Eishockey „In den Playoffs herrscht Funkstille“

Benjamin Hüfner ist eine zuverlässige Kraft in der Steelers-Defensive. In der vergangenen DEL-2-Saison war er noch für den Finalgegner SC Riessersee an der Scheibe.
Benjamin Hüfner ist eine zuverlässige Kraft in der Steelers-Defensive. In der vergangenen DEL-2-Saison war er noch für den Finalgegner SC Riessersee an der Scheibe. © Foto: Jan Simecek
Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 17.04.2018

Benjamin Hüfner trifft im Playoff-Finale der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2) mit den Bietigheim Steelers auf seinen Ex-Klub SC Riessersee. Vor dem dritten Duell der Best-of-Seven-Serie an diesem Dienstag (20 Uhr) in Garmisch-Partenkirchen gab der 27-jährige Verteidiger im Gespräch mit der BZ Einblicke ins Innenleben der Mannschaft – und verriet, vor welchem SCR-Stürmer er den größten Respekt hat.

Wie gewonnen so zerronnen – das Heimrecht ist am Sonntag wieder an den SC Riessersee zurückgegangen. Ist das ein gravierender Nachteil?

Benjamin Hüfner: Klar ist der Heimvorteil jetzt wieder weg. Im Endeffekt geht es wieder von vorne los. Es steht 1:1 in der Serie, beide Teams haben auswärts gewonnen. Wir müssen jetzt im dritten Spiel genauso bereit sein wie im ersten – und wie über 40 Minuten im zweiten Duell.

Inwiefern hat der Ausfall von Top­sco­rer Matt McKnight am Sonntag das Bietigheimer Spiel beeinflusst?

Nach der Verletzung von Matt ist die Partie in eine andere Richtung gegangen. Wir waren nicht mehr so konsequent, agil und aggressiv wie davor. Alle wussten: Jetzt ist ein starker Spieler vom Eis. Eigentlich sind wir Profis genug und hätten denken müssen: So etwas passiert. Aber wahrscheinlich war der Ausfall bei uns schon im Unterbewusstsein drin – und dann haben wir das Spiel aus der Hand gegeben und im zweiten Drittel komplett geschlafen.

Auf was kommt es nun im weiteren Verlauf der Serie an?

In einem Finale machen die Details viel aus. Wir müssen die Kleinigkeiten richtig machen, also zum Beispiel die Scheiben rausbekommen. Die Garmischer Verteidiger „pinchen“ sehr doll, das heißt sie gehen sehr tief und sehr hart auf den Mann drauf. Dadurch gibt es für uns Optionen, die Scheibe rauszuchippen und zu kontern, auch mal mit zwei gegen eins. Ansonsten gilt: die Zähne zusammenbeißen und durchackern.

Mit wie vielen Spielen rechnen Sie im Playoff-Finale?

Das ist schwer zu schätzen. Man sieht ja, wie sehr es zwischen den beiden Mannschaften hin und her geht. Wir denken von Spiel zu Spiel. Wenn man das erste Duell gewinnt, freut man sich natürlich und denkt, wie cool es losgegangen ist. Ich rechne mit einer ganz spannenden Serie, die durchaus über sieben Spiele gehen kann. Das bessere Team soll gewinnen.

Im Kader gibt es viele angeschlagene und verletzte Akteure, nun hat es auch noch McKnight erwischt. Wie steckt die Mannschaft die ständigen personellen Rückschläge weg?

Das fällt schwer. Am Sonntag haben ja „Hauni“ und „Preibi“ (Anmerkung der Redaktion: Gemeint sind Norman Hauner und Ale­xander Preibisch) wieder mitgespielt, aber sie waren eine Weile nicht mehr dabei. Das merkt man schon. Sie müssen erst wieder in den Rhythmus kommen. Dass McKnight raus ist, ist bitter, denn er ist einer unserer besten Spieler. Wir dürfen die vielen Ausfälle gar nicht in unsere Köpfe lassen und nicht ständig daran denken. Stattdessen müssen wir die Ausfälle dadurch kompensieren, indem wir alle noch einen Schritt mehr machen und jeder noch ein paar Prozente mehr gibt. Bietigheim hatte schon in den letzten Jahren immer wenig Spieler. Diese Erfahrung hilft uns vielleicht.

Sie haben in der vergangenen Saison selbst noch beim SC Riessersee gespielt. Hat das Finale für Sie darum noch eine besondere Note?

Na klar, ich würde lügen, wenn ich das verneinen würde. Die Serie ist etwas Besonderes für mich. Es ist aber nicht so, dass ich jetzt besonders nervös oder aufgeregt bin. Es geht gegen mein altes Team. Ich habe noch viele Freunde in der Riesserseer Mannschaft. Mit einigen Jungs fahre ich sogar in den Urlaub. Während der Saison sind wir in Kontakt und schreiben uns – und auch auf dem Oktoberfest sieht man sich. In den Playoffs herrscht aber Funkstille. Auf dem Eis sind wir jetzt Feinde, neben dem Eis bleiben wir Freunde.

Wie schätzen Sie Ihre frühere Mannschaft ein?

Der SC Riessersee hat dieses Jahr ein absolut starkes Team. Gerade die Neueinkäufe haben es in sich. Die erste Sturmreihe ist der Wahnsinn.

Von welchem Garmisch-Partenkirchener Angreifer haben Sie den größten Respekt?

Respekt darf man haben, aber sicher nicht Angst. Ich würde Richie Mueller nennen. Er hat sich in den letzten Jahren extrem profiliert. Ganz, ganz früher in jungen Jahren habe ich mit ihm bei den Eisbären Berlin zusammengespielt. Richie hat alles, was einen perfekten Spieler ausmacht: Er ist sauschnell, hat super Hände und einen starken Schuss. Wenn man als Verteidiger einen falschen Schritt macht, ist er weg. In den ersten beiden Spielen hatten wir ihn aber gut im Griff.

Mal übers Finale hinausgeschaut: Werden Sie auch in der nächsten Saison das Steelers-Trikot tragen?

Ich glaube, das ist noch nicht offiziell. Ich kann also dazu nichts sagen. Das macht der Verein, wenn es soweit ist. Wir werden sehen.

Topscorer fällt mit Knöchelverletzung aus

Matt McKnight wird wegen einer Blessur am Knöchel, die er sich am Sonntag im zweiten Finalduell gegen den SC Riessersee (3:5) zugezogen hat, vorerst ausfallen. „Matt kann nicht auftreten und wird am Dienstag nicht aufs Eis können. Das ist Fakt. Das genaue Ausmaß der Verletzung steht zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht fest“, sagte Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch am Montagabend. Außer dem kanadischen Topscorer fehlen in Spiel drei auch noch Rob Brown (Lungeninfektion), Max Lukes (Leistenprobleme), Kodi Schwarz (Daumenblessur) und Youngster Leon Müller (Gehirnerschütterung). „Unsere Lage mit den vielen Verletzten ist nicht einfach, aber das ist ja seit drei Jahren schon so“, sagt der scheidende Bietigheimer Trainer Kevin Gaudet und flüchtet sich in Sarkasmus: „Wenn ich weg bin, ist hoffentlich auch das Verletzungspech bei den Steelers weg.“ ae

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