Seit Wochen fiebern die Erstliga-Handballerinnen der SG BBM Bietigheim und ihre Fans dem Gipfelduell entgegen: An diesem Samstag (18 Uhr) tritt der Spitzenreiter in Bad Langensalza beim einzigen verbliebenen Verfolger Thüringer HC an. Es ist das Kräftemessen zwischen zwei Champions-League-Teilnehmern, zwischen dem Zweiten und dem Ersten der Bundesliga, zwischen dem amtierenden Meister und dem Vizemeister, kurzum: zwischen den beiden mit Abstand besten deutschen Frauenteams. „Das wird ein herrliches Spiel“, prophezeit SG-Trainer Martin Albertsen. „Handball-Herz, was willst du mehr? Wir sind schon seit Wochen ausverkauft. Es wird eine tolle Stimmung herrschen“, sagt sein THC-Kollege Herbert Müller. „Auf so ein Spiel arbeitet man ein ganzes Jahr hin.“

Verfolger THC steht unter Druck

Die Thüringerinnen sind in Zugzwang. Sie haben nach 19 von 26 Spieltagen 36:2 Punkte auf dem Konto – zwei Zähler weniger als die SG BBM, die die Tabelle mit 38:0 Punkten und damit verlustpunktfrei anführt. Da drängen sich Parallelen zur ersten Bietigheimer Meistersaison auf: In der Spielzeit 2016/17 gewann das Albertsen-Ensemble jedes Bundesliga-Duell und holte mit einer makellosen Traumbilanz von 52:0 Zählern den ersten nationalen Titel der Vereinsgeschichte.

Nur mit einem Heimsieg – das ist unter Fachleuten unstrittig – würde der THC die Spielgemeinschaft auf deren Weg zur zweiten deutschen Meisterschaft noch ins Stolpern bringen. In dem Fall könnte am Saisonende eventuell sogar die Tordifferenz den Ausschlag geben. Dort ist Bietigheim aktuell mit 13 Treffern im Vorteil.

„Wir haben die Pflicht und den Druck, gewinnen zu müssen, nachdem wir das Hinspiel leichtfertig hergeschenkt haben“, sagt der Thüringer Coach Müller und erinnert an das Aufeinandertreffen in der Vorrunde. Da unterlag seine Mannschaft im Januar nach einem Acht-Tore-Vorsprung noch mit 24:27. „Hinten heraus hatten wir keine Kraft mehr“, sagt Müller, der damals in der Ludwigsburger MHP-Arena auf seinen tschechischen Star Iveta Luzumova wegen einer Ellenbogenverletzung verzichten musste. Mittlerweile ist die tschechische Spielmacherin und mit 122 Saisontreffern beste THC-Torschützin längst wieder fit. Dasselbe gilt für ihre Teamkollegin Alicia Stolle und die Bietigheimer Kapitänin Kim Naidzinavicius, die im ersten Gipfeltreffen ebenfalls verletzt gefehlt haben.

Überzeugende Generalproben

Die beiden Titel- und Erzrivalen schossen sich bei ihrer jeweiligen Generalprobe schon einmal auf den Showdown ein. Die SG BBM demütigte den Buxtehuder SV in der Viadukthalle mit einem 40:22-Sieg und fügte den Niedersächsinnen die höchste Niederlage in deren 30-jährigen Bundesliga- Historie zu. Der THC ließ es derweil beim Drittletzten Neckarsulmer Sport-Union krachen und bejubelte einen 34:19-Erfolg.

„Wir gehen genauso fokussiert und konzentriert ins Spiel wie gegen Buxtehude. Es geht um unsere Stärken. Wir wollen wieder eine gute Abwehr stellen, diszipliniert spielen und im Angriff variabel auftreten“, sagt Albertsen.

Bei der SG kehren die Außenspielerinnen Angela Malestein und Kim Braun nach einer Oberschenkelblessur und einem Magen-Darm-Infekt ins Aufgebot zurück – beide hatten gegen Buxtehude pausiert. Außerdem werden 100 Fans die Bietigheimer Mannschaft ins Thüringische begleiten. Albertsen: „Unser Support ist grandios. Das freut mich sehr.“

Der Knüller am Samstag wird die letzte Partie in der 1100 Zuschauer fassenden Salza-Halle in Bad Langensalza sein. Denn unmittelbar danach wird diese für 13 Millionen Euro umgebaut, saniert, teilweise abgerissen und erweitert. Die Fertigstellung ist für August 2020 vorgesehen.

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Mal sind der Thüringer HC und die SG BBM Bietigheim bisher aufeinandergetroffen. Der siebenfache deutsche Meister aus Ostdeutschland feierte zehn Siege, die Spielgemeinschaft sechs. Ein Unentschieden gab es zwischen den zwei Mannschaften noch nie. In der Champions-League-Saison 2017/18 gewannen die Thüringerinnen beide Hauptrundenspiele gegen die SG BBM – auswärts mit 34:21 und daheim mit 28:26. Dafür setzte sich Bietigheim im Januar 2018 im bisher einzigen Pokalduell in der Salza-Halle mit 31:26 durch. Beide Klubs haben sich in dieser Saison auch für das Olymp Final Four im Mai in Stuttgart qualifiziert, sprich: Ein Endspiel zwischen den Erzrivalen ist möglich. Die Bundesliga-Bilanz spricht für das Team aus Thüringen: Acht THC-Siegen stehen fünf Niederlagen gegenüber. ae