Bietigheim-Bissingen / Von Sandra Bildmann  Uhr

Fast jeder hat diesen Holzstock schon einmal in der Hand gehabt, aber so richtig damit umzugehen wissen viele nicht. Man positioniert das Queue – der Fachbegriff für den besagten Holzstock – zwischen den Fingerknöcheln und holt aus. Falsch. „Anfängerfehler“, Thomas Kramhöller und Steven Thieltges lächeln. Geübte formen mit ihren Fingern einen Kreis, durch den das Queue hindurchgeschoben wird.

Die beiden Vereinsmitglieder des Pool-Billard-Clubs (PBC) Bietigheim-Bissingen trainieren und messen sich regelmäßig. Kramhöller, seit 2015 erster Vorsitzender des PBC, und Kassenwart Thieltges spielen Billard seit ihrem Teenager-Alter.

Auf dem rechteckigen, grünen Tisch liegen Kugeln, die geschickt in den Ecken versenkt werden sollen. Billard gehört neben Tischkicker und Tischtennis zu den Dauerbrennern an Freizeitangeboten in Jugendhäusern, Hobbykellern und Gemeinschaftsräumen. Doch im Verein spielen die wenigsten. Viele ließen sich von der irrtümlichen Annahme, kein Talent für diesen Sport zu haben, abhalten, meinen die beiden Hobbysportler. Allerdings stehe primär der Spaß unabhängig vom Leistungslevel im Vordergrund. Jeder Interessierte könne einfach in der Spiel- und Trainingsstätte – dem Fireball in Sachsenheim – vorbeischauen und zwanglos ausprobieren oder sogar an einem Turnier teilnehmen.

Der Sport habe viele Vorteile, meinen der Sparkassen-Filialleiter Kramhöller aus Flein und der Bietigheim-Bissinger Thieltges, der hauptberuflich in der Lagerlogistik arbeitet. Das sei zum Beispiel die zeitliche Flexibilität. Die Mitglieder des PBC träfen sich zwar regelmäßig zwei bis drei Mal pro Woche zum Trainieren, einen zwingenden Fixtermin wie bei den meisten Mannschaftssportarten gebe es aber nicht. Dafür ist das Poolbillard zu sehr eine Einzeldisziplin. Außerdem müsse weitaus weniger Augenmerk auf die körperliche Fitness gelegt werden. „Das heißt aber nicht, dass es nicht von Vorteil ist, wenn man fit ist“, betont Thomas Kramhöller. „Wir brauchen Ausdauer, da unsere Turniertage oft sieben Stunden am Stück dauern. Ziel ist es, die natürlichen Schwächeperioden weniger werden zu lassen und konstant auf einem hohen Level spielen zu können.“ Der 30-Jährige nutzte dafür in der Vergangenheit das Fitnessstudio und autogenes Training. Thieltges dagegen powert sich regelmäßig beim Handball aus.

Billard ist ein psychischer Sport

Als große Herausforderung beim Billard bezeichnet er die Fähigkeit, die eigenen Nerven kontrollieren zu können. „Ähnlich wie Darts ist Billard ein psychischer Sport. Jede Situation ist anders, aber ähnlich. Man muss situativ handeln.“ Beim PBC werden alle vier Disziplinen ausgeübt: 8-, 9- und 10-Ball sowie 14/1 endlos. Dabei geht es jeweils darum, die Kugeln nach Ansage konform einzulochen, gespielt wird auf Punkte.

Der PBC hat eine erste und eine zweite Mannschaft, jeweils vier Stammspieler plus Ersatzmann. Nach sechs Spieltagen rangiert das Team auf Platz vier der baden-württembergischen Landesliga Mitte. Als Ziel geben die beiden Männer Top drei aus. Die Relevanz von Auf- und Abstiegen erreicht hier keine Dimension wie zum Beispiel im Fußball. Sponsoren seien sowieso rar, meint Kramhöller und ergänzt: „Für uns als Nichtprofis ist es am besten, sich mit Konkurrenten auf Augenhöhe auseinanderzusetzen, die auch einigermaßen im Umkreis liegen.“ Die Liga erstreckt sich von Rastatt im Westen bis Aalen am östlichen Ende. Neben den Meisterschaftsspielen, die zwischen September und Mai stattfinden, nehmen die Aktiven auch bei Turnieren teil, Kramhöller gehörte jüngst zum 128-Teilnehmerfeld in Neckarsulm.

22 aktive Mitglieder zählt der PBC aktuell. Nach dem Geschmack von Kramhöller und Thieltges dürften es mehr sein. Besonders Frauen fehlten. Momentan sind die Männer beim PBC unter sich, obwohl Geschlecht und Alter beim Poolbillard keine Rolle spielen. Thieltges führt das mitunter auf das Kneipenimage zurück, das dem Billard-Sport nachgesagt werde. Dabei sei das völlig überholt. Das Fireball in Sachsenheim, das der PBC Bietigheim-Bissingen als Spiellokal nutzt, ist eine rauchfreie Zone und Spielautomaten gibt es im Bereich der Billard-Tische auch nicht. Im Ligabetrieb und auf Meisterschaften herrsche striktes Alkoholverbot, so Thieltges. „Viele Spieler fühlen sich bei Unruhe in ihrer Konzentration gestört“, erklärt der 41-Jährige. Er selbst sieht das anders, bedauert diese Ruhe und wünscht sich eine Atmosphäre, bei der das Publikum die Sportler anfeuern darf. Àpropos Publikum: „Zuschauen darf jeder.“ Das nächste Ligaspiel bestreiten die Queue-Akrobaten am 29. Januar in Aalen. Am 12. Februar sind die Leonberger zu Gast in Sachsenheim. Mehr Publikum und Aufmerksamkeit für ihren Sport, sagen Kramhöller und Thieltges: „Das wäre voll gut.“