Handball „Als Trainer muss man flexibel sein“

Der bisherige Bietigheimer Trainer Hartmut Mayerhoffer gibt künftig bei Frisch Auf Göppingen die Kommandos.
Der bisherige Bietigheimer Trainer Hartmut Mayerhoffer gibt künftig bei Frisch Auf Göppingen die Kommandos. © Foto: Marco Wolf
Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 03.07.2018

Der zweifache Bietigheimer Aufstiegstrainer Hartmut Mayerhoffer coacht in der Handball-Spielzeit 2018/2019 den Erstliga-Rivalen Frisch Auf Göppingen. Was er dort vorhat, verrät der 48-Jährige im BZ-Interview.

Vom Aufsteiger SG BBM zum viermaligen EHF-Pokalsieger Frisch Auf Göppingen – hätten Sie nach Ihrer Ausstiegsankündigung in Bietigheim gedacht, dass Sie so einen Karrieresprung hinlegen würden?

Hartmut Mayerhoffer: Mein Wunsch war schon, in der Ersten Liga zu arbeiten. Mit Frisch Auf ist es jetzt einer der Top-Traditionsvereine geworden, der im Handball einen klangvollen Namen hat. Darüber bin ich sehr glücklich.

Seit Göppingen Sie als neuen Trainer vorgestellt hat, stand sicher ihr Handy nicht mehr still...

Ja, ich habe sehr viele Glückwünsche aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis bekommen. Das zeigt auch, dass es sich bei Frisch Auf um einen besonderen Verein und eine außergewöhnliche Aufgabe handelt.

Wie wollen Sie das Göppinger Team nach zwei enttäuschenden Spielzeiten und jeweils Platz zehn wieder nach oben führen?

Mit diesem Abschneiden ist der Verein sicherlich etwas hinter den auch eigenen Erwartungen zurückgeblieben. Es macht keinen Sinn, hier jetzt gleich Erfolge zu versprechen. Erfolge resultieren aus harter Arbeit. Das ist die primäre Aufgabe. Jetzt geht es für mich darum, die Mannschaft kennenzulernen und so schnell wie möglich Gas zu geben.

In der vergangenen Bundesliga-
Saison hat Frisch Auf mit Magnus Andersson und Rolf Brack zwei Trainer verschlissen. Sitzen Sie in Göppingen auf einem wackeligen Stuhl?

Die Anspruchshaltung ist natürlich groß. Frisch Auf ist ein Verein, der in der Vergangenheit große Erfolge vorzuweisen hatte. Entsprechend hoch sind die Anforderungen, die an den Trainer gestellt werden. Das ist mir bewusst. Ich freue mich aber auf diese Aufgabe, denn ich sehe in Göppingen viel Potenzial – und dieses gilt es auszuschöpfen.

Bereits vor Ihrer Verpflichtung stand ein 15-köpfiges Aufgebot fest. Ist es ein Nachteil, dass Sie keinen Einfluss auf die Kaderplanung hatten?

Als Trainer muss man flexibel sein. Wenn die Mannschaft in meinen Augen nicht die Stärke hätte, die ich mir vorstelle, hätte ich das Angebot nicht angenommen. Ich denke, wir haben eine gute Basis und einen guten Kader, mit dem man gut arbeiten kann.

Ein Wiedersehen gibt es mit dem Ex-Bietigheimer Marco Rentschler. Haben Sie mit ihm schon über die Situation in Göppingen geredet?

Nein, noch nicht. Er ist noch im Urlaub – und den hat er sich wie die anderen Spieler auch verdient. Wir werden uns beim Trainingsauftakt sehen und uns ausführlicher unterhalten. Ich freue mich, dass ich wieder mit Marco zusammenarbeiten kann.

Wie beurteilen Sie seinen Werdegang?

Marco Rentschler habe ich ja als jungen Spieler in seinen ersten zwei Jahren im Aktivenbereich als Trainer begleitet. Ich hätte ihn damals gern in Bietigheim behalten, aber als er die Möglichkeit hatte, nach Göppingen zu gehen, hat er von uns jede Unterstützung bekommen, und wir haben ihm keine Steine in den Weg gelegt – weil er sich den Sprung in die Erste Liga auch verdient hatte. Ich halte viel von Marco. Er hat sich in Göppingen sehr gut weiterentwickelt, auch wenn er zwischendurch Verletzungsprobleme hatte.

Werden Sie auch bei Ihrem neuen Verein auf Tempohandball, ein schnelles Umschaltspiel und eine aggressive Abwehr setzen – eine Spielweise, die in Bietigheim so erfolgreich war?

Man muss immer schauen, welche Spielertypen man zur Verfügung hat, und kann ein System nicht wie eine Blaupause von der einen Mannschaft auf eine andere übertragen. Die Göppinger Mannschaft passt von ihrer Struktur und ihren Spielern sehr gut zu meiner Vorstellung von Handball. Ich glaube, man kann da einen guten Konsens finden zwischen den Stärken des Teams und meiner Spielphilosophie als Trainer.

Freuen Sie sich besonders auf die Duelle mit der SG BBM?

Es ist schön, all die Leute nach dem Bietigheimer Aufstieg bei einem Bundesliga-Pflichtspiel wieder zu treffen. Bei aller Rivalität, die es gibt: Das werden zwei besondere Spiele für mich. Während meiner Zeit in Bietigheim sind unheimlich viele Freundschaften entstanden, die auch bestehen bleiben. Die SG ist kein Verein, der in meiner Trainerkarriere nur eine Nummer war, sondern ein Verein, der mir sehr am Herzen liegt – und auch immer in meinem Herzen bleiben wird.

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