Ausgerechnet im Oberliga-Derby gegen seinen früheren Klub SGV Freiberg avancierte Pascal Hemmerich zum Matchwinner des FSV 08 Bissingen. Im BZ-Interview spricht der 27-jährige Stürmer über den Prestigeerfolg, den Extrakick durch die Zuschauer und die Kunstrasen-Problematik.

Wer ist denn nun der größere Bissinger Derby-Held – Sie als Siegtorschütze oder Schlussmann Sven Burkhardt, der in der Nachspielzeit einen Elfmeter abgewehrt hat?

Dass ich das entscheidende Tor erzielt habe, freut mich sehr – erst recht, weil es gegen meinen Ex-Verein ging. Man kann aber gar nicht so genau sagen, wer heute der Matchwinner war. Es war eine gute Mannschaftsleistung.

Jetzt steht Bissingen wieder vor Freiberg in der Tabelle. Was bedeutet diese Momentaufnahme?

Wir haben uns für dieser Saison große Ziele gesetzt, die aber immer wieder ins Stocken geraten sind, weil wir gegen vermeintlich schlagbare Gegner nicht gewonnen haben. In der Winterpause haben wir uns vorgenommen, aus den ersten vier Partien neun Punkte zu holen. Jetzt sind wir wieder im Rennen und schauen wieder lieber auf die Tabelle. Was Freiberg macht, ist mir letztlich wurst – auch wenn ich dem Verein viel zu verdanken habe.

Die Teams in der oberen Tabellenhälfte liegen sehr eng zusammen. Haben Sie so eine „breite Spitze“ schon einmal erlebt?

Abgesehen von meiner Zeit in Neckarrems spiele ich jetzt seit zehn Jahren in der Oberliga. Ich habe das Gefühl, dass die Liga noch nie so stark war wie in dieser Saison. So viele Mannschaften wie noch nie können diesmal Meister werden. Wir vertrauen darauf, dass sich die Gegner die Punkte gegenseitig wegnehmen – und wir unsere Spiele gewinnen.

Am Samstag geht’s nach Ravensburg und damit zu einem Gegner, der bisher enttäuscht hat.

Die Mannschaften, die unten stehen wie Neckarsulm, Ravensburg oder auch Backnang sind richtig gute Gegner. Die wären vor drei, vier Jahren noch im oberen Tabellenmittelfeld der Oberliga gewesen. Deswegen dürfen wir solche Gegner nicht unterschätzen. Gerade Ravensburg hat jahrelang eine sehr gute Rolle in der Oberliga gespielt und ist ein gefährlicher Gegner. Wenn man am Ende ganz oben stehen will, muss man dort die Punkte holen.

Passend zum Derby war ein Kabinenfest geplant. Wird nach dem Triumph besonders lange gefeiert?

Da wird es sicher lustig zugehen. Die Frau weiß schon Bescheid, dass es länger gehen wird, vielleicht bis morgen früh. Durch den Sieg herrscht nun eine viel bessere Stimmung, als wenn wir verloren oder unentschieden gespielt hätten.

Welche Rolle spielt die Kulisse in einem Nachbarschaftsduell?

Die Zuschauer kitzeln immer noch die letzten Prozente heraus, vor allem zu Hause. Das hat man gegen Freiberg gerade in den letzten Minute gemerkt, als uns die Fans noch einmal richtig gepusht haben. In erster Linie konzentriert man sich aber auf sich selbst. Ich bin immer auf mich fokussiert.

 Ist es nicht schade, dass so ein großes Spiel auf Kunstrasen ausgetragen wird, weil das Hauptspielfeld so ein Acker ist?

Ich persönlich finde Kunstrasen ganz gut. Auf dem Belag kann man die Bälle besser einschätzen – gerade als Stürmer, der in der entscheidenden Situation da sein muss, profitiert man da. Aber natürlich gehört der Fußball auf den Rasen. Darum freuen wir uns auch, wenn wir zumindest auswärts auf Rasen spielen dürfen. Aber wir haben jetzt eben bei uns am Bruchwald solche Platzverhältnisse. Da müssen wir durch.

Ein Stürmer wird an Toren gemessen. Was haben Sie sich für diese Saison noch vorgenommen?

Klar bin ich für die Tore zuständig. Seit der Rückrunde läuft es bei mir sehr gut. Auch in den Testspielen habe ich immer getroffen. Ich will noch so viele Tore wie möglich schießen, um dem Verein zu helfen. Aus der Torjägerkanone wird es aber wohl nicht mehr, denn Marcel Sökler liegt mit seinen 20 Toren in der Liste zu weit vorne.

Kapitän Marius Kunde fehlt seit Wochen wegen einer Schambeinentzündung. Wäre der FSV 08 mit ihm in der Offensive noch stärker?

Auf jeden Fall, die Qualität von Marius Kunde muss ich nicht groß erklären. Sein Ausfall ist für uns ein herber Verlust. Wenn er wieder zurück ist, haben wir noch mehr Qualität.

Zur Person: Pascal Hemmerich


Seit dieser Runde stürmt Pascal Hemmerich (27) wieder für 08 Bissingen. Schon von 2015 bis 2017 kickte er am Bruchwald. In der Vorsaison trug der 1,85 Meter große Angreifer das Trikot der Neckarsulmer SU. Seine weiteren Vereine waren der SGV Freiberg, bei dem er auch in der Jugend spielte,  und der VfB Neckarrems. Bei seinen bisher 97 Oberliga-Einsätzen erzielte Hemmerich 16 Tore. 2018/19 war er in 15 Spielen siebenmal erfolgreich. ae