„The Brave“ – „Die Mutige“ lautet ihr Kampfname. Viel Mut wird Nina Meinke auch brauchen, wenn sie an diesem Samstagabend in der Ludwigsburger MHP-Arena in den Ring steigt und um die Interims-WM-Titel der Women’s International Boxing Federation (WIBF) und der Global Boxing Union (GBU) im Super-Federgewicht kämpft. Denn die 24-jährige Berlinerin trifft bei der Boxgala in der Barockstadt auf eine noch ungeschlagene Gegnerin: Die zehn Jahre ältere Italienerin Vissia Trovato aus Mailand hat eine makellose Kampfbilanz von 10:0 Siegen (davon vier durch K.o.) und steht in der Weltrangliste auf dem sechsten Platz.

Meinke selbst hat immerhin sechs ihrer sieben Duelle für sich entschieden. Die einzige Niederlage kassierte sie am 29. April 2017 gegen Katie Taylor aus Irland, Olympiasiegerin von 2012 und mehrfache Weltmeisterin. Der Kampf war Teil des Rahmenprogramms beim Fight der Schwergewichts-Größen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua im Londoner Wembley-Stadion.

Der Schlagabtausch mit der leicht favorisierten Trovato wird für Meinke eine mindestens genauso große Herausforderung wie das Duell gegen Taylor. „Meine Gegnerin hat auf Facebook angekündigt, sie würde in Ludwigsburg die Wände erzittern lassen, aber ich will sie miauen lassen“, sagt Meinke. „Wir stellen uns auf einen harten Kampf ein.“ Auf den Sieger wartet die amtierende Weltmeisterin Elina Tissen, die dann bis zum 17. Mai Zeit hat, ihren WM-Gürtel zu verteidigen.

Meinke hat einen prominenten Fürsprecher: Ihr Patenonkel ist Sven Ottke, einer der besten deutschen Profis der Vergangenheit. Er war jahrelang auch ihr Trainer. „Ich bin mit dem Boxen aufgewachsen. Es wurde mir in die Wiege gelegt“, sagt die 1,69 Meter große Spandauerin, die zur Pressekonferenz am Donnerstag mit frisch gemachten „Cornrows“ in der MHP-Arena erschien – eine Frisur, bei der die Haare an der Kopfhaut entlang geflochten werden. Die „Cornrows“ habe eine Freundin in zweistündiger Detailarbeit gemacht, so Meinke.

Abitur in England

Zweieinhalb Jahre lebte sie als Teenager in Scarborough (England), wo sie ihr Abitur machte. „Dort habe ich auch englische Meisterschaften geboxt und meinen Boxstil entwickelt“, erzählt Meinke. Nach einer Ausbildung in der Heimat zur Kauffrau für Groß- und Außenhandel zog sie es 2015 noch einmal für ein halbes Jahr auf die Insel, diesmal nach Tamworth bei Birmingham. Dort habe sie für eine Schrott- und Recyclingfirma gearbeitet und Katalysatoren eingekauft.

Doch längst setzt Meinke, die seit fünfeinhalb Jahren mit dem Cruisergewichts-Boxer Serdar Sahin zusammen ist, voll auf die Karte Profiboxen. Experten trauen ihr eine ähnlich fulminante Karriere zu wie Regina Halmich, die am Samstag ebenfalls in der MHP-Arena weilen wird – als TV-Expertin. „Regina hat super vorgelegt und unheimlich viel fürs Frauenboxen getan. Sie hat uns den Weg geebnet“, sagt Meinke dankbar.

Tickets für die Boxgala an diesem Samstag in Ludwigsburg gibt es auch am Schalter der Bietigheimer Zeitung in der Kronenbergstraße 10. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.