Eishockey Boisvert will den Nachwuchs fördern

Steelers-Sportdirektor und Co-Trainer Marc St. Jean (rechts) hat das Wort ergriffen. Der neue Chefcoach Hugo Boisvert, Pressesprecher Patrick Jonza und Geschäftsführer Volker Schoch (von links) hören aufmerksam zu.
Steelers-Sportdirektor und Co-Trainer Marc St. Jean (rechts) hat das Wort ergriffen. Der neue Chefcoach Hugo Boisvert, Pressesprecher Patrick Jonza und Geschäftsführer Volker Schoch (von links) hören aufmerksam zu. © Foto: Jan Simecek
Bietigheim / Jan Simecek 08.08.2018

Eine Ära ist beim amtierenden Meister der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2), den Bietigheim Steelers, mit dem Abschied des vierfachen Meistertrainers Kevin Gaudet zu Ende gegangen. Doch wenn es nach Geschäftsführer Volker Schoch geht, ist es auch der Beginn einer neuen Ära, in der die Steelers stark auf den Nachwuchs bauen wollen. Dennoch bekommt der neue Trainer Hugo Boisvert hohe Zielvorgaben, denn das Playoff-Heimrecht soll es im Jahr eins nach Gaudet mindestens sein.

„Jeden Spieler besser machen“

„Ich will jeden Spieler jeden Tag besser machen, sodass wir am Ende der Saison eine bessere Mannschaft haben“, nannte Boisvert seine ganz persönlichen Ziele. Kombiniert mit Schochs Vorgabe, mindestens unter die ersten vier Klubs zu kommen – genau für dieses Ziel wurde das Team zusammengestellt – könnte das heißen, dass auch wieder mehr drin ist. Vielleicht so viel wie im April in Garmisch-Partenkirchen, als Bietigheim den Titel holte.

Auf dem Weg dorthin soll möglichst wenig dem Zufall überlassen werden. Denn die Konkurrenz ist trotz des finanziellen Kollapses von Vizemeister SC Riessersee nach wie vor groß. „Kassel mit Richie Müller und einigen eingedeutschten Ausländern, Ravensburg mit Pawel Dronia und Andreas Driendl, der bei Riessersee eine ganz wichtige Rolle gespielt hat, Frankfurt ist immer gefährlich und Dresden wird mit Jordan Heywood und Jordan Knackstedt wohl auch eine bessere Rolle spielen“, nannte Boisvert die voraussichtlichen Hauptrivalen. Sportdirektor und Co-Trainer Marc St. Jean ergänzte den ESV Kaufbeuren. „Vor denen habe ich auch großen Respekt“, ließ auch Schoch wissen.

Neben dem kurzfristigen sportlichen Ziel haben Boisvert und St. Jean aber vor allem auch eine mittel- bis langfristige Aufgabe. Sie sollen dem Nachwuchs in Bietigheim eine bessere Perspektive bieten. „Es sollen nicht nur die Bayern schaffen, dass sie sich in den eigenen Reihen bedienen können“, gibt Schoch vor. Und genau hier passt eben Boisverts persönliches Ziel, jeden Spieler verbessern zu wollen, wie die Faust aufs Auge.

Mit gleich jeweils vier Förderlizenzspielern aus Nürnberg und Sonthofen und dazu dem Rosenheimer Yannick Wenzel setzen die Steelers verstärkt auf den Nachwuchs. Der soll in Zukunft aber bevorzugt aus den eigenen Reihen kommen, weshalb es ab sofort einen regelmäßigen Austausch mit der Jugendabteilung und eine Trainingseinheit pro Woche gibt, in der ausgewählte Talente mit der ersten Mannschaft trainieren dürfen, um ihre Fortschritte zu überprüfen.

Fabion Kuqi bekommt zudem alle Möglichkeiten, die ihm Bietigheim und Nürnberg gemeinsam bieten können, um ins Team hineinzuwachsen. Dazu soll auch noch Lukas Traub zumindest in der Vorbereitung bei den Profis hineinschnuppern können. „Wir wollen hier mit Hugo und Marc eine eigene Philosophie entwickeln. Wir wollen auch im Nachwuchsbereich ein Name in Deutschland werden, ein Verein, über den die Spieler sagen, dass man sich dort wohlfühlen kann. So, wie es bei den Profis schon ist“, sagt Schoch.

Boisvert ist mit dieser Situation sehr glücklich. Vor allem, weil der Kader durch die vielen Nachwuchskräfte eine Tiefe hat, die man in den Gaudet-Jahren nicht kannte. „Die jungen Spieler werden alles geben und Druck machen, weil sie auch spielen wollen. Das ist gut für die Mannschaft“, so der neue Trainer.

Keine Nachverpflichtungen

Dabei sieht er sein neues Team trotz namhafter Abgänge auf etwa einem Niveau mit dem Meisterteam. „Von Willie Corrin haben wir sehr gute Dinge gehört“, sagt Boisvert. Die anderen Neuzugänge seien entweder sehr talentiert oder hätten schon unter Beweis gestellt, dass sie auf diesem Niveau bestehen können. Deshalb habe man auch keinen Etat für Nachverpflichtungen eingestellt. „Wir wollen mit der Mannschaft die Saison beenden, mit der wir sie beginnen“, sagt Schoch. Das gilt auch für den Trainer, dem er höchsten Respekt dafür zollt, dass er nach der erfolgreichen Ära Gaudet auf diesem Stuhl Platz nimmt. Und vorsorglich nimmt er ihn auch schon einmal aus der Schusslinie: „Ein paar Niederlagen sind noch keine Krise. Wir werden die Hand heben und uns melden, wenn es eine Krise gibt.“

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