Handball „Wir werden auch in Lemgo kämpfen bis zum Umfallen“

Valentin Schmidt hat quasi ein Heimspiel.
Valentin Schmidt hat quasi ein Heimspiel. © Foto: Marco Wolf
Bietigheim-Bissingen / Bernhard Gaus 01.12.2018

Aufsteiger SG BBM Bietigheim wird nach zuletzt starken Leistungen mutiger. Zwei bis vier Punkte wollen die Schwaben noch bis zur WM-Pause im Januar holen. Am Sonntag (16 Uhr) will der Tabellenvorletzte beim TBV Lemgo Lippe auf die Punktejagd gehen.

Für Valentin Schmidt wird sich die Partie in der Phoenix Contact Arena ein klein wenig wie ein Heimspiel anfühlen. Der Spielmacher der SG BBM entstammt der Jugend des TBV. Klar, dass sich der in Lemgo aufgewachsene Rechtshänder besonders auf das Spiel freut, wenn Freunde und Verwandte versuchen werden, einen starken Bietigheimer Fanblock zu bilden. Mittlerweile spielt der 24-Jährige seine dritte Saison im Schwabenland und streitet sich in der Rückraummitte mit Neuzugang Jonas Link um die Spielzeiten.

Link spielt bislang als Spielgestalter eine überragende Saison, Schmidt kommt in der Regel von der Bank. Mit 18 Toren in den 14 gespielten Partien liegt der BWL-Student mit dem kräftigen Armzug hinter seinem Schnitt aus dem Aufstiegsjahr. Doch am letzten Spieltag wartete SG-Coach Ralf Bader mit einer überraschenden Variante auf, ließ gegen den SC Magdeburg beide Spielgestalter eine Halbzeit lang gleichzeitig von der Leine. „Das war auch für uns etwas überraschend“, so Schmidt, „aber ich glaube, wir haben das ganz gut gespielt.“

Der TBV Lemgo Lippe meldet Personalsorgen, vor allem im Rückraum. Dort fehlen Abwehrspezialist Isaias Guardiola (Schulterverletzung) und Jung-Nationalspieler Tim Suton (Fußgelenk), die beide Mitte November operiert werden mussten. Das Quartett Donát Bartók, Fabian van Olphen, Andrej Kogut und Jonathan Carlsbogård musste die Last im Rückraum fast komplett schultern. Doch das gelingt – auch dank einer starken 6-0-Abwehrformation ganz gut, wie der jüngste 29:24-Heimsieg gegen den TVB Stuttgart eindrucksvoll unter Beweis stellte. Es war der erste Erfolg für die Truppe von TBV-Chefcoach Florian Kehrmann nach sechs sieglosen Spielen. Zusätzlich wurde in dieser Woche mit dem Holländer Dani Baijens ein Mann für die zentrale Position nachverpflichtet. Mit einem weiteren Erfolg gegen Bietigheim will Lemgo sich jetzt von den Abstiegsplätzen absetzen.

Geduld und kaum Fehler

„Wir müssen auch in Lemgo wieder geduldig und mit wenigen technischen Fehlern spielen, weil der TBV mit Tim Hornke und Patrick Zieker zwei starke Gegenstoßspieler hat“, gibt Valentin Schmidt die Marschroute für Sonntag vor. Die beiden Flügelspieler sind die erfolgreichsten Torschützen des Teams aus Ostwestfalen-Lippe. Zieker ist ein ehemaliger Jugendspieler der SG BBM auf der linken Außenbahn. Das Kleinbottwarer Ausnahmetalent zieht es nach sieben Spielzeiten im Lipperland nach dieser Saison zurück in Richtung Heimat zum TVB Stuttgart.

Bietigheim will in Nordrhein-Westfalen an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen. Das Spiel der SG BBM gewinnt zusehends an Kontur, die Handschrift von Bader wird sichtbar. „Wir zeigen vor allem in den letzten Spielen eine klare Entwicklung“, bestätigt Schmidt. „Man darf nicht vergessen, dass es mit einigen Neuzugängen im Rückraum einfach Zeit braucht, bis die Abläufe da sind.“ Nach gut einem Drittel der Saison scheint sich einiges zusammenzufügen.

Kämpferisch präsentiert sich Bietigheim stets top. „Das muss die Stärke eines Aufsteigers sein. Wir werden auch in Lemgo 60 Minuten kämpfen bis zum Umfallen“, verspricht Schmidt. Eine weitere Stärke der SG BBM aus der letzten Saison schien schon fast vergessen – das Tempospiel. Eine deutlich stabilere Abwehrleistung soll wesentlich mehr Ansätze in der ersten und zweiten Welle bieten, als noch zu Beginn der Saison. Sicherheit gaben in der Defensive zuletzt auch die starken Leistungen von Torhüter Domenico Ebner. Nach der Glanzpartie gegen den SC Magdeburg ist der junge Bietigheimer in der Torhüterstatistik der gehaltenen Bälle auf Platz eins gesprungen.

Wie Ebner hat es auch Valentin Schmidt in seinen drei Jahren in Bietigheim nie an gesundem Selbstvertrauen gemangelt. „Für mich ist es einfach super gelaufen. Nach der ersten Saison, in der wir nur knapp am Aufstieg gescheitert sind, verlief das Aufstiegsjahr mit vielen Spielanteilen optimal, besser geht es nicht. Und jetzt lebt man seinen Traum und spielt in der ersten Liga“, so der SG-Spielmacher. Und der Traum soll so schnell nicht zu Ende sein. „Wir sind im Plan und in einer guten Ausgangslage“, ist Schmidt überzeugt, „Jetzt wollen wir nachlegen.“

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