branche einen exzellenten Ruf als Fachmann. Seine Trainer-Stationen davor waren die Berlin Capitals, die Landshut Cannibals, die Nürnberg Ice Tigers und der EV Landshut. „Mein Eishockey ist ein modernes Eishockey, hohes Tempo, druckvoll“, sagte Brockmann kürzlich in einem Interview. Als Spieler wurde er mit der Düsseldorfer EG fünfmal Deutscher Meister und stand mehrfach im Kader der DEB-Auswahl. 1992 nahm er sowohl an der WM in der Tschechoslowakei als auch an den Olympischen Winterspielen in Frankreich teil.

Die Special Teams

Kaufbeuren hat statistisch das fünftbeste Powerplay der Liga: In 21,3 Prozent der Fälle trifft der ESV in Überzahl. Zum Vergleich: Die Erfolgsquote der Steelers beträgt hier nur 15,4 Prozent. Ordentlich ist auch das Unterzahlspiel des Brockmann-Teams. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 81,3 Prozent ist das Penaltykilling erfolgreich. In dieser Kategorie sind die Bietigheimer allerdings einen Tick besser: Sie überstehen in 82,7 Prozent der Fälle ein Überzahlspiel des Gegners schadlos – der viertbeste Wert in der Liga.

Der direkte Vergleich in der Hauptrunde


Drei der vier Spiele in der abgelaufenen DEL2-Hauptrunde hat der ESV Kaufbeuren gegen Bietigheim für sich entschieden. In der heimischen Erdgas-Schwaben-Arena setzte sich das Team aus dem Allgäu mit 5:1 und 6:4 durch. Das zweite Gastspiel im Ellental gewann Kaufbeuren mit 6:5. Nur das erste Saisonduell ging an die Steelers: Am 13. Spieltag, noch unter Trainer Hugo Boisvert, feierten sie einen 3:2-Heimsieg. Die drei Spiele mit dessen Nachfolger Marc St. Jean an der Bande gingen also allesamt verloren. Ein schlechtes Omen? ae