Fast schon unheimlich könnte einem dabei werden, was die MHP Riesen Ludwigsburg schon seit Wochen in der Basketball-Bundesliga (BBL) aufs Parkett zaubern. Gegen die Löwen Braunschweig haben sie nun mit dem 91:77-Erfolg den Vereinsrekord eingestellt und den siebten Sieg in Folge geholt. Dabei zeigt das Team von Coach John Patrick vor allem eines: Nervenstärke in der entscheidenden Schlussphase.

So, wie sein Team die Nerven bewahrt hatte, ließ sich Patrick nach dem Spiel auch nicht aus der Reserve locken. „Ich werde keine Schlagzeilen liefern“, sagte er und fügte mit Blick auf einen möglichen neuen Vereinsrekord an: „Serien bedeuten mir nichts.“ Auch dass das derzeitige Team das beste sei, das er in Ludwigsburg bislang trainieren durfte, wollte er nicht bestätigen. „Es ist nicht das schlechteste“, merkte er schmunzelnd an.

Diese Attitüde nimmt man den Riesen ab. Auf dem Feld zeigt kein Spieler Star-Allüren. Das Team ist in Ludwigsburg der Star. Beinahe in jedem Spiel gibt es einen anderen Topscorer. Gegen Braunschweig war es Tanner Leissner, der in der entscheidenden Phase genauso traumhaft sicher einen Dreier von ganz weit draußen versenkte wie auch Nick Weiler-Babb. Beide waren mit je vier Treffern von jenseits der 6,75-Meter-Marke auch insgesamt die erfolgreichsten Distanzschützen auf dem Feld.

Aber nicht nur in der Offensive überzeugten die Gastgeber am Ende. Zwölf Ludwigsburger Rebounds standen in den letzten zehn Minuten zehn der Gäste gegenüber. Dazu forcierten die Riesen fünf Braunschweiger Ballverluste, über das gesamte Spiel gesehen 24 und damit doppelt so viele, wie sie selbst abgaben. Maßgeblich daran beteiligt war Jonas Wohlfarth-Bottermann, der in den 30 Minuten davor fast nur durch drei persönliche Fouls aufgefallen war. „Er hat uns in der Offensive dreimal eine zweite Chance erarbeitet“, lobte auch Trainer Patrick. Dazu kamen sechs Punkte, davor hatte er überhaupt nicht getroffen.

Die Stärke der Ludwigsburger liegt also vor allem auch an der Breite des Kaders. „Wir haben jetzt zwei, drei Guards, die die Bälle halten und verteilen können. Im letzten Jahr waren es ein­einhalb, weil Konstantin Konga immer wieder verletzt war“, verriet Patrick. Damit erklärt sich auch die Nervenstärke im Schlussviertel, weil sich die Verantwortung auf viele Schultern verteilt.

In den 30 Minuten davor war aber noch der eine oder andere Wackler drin. Nach zerfahrenen ersten Minuten zog Braunschweig auf 15:10 davon und baute den Vorsprung sogar auf 21:14 aus.  Mit einem 12:2-Lauf führten die Hausherren aber doch am Ende der ersten zehn Minuten. Im zweiten Durchgang fast das umgekehrte Bild. Ludwigsburg zog auf 36:25 davon, musste Braunschweig aber bis zum Viertelende wieder auf 43:48 heranlassen.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich am Abstand wenig. Bis zu einem doppelten unsportlichen Foul nach einem Gerangel zwischen Khadeen Carrington und Lukas Wank, das zunächst nur gegen Wank ausgesprochen worden war. Nach Videostudium wurde das Urteil aber umgedreht, Carrington bekam sogar noch ein zusätzliches persönliches Foul aufgebrummt. Ludwigsburg ging aber zunächst gelassener aus der hitzigen Situation hervor, erhöhte durch einen Dreier von Leissner auf 58:50. Dann kam aber Braunschweig auf, arbeitete sich auf 58:60 und schließlich 61:62 heran. Die Partie drohte zu kippen. Carrington machte mit einem von zwei versenkten Freiwürfen wenigsten noch eine 63:61-Pausenführung daraus, die Braunschweig dann im Schlussabschnitt zunächst ausglich. Doch dann zeigten die Riesen eben ihre Nervenstärke, legten nach dem zwischenzeitlichen 68:68 einen 15:3-Lauf hin – und gewannen am Ende souverän..