Bauer schlägt König, Unter schlägt Ober, Schüler schlägt Lehrmeister. Was die Bietigheim Steelers gegen die Tölzer Löwen ablieferten, war in diesem Maße nach den letzten Spielen nicht zu erwarten gewesen. Doch Marc St. Jean hatte ganz offensichtlich den Steelersflüsterer gegeben und die mentalen Schwächen ausgemerzt. Außerdem kennt er seinen langjährigen Chef Kevin Gaudet wohl so gut, dass er auch genau das richtige taktische Mittel wählte, um einen 5:0-Sieg bei den zehn Partien in Folge ungeschlagenen Oberbayern herauszuschießen. Diese Leistung muss nun am Sonntag (17 Uhr) gegen die Eispiraten Crimmitschau bestätigt werden.

„Um zehn Spiele in Folge zu gewinnen braucht man auch Puckglück. Das hatten wir heute nicht“, erklärte Löwen-Coach Gaudet nach der herben Niederlage. Es war tatsächlich ein nicht ganz unwichtiges Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Steelers-Sieg. Denn nach einer ersten Doppelchance durch Brett Breitkreuz und Matt McKnight musste Stephon Williams im Gegenzug ganz weit aus seinem Tor kommen, um zu klären. Er erwischte die Scheibe aber nicht richtig und McKnight sah nicht, wo sie gelandet war. Er selbst transportierte sie in Richtung eigenes Tor, wo die Gastgeber den Puck dann aus kurzer Distanz an den Pfosten drückten. Wäre hier das 1:0 gefallen, die Bietigheimer wären womöglich wie im Schlussdrittel in Dresden oder nach dem 1:2 gegen Weißwasser zusammengebrochen.

Aber das Gegentor fiel nicht und Williams machte in so mancher Szene danach diese eine Unsicherheit mehr als wett. Er konnte nicht nur auf stets aufopferungsvoll kämpfende Vorderleute bauen, sondern verdiente sich am Ende seinen Shutout redlich. Der US-Amerikaner zwischen den Bietigheimer Pfosten war mit seinen Paraden auch nicht ganz unbeteiligt daran, dass schon nach dem ersten Drittel ein komfortabler 4:0-Vorsprung stand. Denn zwei der vier Tore entstanden durch Konter, denen Aktionen von Williams vorausgingen.

Das 1:0 war aber einfach nur traumhaft herausgespielt. So traumhaft, dass die Kommentatoren des Tölzer Livestreams bei der Zusammenfassung glaubten, es sei im Powerplay gefallen. Benjamin Hüfner von der blauen Linie der Bande entlang zu McKnight, der quasi auf der Torlinie quer zu Alexander Preibisch, der sich im Rücken von Tyler McNeely freigestohlen hatte (7.). So einfach kann Eishockey sein. 41 Sekunden später stand es bereits 2:0, nachdem Tim Schüle und Benjamin Zientek gnadenlos gekontert und Zientek vollstreckt hatte. Schüle durfte dann knapp drei Minuten später in doppelter Überzahl selbst einnetzen, hatte alle Zeit der Welt, sich die Lücke zu suchen.

Etwas unglücklich war eine doppelte Strafe gegen Cabana in der 18. Minute, weil der Deutsch-­Kanadier eigentlich zuvor selbst gefoult worden war und zurecht reklamierte. Doch in der 19. Minute zündete „Speedy“ Preibisch den Turbo, ließ alle stehen und verwandelte hoch unter die Latte zum 4:0. So, wie die Steelers in den vergangenen Partien waren nun die Tölzer mental ziemlich am Boden. Die Gegenwehr in den verbleibenden 40 Minuten hielt sich in Grenzen.

So verlief auch der Mittelabschnitt relativ ereignisarm. Kurz vor Drittelende verpasste Cabana noch das 5:0, weil Sinisa Martinovic einen Monster-Safe auspackte. Auf der Gegenseite ließ aber Williams die Gastgeber regelmäßig verzweifeln, wenn sie sich doch noch einmal aufzubäumen versuchten. Am Ende machte erneut Zientek nicht einmal fünf Minuten nach Beginn des Schlussdrittels in Unterzahl alles klar. Gemeinsam mit Lukas Laub lief er einen Konter. Laub scheiterte zunächst, Zientek ließ im Nachschuss die rund 200 mitgereisten Steelers-Fans zum fünften Mal jubeln.

So spielten sie


DEL2, 23. Spieltag
Bad Tölz – Bietigheim

0:5

Drittel: 0:4, 0:0, 0:1.
Tore: 0:1 Preibisch (7.), 0:2 Zientek (8.), 0:3 Schüle (10./doppelte Überzahl), 0:4 Preibisch (19./Unterzahl), 0:5 Zientek (45./Unterzahl).
Strafminuten: 6 (3 Strafen) – 20 (6 Strafen).
Schiedsrichter: Patrick Altmann (Regensburg), Florian Feistl (Waldkraiburg).
Zuschauer: 3101.