Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle  Uhr

Im BZ-Interview spricht Meistertrainer Martin Albertsen (45) über die Chancen auf den DHB-Pokal und das Double – und darüber, welche Lehren die SG BBM Bietigheim aus den Fehlschlägen in den beiden vergangenen Jahren beim Final Four gezogen hat.

Hat Ihr Team die feuchtfröhlichen Meisterfeiern gut überstanden?

Martin Albertsen: Die Philosophie war, zwei Tage lang die Meisterschaft zu genießen und zu feiern. Ab Dienstagabend haben wir dann wieder trainiert und uns seitdem auf den Pokal konzentriert. Die Mannschaft ist zu 100 Prozent topfit.

Das Final Four war in den vergangenen zwei Jahren kein Ruhmesblatt für die SG BBM. Welche Lehren hat die Mannschaft aus den verpatzten Teilnahmen 2017 und 2018 gezogen?

Das ist ein Prozess. Man muss erst einmal lernen, zu verlieren und mit solchen bitteren Niederlagen umzugehen, um mit so einer Erfahrung beim nächsten Anlauf etwas zu gewinnen. In den letzten zwei Jahren wurde mir von außen eingeredet, dass Buxtehude und Oldenburg bei dem Turnier keine Chance hätten – und trotzdem haben die Außenseiter dann den Pokal gewonnen. Wir wären sehr unclever, wenn wir daraus nicht gelernt hätten. Auch wenn wir gegen Halle-Neustadt wieder Favorit sind, müssen wir Respekt haben.

Inwiefern spielt die Personalsituation bei so einem Turnier eine Rolle?

In den vergangenen zwei Saisons hatten wir da einfach Pech, speziell im vergangenen Jahr hatten wir beim Final Four eine sehr, sehr dünne Truppe beisammen. Diesmal haben wir fast den kompletten Kader zur Verfügung. Das muss ein Vorteil sein.

Ist es mit Blick auf den Sonntag ein weiterer Vorteil, dass Bietigheim mit Halle-Neustadt im Halbfinale auf einen relativ leichten Gegner trifft, während im zweiten Duell der Thüringer HC und Metzingen gleich an die Leistungsgrenze gehen müssen?

Das wird man am Sonntag sehen. So ein Final Four hat immer auch eine Eigendynamik. Auf dem Papier ist der SV Union Halle-Neustadt sicherlich nicht derselbe Gegner wie der Thüringer HC oder Metzingen. Wir wissen aber, dass in den vergangenen Jahren immer die Außenseiter überrascht haben. Darum müssen wir auch gegen Halle-Neustadt aufpassen und schon am Samstag ein genauso gutes Spiel machen wie hoffentlich am Sonntag. Die beiden anderen Mannschaften haben gleich ein Topspiel und sind sofort richtig im Gang – und sie werden diesen Gang in den Sonntag mitnehmen.

Was macht Sie zuversichtlich, dass sie – wie schon 2006 mit dem HC Leipzig – ein zweites Mal als Trainer das Double gewinnen werden?

Ich habe in letzter Zeit ein Team gesehen, das genau das gemacht hat, was wir uns vorgestellt haben. Wir haben bestmögliche Spiele gezeigt. Nur mit absoluter Leistung ist es möglich, eine deutsche Meisterschaft oder den Pokal zu gewinnen. Meine Mannschaft ist bereit, an beiden Tagen wieder so eine Topleistung zu liefern. So gut kenne ich sie – und dann haben wir eine gute Chance, am Ende mit dem Pokal dazustehen. 2017 waren wir weit weg vom Podium, 2018 waren wir Zweiter – es wird Zeit, dass wir mal ganz oben stehen.

Ihr Trainer-Kollege Herbert Müller meint, sein THC hätte den Pokal nach der knappen Entscheidung in der Meisterschaft verdient. Was halten Sie ihm entgegen?

Für mich geht es nicht darum, ob etwas verdient oder nicht verdient ist. So läuft es im Sport nicht. Es geht allein um Leistung und wer am Ende der Beste ist. Wer den Pokal in den Händen hält, hat es letztlich definitiv verdient.