Die Corona-Krise hält auch den Sport in der Region in Atem. Das für Dienstag vorgesehene Oberliga-Spiel des FSV 08 Bissingen bei den Stuttgarter Kickers fiel aufgrund des Virus aus (die BZ berichtete). Das Heimspiel der SG BBM Bietigheim am Samstag (19.30 Uhr) in der Zweiten Handball-Bundesliga gegen die DJK Rimpar wird wohl ebenfalls verlegt. „Die Tendenz geht dahin, dass das Spiel nicht stattfindet. Momentan sind wir in Abstimmung mit der Liga, der Stadt und dem Gastverein“, sagte SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger am Dienstagabend auf BZ-Anfrage und betonte: „Für Samstag ist ein Geisterspiel kein Thema.“

Bei den Zweitliga-Partien des Aufstiegskandidaten wird die 1000-Zuschauer-Marke stets überschritten – bei jener Schwelle hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits am Montag empfohlen, Veranstaltungen abzusagen. Eine entsprechende Rechtsverordnung zum Verbot von Großveranstaltungen will nun auch Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha „schnellstmöglich“ auf den Weg bringen. „Wir orientieren uns grundsätzlich an den Empfehlungen des Landratsamts Ludwigsburg und der Behörden“, stellte Spahlinger fest.

Auch das Präsidium der Handball-Bundesliga (HBL) hat sich am Dienstag beraten. Am kommenden Montag findet in Köln eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, an der alle Klubs teilnehmen sollen. „Jeder Heimverein entscheidet in Absprache mit den örtlichen Behörden sowie im Austausch mit dem Gastverein und der HBL GmbH, ob sein Spiel des 25. Spieltages ausgetragen werden kann“, heißt es in einer Erklärung der Liga vom Dienstagabend. Vorrangiges Ziel bleibe es, alle Entscheidungen bezüglich Auf- und Abstieg bis zum Saisonende unter gleichen Voraussetzungen für alle Zweitligisten im sportlichen Wettbewerb zu ermitteln.

BBL tagt am Donnerstag

Die Basketball-Bundesliga will am Donnerstag über das weitere Vorgehen entscheiden – vor allem darüber, ob die weiteren Spiele in der Liga mit Zuschauern stattfinden oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am Sonntag (15 Uhr) treffen die MHP Riesen Ludwigsburg auf die Hakro Merlins Crailsheim – ein Derby, das normalerweise ausverkauft wäre.

Bereits für Freitag (19.30 Uhr) ist in Erfurt in der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) das Topspiel zwischen dem Thüringer HC und der SG BBM angesetzt. „Wir sind in Wartestellung und harren der Dinge“, sagt Geschäftsführer Torsten Nick. „Die HBF hält sich zurück, es gibt keine Handlungsempfehlungen seitens der Liga.“ Auch in Thüringen gelten die 1000 Besucher bei Veranstaltungen als kritische Marke. „Wir vermuten, dass es Einschnitte bei den Zuschauern geben wird oder dass das Spiel ganz ohne Zuschauer ausgetragen wird“, sagt Nick, der aber glaubt, dass gespielt wird – unter anderem auch deshalb, weil der Sender Eurosport die Begegnung live im Fernsehen überträgt.

Beim Fußball-Oberligisten SGV Freiberg geht man indes davon aus, dass das Derby am Samstag (14 Uhr) gegen den FSV 08 Bissingen wie geplant angepfiffen wird. „Wir spielen auf dem Kunstrasen, und ich rechne da mit 800, 900 Zuschauern – und nicht mit 1000 plus“, sagte Freibergs Präsident Emir Cerkez auf BZ-Nachfrage und betonte: „Alle Anweisungen von oben werden wir natürlich befolgen.“

DEL2 beendet die Saison

Die beiden deutschen Eishockey-Profiligen DEL und DEL2 haben am Dienstagabend reagiert und die Saison mit sofortiger Wirkung vorzeitig beendet. In der DEL2 hätten ab Freitagabend eigentlich das Playoff-Viertelfinale und die Abstiegsrunde auf dem Programm gestanden – allerdings ohne Beteiligung der Bietigheim Steelers, die bereits in den Pre-Playoffs gescheitert sind. Die Löwen Frankfurt stehen als Hauptrundensieger fest. Aufgrund der vorzeitigen Beendigung der Spielzeit 2019/20 gibt es in diesem Jahr keinen DEL2-Meister und auch keinen sportlichen Absteiger.

„Gerade in Folge einer so spannenden und sportlich extrem ausgeglichenen Saison, wie wir sie in der Hauptrunde erleben durften, tut uns dieses vorzeitige Ende der Saison weh, und wir bedauern dies für die gesamte DEL2-Familie. Allerdings gehen auch an uns behördliche Vorgaben und aktuelle Entwicklungen nicht vorüber“, stellte DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch fest. „Am Ende hat die Gesundheit aller Beteiligten und die Beachtung offizieller Anweisungen und Vorgaben oberste Priorität.“ Am Dienstagmittag hatte die Liga eine Telefonkonferenz mit den Geschäftsführern der einzelnen Standorte abgehalten und die jeweilige Lage vor Ort erörtert.

Vom Verzicht auf die Playoffs sind auch die Heilbronner Falken betroffen. Der Steelers-Erzrivale hätte zum Auftakt der Best-of-Seven-Viertelfinalserie am Freitagabend die Tölzer Löwen mit den Ex-Bietigheimern Kevin Gaudet, Sinisa Martinovic, Tyler McNeely und Shawn Weller empfangen. Schon vor der Entscheidung der Liga hatte sich Falken-Geschäftsführer Atilla Eren im Zweifelsfall für ein vorzeitiges Saisonende ausgesprochen – und gegen eine Verlegung der Endrunde auf unbestimmte Zeit. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagte er gegenüber der „Heilbronner Stimme“. Bei einer Verschiebung der Saison müsste „die ganze Maschinerie, das ganze System aufrechterhalten werden für etwas, das am Ende vielleicht gar nicht stattfindet“. Spiele ohne Zuschauer gelten im Eishockey als besonders unrentabel, da die Fixkosten sehr hoch sind, etwa für die Eisaufbereitung. Das sei finanziell nicht darstellbar, ein Spiel koste gut 10 000 Euro – ohne dass der Puck rollt. Auch 999 Zuschauer zuzulassen, sei Blödsinn, sagte Eren.

Corona-Verdacht in Weißwasser

Eine besondere Note bekam die Situation in der DEL2 durch einen Corona-Verdachtsfall in Weißwasser im Umfeld der Lausitzer Füchse, über den die „Lausitzer Rundschau“ berichtet hat. „Möglicherweise müssten Teile unserer Mannschaft für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt werden“, wird Geschäftsführer Dirk Rohrbach in dem Artikel zitiert.