Bietigheim-Bissingen / Von Andreas Eberle

Max Prommersberger von den Bietigheim Steelers ist ein Mann der leisen Töne und steht nicht gern im Mittelpunkt. Dass er aber durchaus einiges zu sagen hat, zeigte er am Rande der Eishockey-Gala des Fördervereins. Im BZ-Interview sprach der 31-jährige gebürtige Bad Tölzer über seine Rolle als Verteidiger, aufmüpfige Gegner – und natürlich über die DEL2-Playoffs, die am Freitag (20 Uhr) mit einem Heimspiel gegen die Dresdner Eislöwen beginnen.

Am Samstagabend sind Sie vom Steelers-Förderverein als Bietigheimer Defensivspieler der Saison 2018/19 geehrt worden. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung?

Max Prommersberger: So eine Auszeichnung ist sehr schön. Als Defensivverteidiger steht man meistens nicht so sehr im Fokus. Aber wenn man mal fehlt, dann merkt man das teilweise schon.

Stört es Sie, dass Verteidiger meist im Schatten der Stürmer stehen?

Ich bin nicht der Typ, der gerne im Vordergrund steht. Ich mache gerne meine Arbeit und die sehr gewissenhaft. Darum ist das für mich völlig okay.

Welcher Teamkollege hat Sie in der abgelaufenen Hauptrunde am meisten überrascht?

Norman Hauner. So wie er in den vergangenen Partien gespielt hat, kann ich nur sagen: Hut ab vor ihm und seiner Leistung. Wie er die Tore schießt, finde ich spektakulär. Er ist auch ein sehr ruhiger Typ, der seinen Job macht – und das in meinen Augen aber sehr spektakulär.

Am Freitag gehen die Playoffs los. Sind Sie und die Mannschaft bereit?

Auf alle Fälle. Die vergangene Trainingswoche war sehr gut, und auch in dieser Woche bereiten wir uns akribisch vor – nicht nur, was den Körper und die Fitness anbelangt, sondern auch das Taktische.

Der Viertelfinal-Gegner Dresden hat am Dienstagabend in Heilbronn noch das dritte Pre-Playoff-Duell bestritten und ist ausgepowert, aber dafür im Wettkampfmodus. Die Steelers haben dagegen zwölf Tage Spielpause und konnten die Akkus aufladen. Was ist besser?

Ich finde es sehr gut, dass wir uns die Pre-Playoffs erspart haben. So konnte man mal abschalten. Manche Spieler waren zu Hause, manche haben mal etwas ganz anderes gemacht, als Eishockey zu spielen. Der Gegner ist zwar im Spielrhythmus, aber wir haben als ausgeruhte Mannschaft dafür einen gewissen physischen Vorteil und sind frischer. Ich denke, dass unser Vorteil überwiegt.

Kassel, Heilbronn und Dresden waren als Widersacher im Viertelfinale möglich. Hatten Sie einen Wunschgegner?

Nein, man muss den Gegner nehmen, der kommt. Da hat man sowieso keine Wahl. Man kann sich auf jede Mannschaft vorbereiten. Auch das Trainerteam hat noch genügend Zeit, sich auf den Gegner einzustellen und taktische Finessen zu justieren.

Wie ändert sich die Stimmung im Team, je näher die Playoffs rücken?

Die Intensität im Training ist vom Trainerteam vorgegeben. Es gibt bei uns nur wenige Spieler, die noch nie in einem Playoffduell gestanden haben. Jeder bringt die nötige Erfahrung mit und kennt die Situation.

Sind Sie gar nicht nervös?

Für mich ist es ganz wichtig, dass im Viertelfinale in Spiel eins der erste Pass sitzt. Dann fühle ich mich schon mal sicher. Alles weitere ergibt sich im Spielverlauf.

Die Steelers waren in den vergangenen sechs Spielzeiten immer im Finale und haben dreimal den Titel geholt – ist die Mannschaft überhaupt noch hungrig?

Natürlich ist es das Ziel, die Saison so lange wie möglich zu spielen. Denn die Playoffs sind die schönste Zeit im Eishockey. Wenn du mit der kurzen Hose zu einem Auswärtsspiel fahren kannst, hast du in den acht Monaten vorher vieles richtig gemacht.

Noch nie hat ein Meister in der zweithöchsten deutschen Spielklasse seinen Titel verteidigen können. Ist das ein schlechtes Omen?

Ich bin nicht abergläubisch. Dass wir das bisher noch nicht geschafft haben, lag an unterschiedlichen Faktoren und Kleinigkeiten. In der Finalserie 2016 gegen Kassel zum Beispiel hatten wir viele Verletzte und haben mit drei Verteidigern und acht Stürmern gespielt. Dass es dann sehr schwer wird, ist logisch. Und ein Jahr später gegen Frankfurt war die Situation ähnlich. Wenn der Gegner mit voller Power – vor allem auch Manpower – spielt, kannst du das irgendwann nicht mehr kompensieren.

Aber die Vizemeisterschaft ist doch auch nicht schlecht.

Niemand will gern Zweiter werden. Ich bin auch vor meiner Bietigheimer Zeit schon einige Male Zweiter geworden und kann sagen: Es ist das dümmste Gefühl, wenn du wie ein Depp an der blauen Linie stehst und den anderen beim Feiern zuschauen musst.

Tut man sich als Meister generell schwerer, weil die Gegner immer besonders motiviert sind?

Das hat man schon in den 52 Spielen bisher gesehen. Egal gegen wen wir spielen, ob auswärts oder zu Hause – jeder will uns schlagen. Für einen amtierenden Meister gibt es keine einfachen Partien. Darum ist die Hauptrunde für den Titelverteidiger eine sehr gute Vorbereitung auf das, was ihn in den Playoffs erwartet.

Erstmals seit der Gründung der DEL2 im Jahr 2013 hat der Hauptrundensieger die 100-Punkte-Marke nicht geknackt. Woran liegt das?

Ravensburg hat die Tabelle lange souverän angeführt und ist dann eingebrochen. Alle anderen Teams haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten gearbeitet und abgeschnitten. Aus unserer Sicht wäre mehr drin gewesen. Es hat eine gewisse Zeit gedauert, bis wir uns gefunden und das umgesetzt haben, was die Trainer fordern. Aber mit Platz zwei sind wir nah am Maximum. Die Liga ist in dieser Saison sehr ausgeglichen, gerade was die Topklubs angeht.

Was macht Sie zuversichtlich, dass die Meistertrophäe am Ende erneut ins Ellental kommt?

So weit würde ich noch nicht gehen. Wir müssen erst mal die erste Runde überstehen – mit so wenig Spielen wie möglich. Dann schauen wir weiter. Ob das Halbfinale kommt oder nicht, steht jetzt noch in den Sternen.

Mit Bastian Steingroß und Marcus Sommerfeld verlassen am Saison­ende zwei verdiente Spieler nach dann sieben Jahren den Verein und beenden ihre Karriere. Kommt da bei Ihnen Wehmut auf?

Es ist schade, wenn solche Leute gehen. Es gibt aber auch ein Leben nach dem Eishockey, das jeder vorbereiten muss – und da trifft jeder Spieler den Zeitpunkt für sich selbst. Beide Spieler kenne ich schon lange. Mit Bastian Steingroß habe ich die letzten vier Jahre in der Verteidigung zusammengespielt. Ich habe immer genau gewusst, was er macht und umgekehrt. Wir haben uns fast blind verstanden.

Der Titel wäre also ein schönes Abschiedsgeschenk für Sommerfeld und Steingroß.

Es gibt nichts Schöneres, als mit einer Meisterschaft aufzuhören – so wie es in der vergangenen Saison Adam Borzecki, Dominic Auger und Rob Brown geschafft haben. Das ist ein Erlebnis, das unvergessen bleibt. Man erinnert sich an jeden Mitspieler und an gewisse Szenen. Da spielt es auch keine Rolle, wie viele Titel man zuvor schon geholt hat. Jede Meisterschaft ist ein Unikat.

Ihr Vertrag läuft aus. Werden Sie auch in der nächsten Saison im Bietigheimer Trikot auflaufen?

Wir sind in guten Gesprächen, aber fix ist noch nichts.

Aber Sie würden gerne bleiben?

Ja, meiner Familie und mir gefällt es hier.

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Zur Person: Max Prommersberger

Der in Bad Tölz geborene Verteidiger steht seit der DEL2-Saison 2014/15 bei den Bietigheim Steelers unter Vertrag. Zuvor spielte er für seinen Heimatverein EC Bad Tölz, die Eisbären Regensburg, die Schwenninger Wild Wings und die Dresdner Eislöwen. Mit den Steelers wurde Prommersberger 2015 und 2018 Meister. Der 31-jährige Oberbayer hat bisher 676 Partien in der Zweiten Liga sowie der DEL2 (inklusive Playoffs) bestritten und dabei 168 Scorerpunkte (33 Tore, 135 Vorlagen) gesammelt. Für Bietigheim lief er 279 Mal in der DEL2 auf und erzielte 97 Punkte (21 Tore, 76 Vorlagen). Der 1,86 Meter große Prommersberger wohnt in Bietigheim, ist verheiratet und hat zwei Kinder – einen zweijährigen Sohn und eine fünfjährige Tochter. ae