So ein Derbyspektakel sieht man nicht alle Tage. Dank einer Topleistung feierten die MHP Riesen Ludwigsburg am Sonntagnachmittag einen 106:75-Derbytriumph über Ratiopharm Ulm und damit den dritten Sieg im vierten Bundesliga-Spiel. Erstmals in dieser Basketball-Saison wurde bei einer Begegnung der Barockstädter die 100-Punkte-Marke geknackt.

Zwei Korbjäger ragten aus dem starken Ludwigsburger Kollektiv heraus: Khadeen Carrington traf sechs Dreier und war am Ende mit 27 Punkten einmal mehr der Topscorer im Riesen-Ensemble, dicht gefolgt von einem alten Bekannten: Sein US-amerikanischer Landsmann Marcos Knight kam bei seinem Comeback im gelben Trikot auf stolze 24 Zähler. Das 30-jährige Kraftpaket hatte der Verein kurzfristig verpflichtet (siehe auch Infobox unten). Schon in der Vorsaison war Knight einer der wenigen Lichtblicke in der Mannschaft gewesen. „Marcos ist in einer exzellenten körperlicher Verfassung und wird unserem Team in vielerlei Hinsicht helfen. Wir freuen uns, dass er da ist“, sagte Coach John Patrick über den Rückkehrer.

Knight hinterließ in der Tat einen blendenden Eindruck und zeigte, dass es das Mosaikstück sein kann, das den Riesen im Wettstreit um die Playoff-Plätze bisher vielleicht noch gefehlt hat. Obwohl der 30-jährige US-Amerikaner zuvor nur fünfmal mittrainiert hatte, klappte das Zusammenspiel mit seinen neuen Mitspielern – aus dem Kader der Vorsaison kannte er bisher nur Konstantin Konga, Christian von Fintel und Youngster Ariel Hukporti – schon vorzüglich.

Riesen erzwingen 22 Ballverluste

Der Heimsieg vor den 3670 Zuschauern in der MHP-Arena geriet zu keiner Zeit in Gefahr. Das Prestigeduell begann für die Riesen mit einer 10:0-Führung, ehe Zoran Dragic nach einer Auszeit von Ulms Trainer Jaka Lakovic mit einem Dreier die ersten Zähler der Gäste verbuchte. Mit ungeheurer Intensität, einer aggressiven Verteidigung, hochprozentigen Trefferquoten und einem überzeugenden Zusammenspiel zog Ludwigsburg dem schwäbischen Erzrivalen den Zahn. Tugenden also, die sich der Verein vor der Saison auf die Fahnen geschrieben hatte. Gleich 22 Ulmer Ballverluste, davon zehn allein im dritten Viertel, zeugen davon, mit welchem Biss die Riesen im Derby zur Sache gingen. Da war es locker zu verschmerzen, dass der Reboundvergleich letztlich mit 37:31 an Ratiopharm ging.

Nach dem 30:22 im ersten Durchgang verlief das zweite Viertel mit 26:26 ausgeglichen. Speziell Per Günther hielt das Team von der Donau in der Partie. Der deutsche Ex-Nationalspieler hatte Ulms Senkrechtstarter Killian Hayes in der 13. Minute ersetzt und erzielte bis zur Pause acht Zähler für die Gäste, sodass sein Team beim 56:48 zumindest noch eine Chance hatte. Ob sich Hayes etwas zu sehr unter Druck fühlte? Schließlich stand der 18-jährige französische Junioren-Nationalspieler unter besonderer Beobachtung: Ein Scout des NBA-Klubs Charlotte Hornets verfolgte auf der Tribüne seinen diesmal schwachen Auftritt ganz genau.

Auch in der zweiten Hälfte ließ Ludwigsburg keinen Deut nach und hielt das Niveau sowohl in der Offensive als auch in der Defensive hoch. Ulm fand gegen die entfesselt aufspielenden Hausherren weiterhin kein Mittel. 82:63 lautete der Zwischenstand nach 30 Minuten, das Derby war vorzeitig entschieden.

Selbst Maskottchen Lurchi trifft

Im Schlussviertel durchbrach Mister Zuverlässig Tanner Leissner, ein weiterer Aktivposten der Riesen, die 100-Punkte-Grenze mit seinem Treffer zum 101:72 (36.). Da passte es ins Bild, dass selbst Maskottchen Lurchi während einer Ulmer Auszeit unter dem Jubel der Fans einen Wurf von der Mittellinie versenkte. In der Restspielzeit schickte Patrick seine zweite Garde aufs Feld. So kamen auch die Talente Hukporti und Radii Caisin sowie von Fintel zu mehr Einsatzminuten als sonst. Caisin waren sogar die letzten zwei Ludwigsburger Punkte zum 106:75-Endstand vorbehalten. „Die Leistung heute war klasse. Auch die Zuschauer waren so laut wie noch nie in dieser Saison – mit Abstand“, lobte Patrick seine Schützlinge und die Fans gleichermaßen. „Das ist immer ein Geben und Nehmen.“

Marcos Knight glänzt bei seinem Comeback im Ludwigsburger Team


Eine triumphale Rückkehr hat Marcos Knight im Trikot der MHP Riesen Ludwigsburg gefeiert. Der 30-jährige US-Amerikaner steuerte am Sonntag zum 106:75-Heimsieg gegen Ratiopharm Ulm auf Anhieb 24 Punkte bei und kam auf einen Plus-Minus-Wert von 25. Exakt 30 Minuten und 47 Sekunden ließ Trainer John Patrick Rückkehrer Knight im Derby auf dem Feld – obwohl dieser erst am Donnerstagvormittag von Atlanta aus am Flughafen Frankfurt eingetroffen war, noch an Jetlag litt und nur fünf Einheiten mit der Mannschaft absolviert hatte. „Einige Spieler kenne ich noch aus Collegezeiten, mit anderen habe ich schon in der Bundesliga gespielt. Wir haben eine großartige Gruppe zusammen“, sagte Knight. Bereits während der vergangenen Spielzeit war das 98 Kilogramm schwere Kraftpaket in die Barockstadt gewechselt und hatte sich in kürzester Zeit zu einem Führungsspieler im damaligen Team entwickelt.

Bei seinen 24 Einsätzen im Ludwigsburger Trikot – 20 in der Bundesliga, vier in der Champions League – verbuchte Knight im Schnitt 18,8 Zähler, 6,2 Rebounds und 3,8 Assists. Da sich seine Hoffnung auf einen Vertrag bei einem NBA-Klub im Sommer nicht erfüllte, hielt er sich in den letzten Wochen in den USA individuell mit seinem Bruder, der auch sein Personal Trainer ist, fit. Der Kontakt zu Coach Patrick riss allerdings nie ab, und so kamen die MHP Riesen nun doch noch zum Zug. „Der Wechsel nach Ludwigsburg ist für meinen Sohn und mich eine sehr gute Gelegenheit gewesen. Das steht an oberster Stelle. Und die Fans und die Stadt sind ebenfalls großartig“, sagte Knight. „Ich freue mich auf eine tolle Saison.“ ae