Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle

So ändern sich die Zeiten. Vor drei Jahren freuten sich die Eishockey-Frauen des SC Bietigheim-Bissingen noch überschwänglich über jedes erzielte Tor – und so ein Erfolgserlebnis kam eher selten vor. Denn in ihrer ersten Saison in der Frauenliga Baden-Württemberg kassierte die Mannschaft 2016/17 ausnahmslos Niederlagen und wurde abgeschlagen Letzter. Zwei Spielzeiten später stehen die weiblichen Steelers in der Tabelle plötzlich ganz oben: Mit 15 Siegen in 16 Partien gewannen sie in der abgelaufenen Saison souverän ihre erste Meisterschaft. Bereits am drittletzten Spieltag machte das Team aus dem Ellental den Titelgewinn mit einem 11:1 in Schwenningen perfekt. Nur ein Duell ging verloren – mit 2:5 gegen den schärfsten Verfolger EKU Mannheim 1b. Allerdings fehlten Trainer Peter Kürten da auch fünf Stammkräfte. „Wir sind stolz auf die Entwicklung“, sagt SCB-Vereinsmanager Gregor Rustige.

Möglicherweise wird diese Entwicklung sogar irgendwann in der Frauen-Bundesliga enden. Allerdings hat der Verein bisher noch keine Bewerbung für die deutsche Eliteklasse abgegeben, die eine Voraussetzung zur Teilnahme am dortigen Spielbetrieb ist – auch in Rücksprache mit der Mannschaft. „Der Sprung in die Bundesliga ist ein brutaler Schritt“, weiß Rustige und betont: „Wir wollen nicht auf Biegen und Brechen aufsteigen.“

In der Tat ist der Aufwand in der höchsten Spielklasse immens. Dort würden zum Beispiel Gastspiele in Düsseldorf, Berlin, Hannover und Memmingen auf dem Programm stehen. Von etwaigen Verstärkungen, um im Oberhaus mitzuhalten, ganz zu schweigen. „Wir wollen keine Mannschaft zusammenkaufen, sondern es aus eigener Kraft schaffen und hier in Bietigheim langfristig etwas aufbauen – mit unseren Spielerinnen und unserer eigenen guten Nachwuchsarbeit“, stellt Rustige fest.

Drei SCB-Talente haben inzwischen sogar den Sprung in die deutsche U-18-Nationalmannschaft geschafft: Verteidigerin Lisa Heinz (16) sowie die Stürmerinnen Jennifer Miller (16) und Annabelle Sterzik (15) liefen im Januar bei der U18-WM in Radenthein (Österreich) für die DEB-Auswahl auf und verpassten mit ihr nur knapp den Aufstieg in die Weltgruppe der besten acht Nationen.

Aus einem Pool von etwa 30 Akteurinnen konnte Coach Kürten das Bietigheimer Meisterteam zusammenstellen. „Die Mannschaft hat in den vergangenen drei Jahren viel gelernt und super zusammengefunden. In dieser Saison ist jede Spielerin noch mal zehn Prozent besser geworden – das macht in der Summe also 300 Prozent“, sagt der 63-jährige Trainer, der einst die Frauen der ESG Esslingen (1995 bis 1998) und des TV Kornwestheim (2001 bis 2004) jeweils viermal zur deutschen Meisterschaft geführt hat.