Bietigheim-Bissingen / Von Claus Pfitzer  Uhr

Mehr Spannung und Dramatik geht fast nicht. Am letzten Spieltag 2018/19 der Handball-Bundesliga geht es am Sonntag (15 Uhr) in der EgeTrans-Arena im Duell zwischen der SG BBM Bietigheim und dem VfL Gummersbach um den Klassenerhalt. Für Sportdirektor Jochen Zürn von der SG BBM Bietigheim steht fest, dass Bietigheim den Ligaverbleib schafft. „Dieses Finale ist seit Januar unser Ziel. Ich bin zuversichtlich, dass wir danach feiern können“, sagt Zürn im Gespräch mit der BZ. Dabei ging er auf verschiedene Themenbereiche rund um den Showdown und die SG BBM ein.

 

Die Ausgangssituation Der VfL Gummersbach (13:53 Punkte/Tordifferenz -154), die SG BBM Bietigheim (13:15/-174) und Die Eulen Ludwigshafen (12:54/-144) machen die zwei Absteiger unter sich aus, ein Verein rettet sich. Die SG BBM Bietigheim bleibt nur bei einem Sieg gegen den VfL in der Liga, ein Unentschieden reicht aufgrund der schlechteren Tordifferenz nicht. Gummersbach hält die Liga bei einem Sieg oder einem Unentschieden, wenn Ludwigshafen gegen den TSV GWD Minden nicht gewinnt. Endet die Partie in Bietigheim unentschieden und die Kurpfälzer gewinnen, bleiben sie wegen ihrer Tordifferenz drin und Bietigheim und Gummersbach steigen ab. „Es war schon eine Überraschung und ein bisschen ärgerlich“, spricht SG-Sportdirektor Zürn den Überraschungssieg der Eulen Ludwigshafen bei den Rhein-Neckar Löwen am vorletzten Spieltag an, der ihnen die Chance auf die Rettung bescherte. „Für uns ändert sich dadurch aber nichts. Wir hätten ohnehin gewinnen müssen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir danach feiern. Es wird krachen. Da fliegt das Dach weg“, ist Zürn von einem Mega-Spiel mit Happy End überzeugt.

Kontakt mit Ehemaligen

Mitgeholfen an dieser knisternden Spannung hat auch Frisch Auf Göppingen mit dem ehemaligen Bietigheimer Trainer Hartmut Mayerhoffer durch den Sieg beim VfL Gummersbach. Zürn hatte danach Kontakt mit den Göppingern Sebastian Heymann und Daniel Rebmann, die unter ihm als Trainer beim TSB Heilbronn-Horkheim gespielt haben. „Ich habe ihnen gratuliert. Sie haben ihren Job gemacht und uns das Finale ermöglicht. Sie haben mir geschrieben, es sei eine Ehre für sie gewesen und sie hätten das Spiel sehr ernst genommen“, erzählt der Bietigheimer Sportdirektor.

Das große Ziel „Wir denken seit Januar an unser großes Ziel. Wir wollten dieses Finale gegen Gummersbach am letzten Spieltag erreichen“, verrät Zürn, der die Entwicklung der Mannschaft sehr positiv einstuft: „Sie hat das bisher sehr gut gelöst und Abstiegskampf gezeigt. Sie wird das Finale gewinnen.“


 Der Trainer Jochen Zürn ist zum 1. Dezember 2018 als Sportdirektor bei der SG BBM eingestiegen. Trainer damals war Ralf Bader. Während der Vorbereitung und vor dem Start in die Rückrunde musste Bader gehen, sein Nachfolger wurde Hannes Jon Jonsson. „Das war die wichtigste Entscheidung, die wir getroffen haben“, sagt Zürn, und verweist auf die intensive und akribische Arbeit des Isländers, die die Mannschaft angenommen und umgesetzt habe. „Hannes hat der Mannschaft ein Gesicht gegeben. Jeder weiß, was er zu tun hat. Die Mannschaft spielt einfachen Handball, ist sehr gut in der Offensive, stellt einen exzellenten Innenblock und leistet im 6:0 gute Abwehrarbeit und sie ist sehr zweikampfstark“, beschreibt Zürn. Auch in der kommenden Saison wird Jonsson bei der SG BBM bleiben – ligaunabhängig.


 Die Zukunft Noch vor dem Finale gegen Gummersbach haben Sportdirektor Zürn und SG-Geschäftsführer Bastian Spahlinger die Verträge mit Kapitän Patrick Rentschler und Dominik Claus verlängert und die Trennung von Robin Haller bekanntgegeben. Verlassen werden die SG nach aktuellem Stand sonst nur Torhüter Domenico Ebner, der zum TSV Hannover-Burgdorf wechselt, und Maximilian Schwarz (TGS Pforzheim). Als Neuzugänge stehen die Rückkehrer Tim Dahlhaus (PAUC Aix en Provence) und Nils Boschen (TSB-Heilbronn-Horkheim) sowie Max Oehler und Torwart Jonas Maier (beide TVB Stuttgart) fest. Hinzu kommt aus dem Nachwuchs Mario Urban. „Wir haben das Team beisammen, das wir wollten. Aktuell ist nichts mehr geplant“, so Zürn, verrät aber: „Wenn wir die Klasse halten, ist es finanziell entspannter, dann könnte schon noch jemand hinzukommen. Wir sind immer aufmerksam am Markt.“

Michael Kraus Der Weltmeister von 2007 war einer der Transfercoups der laufenden Bundesliga-Saison. Seit Januar spielt der 35-Jährige für die SG BBM. Seit zweieinhalb Wochen laboriert „Mimi“ Kraus an einer Oberschenkelverletzung, die Saison schien für ihn beendet. Aber Sportdirektor Zürn ist zuversichtlich, dass es mit einem Einsatz am Sonntag klappen könnte, und berichtet: „Er arbeitet mega-professionell und fieberhaft zusammen mit den Physiotherapeuten. Vielleicht reicht es.“ Reichen wird es wohl auch mit einer Vertragsverlängerung in Bietigheim. „Wir sind in sehr, sehr guten Gesprächen“, verrät Zürn.


 Der Sportdirektor Als Trainer hat Zürn in 30 Jahren viel erlebt. Nach seinen fünf Jahren beim TSB-Heibronn-Horkheim in der Dritten Liga beendete er seine Trainerkarriere mit Ablauf der Saison 2017/18. Nach ein paar Monaten Pause kehrte er zum 1. Dezember 2018 ins Handballgeschäft zurück – als Sportdirektor beim Bundesligisten SG BBM Bietigheim. Zu Zweitliga-Zeiten trainierte Zürn vor seinem Wechsel nach Horkheim die SG BBM.

Zurück in Bietigheim, hat er seit Amtsantritt im Hintergrund zusammen mit Geschäftsführer Spahlinger viel bewegt, einen Trainerwechsel vorgenommen, Superstar Kraus nach Bietigheim geholt, neue Spieler verpflichtet, Verträge verlängert und harte Entscheidungen wie die Trennung von Haller getroffen. „Die Arbeit macht mir tierisch Spaß. Ich fühle mich wohl. Einen anderen Job möchte ich gar nicht mehr machen“, bekennt er und sagt, dass er die Trainertätigkeit überhaupt nicht vermisse. „Ich beobachte die Spiele von der Tribüne aus, halte mich im Hintergrund und bin Ansprechpartner für Trainer und Spieler. Wenn ich gebraucht werde, bin ich da“, beschreibt Zürn seine Rolle.