Basketball Duell um Platz drei wird zum Krimi

Riesen-Neuzugang Jeremy Senglin (rechts) fordert Oldenburgs Karsten Tadda zum Duell Mann gegen Mann heraus.
Riesen-Neuzugang Jeremy Senglin (rechts) fordert Oldenburgs Karsten Tadda zum Duell Mann gegen Mann heraus. © Foto: Avanti
Ludwigsburg / Andreas Eberle 09.04.2018

Die Champions-League-Helden sind zurück – und sie haben trotz unübersehbarer Ermüdungserscheinungen einen weiteren Kraftakt gemeistert. Drei Tage nach dem 89:77-Erfolg in Bayreuth und dem historischen Einzug ins Final Four vom 4. bis 6. Mai in Athen gewannen die MHP Riesen Ludwigsburg auch in der Bundesliga das Schlüsselspiel um den dritten Platz gegen die EWE Baskets Oldenburg. Mit 90:86 setzte sich der Tabellendritte aus der Barockstadt nach einem Basketball-Krimi durch und vergrößerte den Vorsprung zu Rang vier auf acht Punkte. Ludwigsburgs Top­scorer vor den 3542 Zuschauern in der MHP-Arena war Justin Sears mit 17 Zählern. Kurios: Zugleich war der US-Amerikaner in der Plus-Minus-Statistik mit -15 der schlechteste Akteur seiner Mannschaft. Oldenburgs slowenischer Center Rasid Mahalbasic erwies sich mit 21 Zählern als fleißigster Punktesammler des Abends.

Die Riesen lagen gegen den Tabellennachbarn aus Niedersachsen nie in Rückstand. Dennoch mussten sie im letzten Viertel um den Sieg bangen. Dass sich die Baskets nicht für ihr Achtelfinal-Aus in der Champions League revanchieren konnten, lag vor allem an ihrer miesen Ausbeute bei den Freiwürfen: Nur zehn von 20 Versuchen, also 50 Prozent, landeten im Korb. Zum Vergleich: Die Hausherren trafen 16 ihrer 17 Dreiwürfe – eine satte Erfolgsquote von 94 Prozent.

Im Ludwigsburger Team feierte der kurzfristig für den Bundesliga-Endspurt verpflichtete Combo Guard Jeremy Senglin sein Debüt. Der 1,88 Meter große US-Amerikaner war mit fünf Zählern in knapp 20 Minuten Einsatzzeit allerdings noch kein Faktor, deutete aber seine Qualitäten zumindest an.

Mit dem Schwung aus dem Champions-League-Erfolgserlebnis legten die MHP Riesen gleich mächtig los und führten nach dem ersten Viertel schon mit 26:19. Doch bis zur Pause verkürzten die Baskets auf 42:45. Im dritten Durchgang spielte das Patrick- Team dann erneut wie entfesselt auf und schaffte eine beruhigende 74:60-Führung.

Die Gäste gaben sich aber keineswegs geschlagen und sorgten mit einem starken Schlussabschnitt noch für ein turbulentes Finish. Mit einem 10:0-Lauf kam Oldenburg bis zur 38. Minute auf 81:82 heran. Vielleicht wäre die Begegnung endgültig gekippt, wenn Philipp Schwethelm seinen Distanzwurf getroffen hätte. Auch Armani Moore versäumte es, sein Team erstmals in Führung zu bringen, indem er nur einen seiner zwei Freiwürfe zum 82:82 versenkte. 20 Sekunden vor Spielende warf Thomas Walkup einen Dreier zum 88:85. Mit drei Freiwürfen hätte kurz darauf Mickey McConnell zumindest den erneuten Ausgleich herstellen können, doch unter den gellenden Pfiffen der Riesen-Fans zeigte der US-Amerikaner Nerven und vergab zwei Versuche. Kerron Johnson blieb auf der Gegenseite cool und verwandelte seine zwei Freiwürfe zum 90:86-Endstand. In Ludwigsburg durfte also weitergefeiert werden.

Übermotiviert und vom Jetlag gehandicapt

Ein mäßiges Debüt im Riesen-Trikot legte der US-Amerikaner Jeremy Senglin hin. Mit einem Plus-Minus-Wert von -10 war er nach Justin Sears (-15) der zweitschwächste Ludwigsburger in dieser Statistik. Zudem traf der 23 Jahre alte Spielmacher nur einen seiner fünf Würfe aus dem Feld – einen Dreier. „Jeremy war im Training sehr gut und kann gut schießen, vielleicht war er heute ein bisschen übermotiviert“, sagte Riesen-Coach John Patrick und bat um Geduld: „Er muss unsere Regeln in der Verteidigung und die Spielzüge erst noch lernen.“ Zwei Stunden vor dem Duell habe Senglin noch mit voller Geschwindigkeit ein 45-minütiges individuelles Aufwärmprogramm gemacht, so der Trainer. „Am Ende war vielleicht der Jetlag ein Faktor,“ vermutete Patrick. Der Neuzugang von den Long Island Nets (NBA G-League) war erst am Donnerstagmorgen zum Team gestoßen. ae