Bietigheim-Bissingen / Jan Simecek

Bietigheim hat einen neuen Bundesligisten! Mit einem 2:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt haben die Hockey-Frauen des Bietigheimer HTC drei Spieltage vor Ende der Saison die vorzeitige Meisterschaft in der 1. Regionalliga Süd und damit den Aufstieg in die Bundesliga unter Dach und Fach gebracht. Der BHTC, der vor dieser Saison erst in die Regionalliga aufgestiegen war, ist damit weiter ungeschlagen. Es war der siebte Sieg im achten Spiel.

Die Zuschauer in der gut gefüllten Gymnasiumsporthalle im Ellental zählten die letzten zehn Sekunden runter. Die meisten Spielerinnen rissen schon kurz vor der Schlusssirene die Arme jubelnd in die Höhe. Nur Nina Traxler, die gerade in Ballbesitz war, war noch auf das Spielgeschehen konzentriert. Nur einen Augenblick später fiel aber auch sie sich mit Vanessa Merkle und Theresa Lindenberger, die gerade in ihrer Nähe standen, in die Arme. Dann vereinigte sich alles zu einer großen Jubeltraube um Torfrau Lina Rönsch.

Die Erleichterung war groß. „Wir hatten zwar drei Matchbälle, aber mit jeder Niederlage wäre der Druck, die Nervosität größer geworden“,erklärte Trainer Jürgen Fili diese Erleichterung. Er selbst schaute sich einiges davon einfach nur ruhig an, schien fast etwas zu staunen über das T-Shirt mit der Aufschrift „Erstklassig – Mein Team“, das er sich wie die Spielerinnen nach der Partie übergestreift hatte. Doch am Ende wurde er während des Siegerinterviews von seinen Spielerinnen fortgerissen und hochgehoben, am Ende unter einem Berg aller Spielerinnen begraben. Da zeigte auch er Zeichen der Zufriedenheit und auch ein wenig des persönlichen Triumphs.

Merkle und Senghaas treffen

Der Jubel fiel wohl auch deshalb einerseits so euphorisch, andererseits so nachdenklich aus, weil die 60 Minuten zuvor eine verdammt enge Kiste waren. Zu Beginn lief alles noch nach Plan. In der zehnten Minute erlief Neele Fili einen Ball in die linke Ecke, hatte dann Zeit, Raum und das Auge, um Vanessa Merkle zu bedienen, die am langen Pfosten nur noch den Schläger hinhalten musste – 1:0. In der 17. Minute ließ Melanie Senghaas ein traumhaftes Solo über mehr als das halbe Feld folgen, an dessen Ende sie auch noch Torhüterin Alexandra Pollex ausspielte und den Ball im Fallen über die Linie schob.

Dann schlich sie aber so ein wenig Pech ein. Greta Meissner donnerte eine Ecke gegen den Pfosten. Das passierte Ines Wanner in der zweiten Hälfte ebenfalls. Mit diesen beiden Toren wäre es wohl ein lockeres Spiel geworden. So wurde es aber richtig eng. Lina Rönsch, die zur zweiten Halbzeit wieder nach Absprache Laura Hegen im Tor ablöste, musste mehrfach, teils spektakulär retten. Unter anderem bei zwei Ecken. „Die Frankfurterinnen haben unglaublichen Druck gemacht in der zweiten Halbzeit. Sie sind aus der Bundesliga abgestiegen und spielen jetzt immer noch gegen den Abstieg. Sie mussten hier eigentlich gewinnen und haben deshalb in der zweiten Hälfte richtig Gas gegeben“, so BHTC-Trainer Jürgen Fili. Sein Team kam im zweiten Durchgang nicht mehr oft in Schussposition. Außer der Ecke an den Pfosten gab es eigentlich nur eine halbwegs nennenswerte Chance. Auch als Frankfurt fast fünf Minuten vor Schluss eine Auszeit nahm und die Torhüterin durch eine sechste Feldspielerin ersetzte ging nichts mehr. „Wir haben das 2:0 mit Team- und Kampfgeist über die Zeit gerettet“, so der erleichterte BHTC-Coach. Der Rest ging im Meisterjubel unter.