Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle  Uhr

Für Robin Haller, den dienst­ältesten Handballer der SG BBM Bietigheim, ist am Saisonende Schluss in Bietigheim – er bekommt beim Bundesliga-Aufsteiger keinen neuen Vertrag mehr (die BZ berichtete). Wie sehr ihn die Trennung emotional mitnimmt, erzählt der 33-jährige Rückraumspieler und Publikumsliebling im Interview.

Können Sie die Entscheidung des Vereins nachvollziehen, Ihren Vertrag nicht zu verlängern?

Robin Haller: Ich bin nur Arbeitnehmer, und wenn mein Arbeitgeber mich nicht mehr möchte, kann ich machen, was ich will – ich habe die Entscheidung zu akzeptieren und mache das auch. Ein paar Kritiker kann ich verstehen, manche Kritik an mir aber auch nicht. Mir wäre es lieber gewesen, ich hätte den Zeitpunkt meines Abgangs selbst gewählt. Es ist immer schwieriger, wenn dir der Abgang auferlegt wird. Dabei fühlt man sich einfach ein bisschen komisch.

Aus allen Wolken sind Sie aber nicht gefallen?

Nein, ich wusste schon im April, dass es für mich eng werden könnte. Schon da hat man mir die Entscheidung mitgeteilt. Der engere Freundeskreis und die Familie wussten also schon darüber Bescheid.

Haben Sie schon Pläne, wie es mit Ihrer sportlichen Karriere nach dieser Saison weitergeht?

Die Trennung ist ja erst jetzt öffentlich geworden. Einige vage Gespräche mit Interessenten habe ich schon geführt. Aber eine Vertragsunterschrift steht noch aus. Ich habe jedem auch gesagt, dass ich mit Bietigheim erst noch etwas vorhabe. Da will ich mir über einen Wechsel noch nicht den Kopf zerbrechen. Dafür habe ich ja auch einen Berater. Das soll der machen.

Sie zählen mit 33 zu den Routiniers. Wie lange trauen Sie sich Handball auf diesem Niveau noch zu?

Wenn ich mich so fühle wie jetzt, können es schon noch ein paar Jahre werden. Bei mir ist noch viel drin im Tank. Ich will noch nicht aufhören, sondern spielen. Das hat mir immer am meisten Spaß gemacht. Ich hatte keine großen Verletzungen und habe nur wenige Beschwerden mit den Füßen, Beinen und Schultern. Klar zwickt die Schulter mal, wenn man in seiner Karriere eine Million oder zwei Millionen Würfe gemacht hat. Aber das sind Kleinigkeiten, gerade wenn ich sehe, dass einige Handballer selbst nach zwei Kreuzbandrissen noch spielen. Ich kann noch genügend Minuten auf dem Feld aushalten, auch wenn es nicht mehr 60 sein müssen. Aber wenn das nötig wäre, würde ich das auch noch hinkriegen.

Stichwort Spielzeit. Warum hatten Sie in dieser Saison bisher nur wenig Spielanteile?

Ich habe mich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt – auch schon in der vergangenen Saison, als Gerdas Babarskas ein super Jahr hatte und ich auch nicht so viel gespielt habe. Aber ich war da, wenn er nicht da war. Ich kann auch gut von der Bank kommen. Die ersten zehn Partien in dieser Saison habe ich, glaube ich, sehr gut gespielt. Dann wurde es immer weniger – warum, weiß ich nicht. Man hat immer zwei, drei Spiele drin, in denen man nicht so gut ist, aber dass man dann das Vertrauen nicht mehr ausgesprochen bekommt? Ich bin vom Innenblock rausrotiert worden nach außen und von außen ganz auf die Bank, sodass ich nur noch Angriff spiele.

Inwiefern haben Sie sich mit der Zeit als Spielertyp verändert?

Ich muss keine zehn Tore pro Spiel mehr machen. Früher hieß für mich immer nur die Devise: Werfen, werfen, werfen. Nun sehe ich meine Aufgabe vor allem auch darin, dass es auf dem Feld spielerisch gut läuft. Da habe ich mich von einem Halblinken etwas zu einem Mittelmann gewandelt. Ein Beispiel: Mit unserem Kreisläufer Patrick Rentschler verstehe ich mich fast blind und weiß genau, wie ich ihm die Bälle reinlegen muss. Das ist mir genauso viel wert wie Tore zu schießen.

Was bleibt nach zwölf Jahren Bietigheim hängen?

Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Die Freunde, die ich hier gewonnen habe, und die Menschen, mit denen ich bei der SG BBM in all den Jahren zu tun hatte. Mit einigen früheren Mitspielern bin ich ja immer noch hin und wieder unterwegs. Mir hat auch der Kreis Ludwigsburg immer gut gefallen. Und natürlich werde ich mich an die großen sportlichen Momente erinnern. Die Krönung waren die beiden Aufstiege in die Bundesliga.

Mit welchen Gefühlen sehen Sie Ihrem letzten Auftritt im Bietigheimer Trikot am Sonntag gegen Gummersbach entgegen?

Momentan kann ich es immer noch nicht glauben oder fassen, dass es für mich das letzte Spiel für die SG ist. Das ist für mich alles noch wie ein Traum, aus dem mich gleich jemand weckt und sagt: ,Natürlich geht’s in Bietigheim für dich weiter. Logo.’ Der Abschied ist eine heftige Geschichte für mich. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. In den vergangenen sechs Wochen kamen bei mir öfters mal die Emotionen raus. Auch schlaflose Nächte gehörten dazu. Ich war sauer, ich war böse, ich war enttäuscht. Aber es gibt schlimmere Situationen im Leben, und ich bin Profi genug, dass ich mich immer auf unser Ziel konzentriert habe. Hier habe ich ein Drittel meines Lebens verbracht und verliere jetzt viel mehr, als bei einem Verein, bei dem man nur kurz mal ein, zwei Jahre war und dann wieder weggeht. Es war eine tolle Zeit in Bietigheim, die ich in meinem Leben nicht missen möchte. Die SG und die Region sind mein zweites Zuhause geworden. Danke Bietigheim.