Faustball Die Kameradschaft wird groß geschrieben

Angriffs- und Abwehrschläge üben die Faustballer des TSV Bietigheim auf einem Freigelände beim Bietigheimer Viadukt.
Angriffs- und Abwehrschläge üben die Faustballer des TSV Bietigheim auf einem Freigelände beim Bietigheimer Viadukt. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim / Von Simon David 15.06.2018

Faustball gehört zu den ältesten Sportarten der Welt. Erste Belege dafür, dass dieses Rückschlagspiel, bei dem der Ball mit Armen oder Fäusten gespielt werden muss, gab es bereits im dritten Jahrhundert nach Christus. Heute gilt Deutschland als eine der Hochburgen des Sports. Doch obwohl es in zahlreichen Vereinen eine Faustballabteilung gibt, findet diese Sportart in der öffentlichen Wahrnehmung kaum Beachtung. „Das Spielgeschehen findet meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Leider ist Faustball sehr unterrepräsentiert“, bedauert Werner Schmid, der bei der Faustballabteilung des TSV Bietigheim für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

18 aktive Spieler

Seit 1957 existiert die kleinste Abteilung des TSV, der heute 57 Mitglieder angehören. Davon sind 18 aktiv. Zwei Mannschaften stellt der Verein. Die Männer 45 spielen in der Gauliga, die Männer 60 sind in der Verbandsliga am Start. „Traditionell kamen immer sehr viele ehemalige Handballer zum Faustball. Die Abteilung entstand auch auf Initiative einiger ehemaliger Handballer und Turner“, berichtet Schmid, der seit mehr als 40 Jahren begeisterter Faustballer ist und 2012 zum TSV Bietigheim stieß.

Dass der Randsportart nur so wenig Aufmerksamkeit zukommt, bedauert nicht nur er. „Die Faszination des Faustballs liegt darin, dass es ein körperloses, schnelles Spiel ist. Ähnlich wie beim Volleyball gibt es Angriffs- und Abwehrschläge. Überhaupt ist es ein sehr aktionsreiches Spiel“, so Schmid. Darüber hinaus seien Faustballer sehr gesellig. Über den Trainings- und Spielbetrieb hinaus treffen sich die Sportler regelmäßig. So gibt es jedes Jahr eine mehrtägige Fahrradtouren, Wanderungen und gesellige Abende im Vereinsraum der Faustballer. Dieser befindet sich in einem der Pfeiler des Viadukts und dient sowohl als Lagerraum wie auch als Treffpunkt für die Mitglieder. „Den Raum haben wir vor Jahrzehnten von den Kraftsportlern übernommen und ausgebaut“, berichtet Hans Noller. Der Ehrenvorsitzende des TSV Bietigheim war selbst sehr lange aktiv, allerdings nur als Hobbyspieler, wie er betont.

Weniger Handballer wechseln

„Die Kameradschaft in der Abteilung ist sehr groß. Leider kommen aber nicht mehr ganz so viele ehemalige Handballer zu uns, wie das früher der Fall war“, sagt Roland Elbe, der von 2001 bis 2014 Abteilungsleiter war. Elbe selbst kam ebenfalls vom Handball zum Faustball. „Früher habe ich noch draußen auf dem Großfeld gespielt und habe von der Jugend bis zu den Aktiven alle Mannschaften durchlaufen“, berichtet er. Gerade der kameradschaftliche Aspekt sei für viele Handballer, aber auch Turner, der Grund gewesen, zum Faustball zu wechseln. So blieb man in Kontakt und konnte weiterhin sportlich aktiv sein. Faustball kann auch bis ins hohe Alter betrieben werden und tatsächlich ist das älteste Mitglied Anfang 80 Jahre alt.

So sehr sich die Bietigheimer über die zahlreichen langjährigen Mitglieder freuen, so sehr wünschen sie sich auch, dass wieder mehr jüngere Faustballer den Weg zum TSV finden mögen. Momentan ist der Verein nur im Seniorenbereich mit Mannschaften am Start. „Jeder ist uns herzlich willkommen“, betont Elbe. Sportlich ist der TSV zwar nicht ganz so erfolgreich wie der TV Vaihingen, der in der Bundesliga spielt und auch einige Nationalspieler stellt. Doch feierte der TSV mit seinem damaligen M-35-Team im Jahr 2016 immerhin den dritten Platz bei den Süddeutschen Meisterschaften und qualifizierte sich damit für die deutschen Meisterschaften. Aktuell läuft es für die Männer 45 in der Gauliga West sehr gut. Mit 12:0 Sätzen und 12:0 Punkten führen sie die Tabelle vor dem Spieltag in Gärtringen an. Auch die Männer 60 stehen in der Verbandsliga auf dem ersten Platz. Finden Interessierte den Weg zum TSV, kann der Verein in den kommenden Jahren vielleicht auch wieder Mannschaften in jüngeren Altersklassen melden. Das Training findet einmal pro Woche im Ellental unterhalb des Viadukts statt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel