Bietigheim-Bissingen / Jan Simecek  Uhr

In Fankreisen hat man noch nicht vergessen, was sich nach der Saison 2012/13 abgespielt hat. Die Schwenninger Wild Wings haben damals dem frisch gekürten Meister Bietigheim Steelers die vakante Lizenz der Hannover Scorpions weggeschnappt und sind als Vizemeister am grünen Tisch in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) aufgestiegen. Zum Testspielauftakt treffen die einstigen Rivalen nun am Sonntag (18 Uhr) wieder aufeinander.

Attraktive Testspielgegner

Sportlich attraktive Gegner will Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch den Fans bei den beiden Heimauftritten der Mannschaft in der Vorbereitung bieten. Neben Schwenningen werden dies am 8. September (17 Uhr), fünf Tage vor dem Ligastart, noch die Ice Tigers aus Nürnberg sein. Dazwischen geht es für ein Kurz-Trainingslager nach Österreich mit Spielen in Zell am See gegen die heimischen Eisbären (16. August, 19.30 Uhr) und beim HC Innsbruck (18. August, 16.30 Uhr). Außerdem spielt das Team von Trainer Hugo Boisvert am 25. August (18 Uhr) bei den Mulhouse Scorpions, am 30. August (20 Uhr) bei den GCK Lions in Zürich und am 6. September (20 Uhr) beim HC Thurgau.

Ganz im Gegensatz zu der Bedeutung, die das Duell mit Schwenningen für die Fans hat, wird es wohl auf dem Eis nur ein erster lockerer Aufgalopp. Die Saisonvorbereitung hat gerade erst begonnen, Fitness und Teambuilding stehen noch im Vordergrund. Die Reihen müssen sich noch finden. Immerhin müssen Trainer Hugo Boisvert und sein Assistent Mark St.Jean acht Neuzugänge integrieren, nachdem diese mit Blick auf den ab der Saison 2020/21 möglichen Aufstieg deutlich verjüngt wurde.

Neues Torhüter-Duo

Interessant wird gegen Schwenningen aber zu sehen sein, inwieweit die Neuen schon integriert wurden. Denn immerhin nehmen einige von ihnen Schlüsselpositionen ein. So wurden beispielsweise die Torhüter komplett durchgetauscht. Ilya Sharipov wechselte nach zwei starken Spielzeiten im Steelers-Trikot zum kommenden Gegner Schwenningen. Der inzwischen 38-jährige Sinisa Martinovic erhielt keinen Vertrag mehr und schloss sich den Tölzer Löwen an. Ersetzt werden sollen die beiden durch Cody Brenner, der vom Absteiger Deggendorf ins Ellental wechselte, und den US-Amerikaner Stephon Williams, der im Vorjahr seine erste Europa-Erfahrung beim solwakischen HC Banska Bystrica sammelte. Beide hinterließen beim öffentlichen Eistraining einen sehr guten Eindruck.

Am spannendsten wird aber sicherlich sein, wie die Offensive funktioniert. Die Schlüsselspieler und Punktesammler Tyler McNeely und Shawn Weller mussten auch aufgrund der einen oder anderen Eskapade gehen. Beide wurden nicht durch Kontingentspieler ersetzt. Den Part als „Aggressive Leader“ von Weller soll sicherlich Brett Breitkreuz einnehmen. Der in Kanada geborene Wühler spielte zuletzt vier erfolgreiche Jahre in Frankfurt in denen er in 236 Partien 190 Punkte sammelte und nie darum verlegen war, für seine Teamkameraden auf dem Eis einzustehen. Quasi als Ersatz für McNeely wurde Lukas Laub von der Düsseldorfer EG verpflichtet. Laub ist wie McNeely ein technisch starker, enorm schneller Spieler. In zwei Jahren in Frankfurt erzielte der gebürtige Rosenheimer 78 Punkte in 107 Partien. Es folgten 23 Punkte in 101 Spielen in der höchsten deutschen Liga.

Defensive als Prunkstück

Das Prunkstück der Steelers ist, zumindest auf dem Papier, die Defensive. Kapitän Nikolai Goc, der nach bescheidenem Start zum Ende der vergangenen Saison hin immer stärker wurde, und die genauso unauffällig wie zuverlässig verteidigenden Max Prommersberger und Benjamin Hüfner wurden gehalten. Rückkehrer Tim Schüle, der erstmals als Aktiver das Trikot seines Heimatvereins tragen wird, ist sicherlich ein mindestens gleichwertiger Ersatz für Bastian Steingroß, der das Spielertrikot gegen das gestreifte Schiedsrichter-Trikot getauscht hat.

Große Frankfurter Fraktion

Trotz guter Ansätze und überragender Technik war man in Bietigheim mit Willie Corrin nie ganz zufrieden. Den US-Amerikaner soll der 29-jährige Kanadier Chris Owens ersetzen, der zuletzt zwei Jahre lang für den Ligakonkurrenten Lausitzer Füchse die Schlittschuhe geschnürt hat. Mit 85 Punkten aus 108 Partien gilt er als äußerst offensivstark. Schon ein alter Bekannter im Ellental ist Eric Stephan, der im Vorjahr nach einer langen Verletzung in acht Partien per Förderlizenz Spielpraxis bei den Steelers sammelte. Gegenüber Pascal Grosse, der als Abgang zu Buche steht, dürfte er eine deutliche Verstärkung sein, zumal er mit seinen neuen Teamkameraden Schüle, Breitkreuz und Laub in Frankfurt zusammengespielt hat.

Wer genau mitgezählt hat, wird feststellen, dass eine von vier Ausländerlizenzen im Kader der Steelers noch offen ist. Dies wird auch vorerst so bleiben. Man geht gezielt den Weg, jüngere Spieler für die erste mögliche Aufstiegssaison aufzubauen. Man spart damit auch Geld, das man entweder im Fall einer größeren Verletzungsmisere, oder dann eben für das Ziel Aufstieg in die Hand nehmen kann.