Handball Bietigheimer Erstliga-Traum wird immer realer

Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 03.04.2018

Woche für Woche räumen die Handballer der SG BBM Bietigheim die Hindernisse auf ihrem Weg in die Erste Bundesliga aus dem Weg. Auch der abstiegsbedrohte ThSV Eisenach erwies sich nicht als Stolperstein für den aufstrebenden Tabellenzweiten der Zweiten Bundesliga. Mit 28:23 (14:10) setzte sich das Team um Kapitän Pat­rick Rentschler vor den 2328 Zuschauern in der EgeTrans-Arena durch. Es war der bereits 13. Sieg in den vergangenen 14 Partien. Damit wahrte die Spielgemeinschaft ihren Sechs-Punkte-Vorsprung auf den Tabellendritten VfL Lübeck-Schwartau. Neun Spieltage vor dem Saisonende wird der Traum von der Ersten Liga immer realer – auch wenn Coach Hartmut Mayerhoffer und seine Schützlinge auch am Sonntagabend standhaft an ihrem Mantra festhielten. Der Tenor: Der Weg zum Aufstieg sei noch lang, in neun Partien sei noch vieles möglich, man wolle weiter nur von Spiel zu Spiel denken.

Mayerhoffer lobt Kollektiv

Andererseits: Wer solche unangenehmen und körperlich starken Gegner wie Eisenach letztlich so souverän in die Knie zwingt, der hat das Zeug zu Höherem. Eine spielerische Offenbarung war der Bietigheimer Aufritt an Ostern zwar nicht. Aber immer, wenn das Duell knapp zu werden drohte, packte die SG BBM noch ein paar Prozent drauf und erzielte die wichtigen Tore. „Wir haben uns durchgebissen“, sagte Mayerhoffer und hob das Kollektiv hervor: „Jeder hat Verantwortung übernommen und positiv auf sich aufmerksam gemacht.“ Entsprechend war die Torverteilung: Bis zum 11:9 (28.) hatten sich schon acht Bietigheimer Akteure in die Torschützenliste eingetragen. Am Ende blieben von den 13 Feldspielern nur Dominik Claus und Valentin Schmidt ohne Treffer. Und zwischen den Pfosten war erneut auf Domenico Ebner Verlass. Der italienische Nationaltorhüter parierte sogar die ersten beiden Eisenacher Siebenmeter von Matthias Gerlich und Alexander Saul.

Die Thüringer spielten ihre Angriffe lange aus. Sie waren vor allem aus dem Rückraum mit ihren Hammerwürfen erfolgreich und glichen in der 26. Minute durch Adrian Wöhler sogar zum 9:9 aus. Der Drittletzte präsentierte sich im Ellental keineswegs wie ein Abstiegskandidat. „Eise­nach ist eine super Mannschaft, die zu Unrecht dort unten steht“, sagte SG-Keeper Ebner.

Mit einem 5:1-Lauf warf Bietigheim auf den letzten Drücker noch eine 14:10-Führung zur Halbzeit heraus. Den Vogel schoss dabei Robin Haller ab. Der Rückraum-Shooter hatte nach dem 10:13-Anschlusstor von Marcel Niemeyer nur noch vier Sekunden Zeit, lief nach dem Anspiel ein paar Schritte in die Eisenacher Hälfte und knallte den Ball aus weiter Ferne unter die Latte – ThSV-Keeper Jan-Steffen Redwitz hatte die Situation offenbar nicht ernst genug genommen. „Robin ist ja für solche Tore bekannt. Dass der Ball aber aus 15, 20 Metern reinfliegt, ist schon der Wahnsinn. Das hat uns kurz vor der Pause nochmal einen Riesenpush gegeben“, stellte Ebner fest.

Auch im zweiten Durchgang mussten die Gastgeber an ihr Limit gehen, denn der Gegner ließ nicht locker. Mit einem Gewaltwurf brachte Gerlich den ThSV letztmals auf 19:21 heran und zwang Mayerhoffer zu einer Auszeit (52.). Doch mehr ließ der Aufstiegskandidat nicht zu. Eine erneut starke Schlussphase mündete in einen 28:23-Heimerfolg. Obwohl es derzeit so gut läuft, ist Mayerhoffer nun froh über die anstehende Länderspielpause: „Wir haben einige angeschlagene Spieler, die jetzt regenerieren und gesunden können – und dann geht es mit Volldampf in die letzten Spiele.“ Und vielleicht mit Volldampf auch in die Erste Liga.

Info Das Heimspiel der SG BBM gegen die HSG Konstanz ist um einen Tag vorverlegt worden und findet nun am Donnerstag, 19. April (19.30 Uhr), in der Bietigheimer EgeTrans-Arena statt.

Drei Fragen an Domenico Ebner

Torhüter Domenico Ebner ist seit Wochen der große Rückhalt im Team der SG BBM Bietigheim – und war das auch beim Heimsieg gegen Eisenach. Der 23-jährige Deutsch-Italiener spricht über das Formhoch und den Aufstieg.

Fühlen Sie sich schon wie ein angehender Erstliga-Spieler?
Nein, sicher nicht. Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Es sind noch neun Spiele, in denen es um alles geht. Wir müssen Woche für Woche hungrig bleiben. Es bringt nichts, auf andere Mannschaften zu gucken. Wenn wir unser Ding durchziehen, können wir es schaffen. Wir werden alles reinhauen. Wenn es am Ende reicht, freuen wir uns riesig. Wenn nicht, wäre es eine große Enttäuschung.

Haben Sie die Befürchtung, dass es wieder so laufen könnte wie in der Vorsaison, als die SG BBM auf den letzten Drücker noch den möglichen Bundesliga-Aufstieg verspielt hat?
Wir wissen alle, wie es im letzten Jahr gelaufen ist. Da standen wir auch lange oben, und am Schluss waren wir die Verlierer der Saison. Wir hoffen, dass wir dieses Jahr gefestigter sind – gerade auch bei solchen unangenehmen Spielen wie gegen Eisenach. Genau diese Spiele gilt es zu gewinnen, denn das sind oft die schwierigsten Duelle.

Sie selbst haben am Samstagabend erneut grandios gehalten. Haben Sie eine Erklärung für Ihre konstant starken Leistungen?
Es passt gerade vieles. Ich fühle mich megawohl in Bietigheim. Ich bin ja seit ein­einhalb Jahren hier. Der Trainer gibt mir das Vertrauen, die Mannschaft und der Torwart-Trainer sind ebenfalls super. Ich bin hungrig und will mehr erreichen. Entsprechend motiviere ich mich Woche für Woche neu. Letztlich liegt es an einem selbst, wie viel man investiert und was am Ende dabei rauskommt. ae