Eishockey Angriff mit exzellenter Sturmreihe

Stark am Puck: Diesmal spielt Richard Müller (links) mit dem SC Riessersee um die DEL-2-Meisterschaft. Die gewann er im Vorjahr mit den Löwen Frankfurt. Rechts: Steelers-Kapitän Adam Borzecki.
Stark am Puck: Diesmal spielt Richard Müller (links) mit dem SC Riessersee um die DEL-2-Meisterschaft. Die gewann er im Vorjahr mit den Löwen Frankfurt. Rechts: Steelers-Kapitän Adam Borzecki. © Foto: Foto. Imago
cp 12.04.2018

Mit Marcus Sommerfeld von den Bietigheim Steelers und Richard Müller vom SC Riessersee treffen in bis zu sieben Spiele dicke Freunde im Playoff-Finale der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2) aufeinander. Los geht es am Freitag um 20 Uhr in Garmisch, das erste Heimspiel haben die Steelers am Sonntag um 17 Uhr. Im vergangenen Jahr feierte Müller mit den Löwen Frankfurt die DEL-2-Meisterschaft nach der erfolgreichen Finalserie gegen die Bietigheim Steelers und seinen Freund Sommerfeld.

Nach dem Titelgewinn wechselte Müller nach Garmisch-Partenkirchen zum SC Riessersee und war maßgeblich daran beteiligt, dass der bayerische Traditionsklub die Hauptrunde aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber den Steelers auf Platz eins beendete und sich zudem im Viertel- und Halbfinale durchsetzte. In der Hauptrunde erzielte der 35-Jährige 36 Tore und lieferte 44 Vorlagen, in den Playoffs brachte er es auch schon auf 10 Tore. Mit den 80 Punkten belegte Müller in der Scorerwertung der Liga nach der Hauptrunde Platz eins. Rang zwei mit 79 Punkten (30 Tore, 49 Vorlagen) nahm sein Sturmpartner Andreas Drien­dl ein. Die beiden bilden mit Lubor Dibelka (24 Tore, 32 Assists) die Topreihe beim Finalisten. Dibelka kam ebenso wie Müller 2017 zum SCR, Driendl wechselte ein Jahr vorher unter die Zugspitze.

Da der EHC Red Bull München zeitgleich die Endspiele in der DEL gegen Berlin bestreitet, muss der SC Riessersee im Sturm wahrscheinlich auf seine Münchner Förderlizenzspieler Andreas Eder und Maximilian Daubner verzichten. Michael Rimbeck, Tim Richter und Jared Gomes sowie Matis Beck, Routinier Florian Vollmer und Jakoib Mayenschein, der auch zur Münchner Fraktion gehört, bilden die Angriffsreihen zwei und drei.

Torwart Hare ein Glücksgriff

Mit Joel Johansson, Julian Eichinger und Stephan Wilhelm stehen drei der besten Verteidiger der DEL 2 im SCR-Team, allerdings droht Eichinger wegen einer Verletzung zumindest am Wochenende auszufallen. In den Playoffs kam beim SC Riessersee das Powerplay noch nicht so richtig auf Touren, dafür klappte das Unterzahlspiel bestens. Während der Hauptrunde bildeten Kevin Reich und Matthias Nemec ein starkes Torhüter-Duo. Im Hinblick auf die Playoffs legte der SCR auf der Torhüterposition mit Andrew Hare nach. Der hatte zu Saisonbeginn noch bei den Heilbronner Falken gespielt, wechselte dann  nach Norwegen und Ende Februar nach Garmisch. Das erwies sich als Glücksfall, denn gleich bei seinem ersten Einsatz im Halbfinale gegen den ESV Kaufbeuren feierte Hare in Spiel vier in Kaufbeuren einen Shut-out. Beim 3:2-Erfolg nach Verlängerung in der fünften Partie gab der Kanadier sein Heimdebüt. Im entscheidenden Match stand dann wieder Reich im Tor, der zwischenzeitlich in München als Back-up benötigt wurde. Nemec verletzte sich zu Beginn der Halbfinals, steht aber wahrscheinlich wieder zur Verfügung.

Sowohl Bietigheim als auch sein Finalgegner benötigten sechs Spiele, um sich im Halbfinale durchzusetzen. Beide Teams lagen jeweils mit 1:2 in Rückstand und feierten drei Siege in Folge, gehen also mit jeder Menge Selbstvertrauen und in guter Form in die Höhepunkte der Saison. Der SCR tat sich im Viertelfinale gegen die Eispiraten Crimmitschau, die sich erst über die Pre-Playoffs qualifiziert hatten, schwer und stand vor dem Aus. Erst im siebten Spiel setzte sich das Söderholm-Team durch.

Der Finne Söderholm, der am Samstag seinen 40. Geburtstag feiert, kam zur Saison 2015/2016 als Spieler zum EHC Red Bull München und wurde mit dem Team auf Anhieb deutscher Meister. Danach beendete er seine Karriere und fungierte in der Spielzeit 2016/2017 beim SC Riessersee als Assistent von Trainer Tim Regan. Der langjährige Kapitän des SCR hörte nach zwei Jahren als Coach auf und übernahm den neuen Posten des Sportlichen Leiters. Söderholm rückte nach und trat 2017 seine erste Saison als Cheftrainer an. Das Vertrauen in Trainer-Neuling Söderholm hat sich bezahlt gemacht. Mit wenigen Transfers wie den Hochkarätern Müller, Johansson, Dibelka und Reich sowie dem Stamm der Vorsaison bastelte Söderhom eine erfolgreiche Mannschaft zusammen. Verlassen haben den SCR mit Ilya Sharipov und Benjamin Hüfner zwei Spieler, die nun im Finale mit den Bietigheim Steelers auf ihren Ex-Klub treffen.

Erster Titel nach 30 Jahren

In den Spielzeiten 2015/2016 und 2016/2017 landeten die Garmischer in der Hauptrunden-Tabelle jeweils auf Platz neun und schieden in den Pre-Playoffs aus.  2011 war der SCR nach einem Jahr in die Zweite Liga zurückgekehrt. Mit der Oberliga-Meisterschaft hatte der Traditionsverein erstmals nach 30 Jahren wieder einen Titel gefeiert. Zwischen 1927 und 1981 war der SCR zehnmal deutscher Meister. Der Klub steht für große Namen in der deutschen Eishockey-Szene. Bekannte Spieler und Trainer wie Lorenz Funk, Ignaz Berndaner, Josef Heiß, Gerhard und Udo Kießling, der aktuelle DEB-Präsident Franz Reindl sowie Hans Zach sind in der „Hall of Fame“ des deutschen Eishockeys verewigt.

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