Nach starker erster Hälfte und einer 13-Punkte-­Führung war der zweite Durchgang die Zeit der Experimente für Ludwigsburgs Trainer John Patrick. Dabei lief einiges nicht so glatt, und es wurde im letzten Viertel noch einmal eng. Trotzdem bezwangen die MHP Riesen Ludwigsburg den Aufsteiger Hamburg Towers am sechsten Spieltag der Basketball-Bundesliga (BBL) am Ende doch sicher mit 94:83.

„Das war vielleicht mein Fehler. Vielleicht darf ich meine drei Bankspieler Radii Caisin, Ariel Hukporti und Christian von Fintel nicht gleichzeitig bringen. Wir haben dadurch den Rhythmus verloren“, gab sich Patrick nach der Partie selbstkritisch. Aber er nahm auch positive Aspekte daraus mit. „Die Jungs haben dabei gelernt, dass es nicht so einfach ist, in der BBL zu spielen. Es reicht nicht, körperlich hart zu spielen. Man muss auch mit dem Kopf dabei sein und einen Plan verfolgen“, so der Riesen-Coach weiter.

Völlig aus dem Tritt kamen Khadeen Carrington und Tanner Leissner, die mit 17 und 16 Zählern der ersten Hälfte deutlich ihren Stempel aufgedrückt hatten. Leissner setzte gerade einmal fünf Zähler noch obendrauf, Carrington gar nur deren drei. Andere Ludwigsburger hatten gar einen komplett gebrauchten Tag erwischt. Thomas Wimbush blieb am Ende gänzlich ohne Korberfolg. Mit nur einem Dreier, einem Freiwurf und einer Wurfquote von 20 Prozent hatte Konstantin Konga auch schon bessere Tage.

In der Vorsaison wäre ein solches Spiel wohl verloren gegangen, aber die aktuelle Mannschaft hat der letztjährigen eines definitiv voraus. „Teamspirit“, wie Patrick sagt. „Marcos Knight hat mir gesagt, ich soll Nick Weiller-Babb seinen Platz in der Startformation geben, weil der wenig trainieren konnte diese Woche und Spielpraxis braucht“, erzählt der Riesen-Coach.

Genau mit diesem Mannschaftsgeist stemmten sich die Ludwigsburger dagegen, als Hamburg knapp vier Minuten vor dem Ende auf 74:81 herangekommen war. Hans Brase, der fünf seiner acht Punkte im Schlussviertel machte, übernahm Verantwortung und versenkte einen Dreier traumhaft sicher. Sein einziger Versuch im ganze Spiel von jenseits der 6,75-Meter-Linie. Der Abwärtstrend wurde damit gestoppt. Bis zum 86:79 blieb der Aufsteiger zwar dran, aber dann ging die Zeit aus. Die Würfe mussten schnell genommen werden und verfehlten ihr Ziel. Ludwigsburg konnte so den Sieg in trockene Tücher bringen und mit der nötigen Ruhe auch noch den einen oder anderen Punkt Abstand draufpacken.

Zerfahrener Beginn

Hätten die Riesen da weitergemacht, wo sie in der ersten Hälfte aufgehört hatten, Hamburg wäre wohl mit einer kleinen bis mittleren Packung zurück in den Norden gefahren. Der Spielbeginn war sehr zerfahren, mit Fehlwürfen und -pässen auf beiden Seiten. Die Gastgeber fanden aber schneller den Rhythmus und zogen von 8:10 auf 17:10 davon. Erst in der letzten Minute fanden die „Türme“ aus der Hansestadt wieder in die Partie, verkürzten noch einmal von 18:26 auf 22:26.

Zu Beginn der zweiten zehn Minuten nahm Patrick nach einem Ballverlust von Carrington und einem Fehlwurf von Jaleen Smith schon nach 52 Sekunden eine Auszeit. Die Gäste waren auf 24:26 herangekommen. Danach lief der Express wieder. Über 31:24 und 37:26 ging es auf 44:29 davon. Dreieinhalb Minuten vor dem Seitenwechsel führten die Barockstädter gar mit 54:34. In der Folge wurde die Partie ein wenig hektisch. Hamburg nutzte dies, um noch auf 43:56 zu verkürzen. Auch eine weitere Auszeit 55 Se­kunden vor der Pause änderte daran nichts mehr. Nach dem Seitenwechsel hielten die Ludwigsburger diesen Vorsprung bis ins letzte Viertel, wo sie zwischen der 42. und 48. Minute mehr als sechs Minuten ohne einen einzigen Zähler blieben. Am Ende war aber alles wieder gut.