Handball 27:40-Klatsche für die SG BBM in Lemgo

Mochte teilweise gar nicht mehr hinschauen: SG BBM-Trainer Ralf Bader musste 40 Gegentreffer mit ansehen.
Mochte teilweise gar nicht mehr hinschauen: SG BBM-Trainer Ralf Bader musste 40 Gegentreffer mit ansehen. © Foto: Jörg Hagemann
Lemgo / jh/sim 03.12.2018

So hoch hat Handball-Bundesligist TBV Lemgo Lippe schon lange nicht mehr gewonnen. Beim 40:27 (21:13) über die SG BBM Bietigheim schienen am 1. Advent für die Lipper gleich alle vier Kerzen gleichzeitig entzündet worden zu sein.

Eigentlich hatte die SG BBM alles dafür getan, um aus Lemgo weitere Punkte entführen zu können. Die Mannschaft war einen Tag früher angereist und hatte direkt bei den kulturhistorisch und teilweise auch esoterisch sehr bedeutsamen Externsteinen übernachtet. Doch die Fahrt stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Denn Kreisläufer Patrick Rentschler plagen Aduktorenprobleme uund er musste nach einem Test am Samstag auf die Reise verzichten. Doch als Ausrede wollte das Trainer Ralf Bader nicht gelten lassen: „Uns hat dadurch zwar einiges an Stabilität gefehlt – er ist unser Fels in der Brandung – aber ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass es dann besser gelaufen wäre.“

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Bietigheim lag nur beim 1:0 und 2:1 kurzzeitig in Führung. Schnell setzte sich der TBV auf 6:2 ab (7.) und ließ fortan nicht locker. Spätestens nach dem 20:11 (27.) ging es nur noch um die Höhe des Ergebnisses. Und das fiel mit 13 Toren Differenz niederschmetternd für die SG BBM aus. Kehrmann konnte auf der einen Seite durchwechseln, wie er wollte – es gab nie einen Bruch. „Dass die Zuschauer schon fünf Minuten vor Schluss stehen, hatten wir auch schon lange nicht mehr“, zeigte sich der TBV-Coach hocherfreut, dass seine Schützlinge auch den Sehnsuchts-Choral des Publikums noch beantworteten. „Wir woll’n die 40 sehen“, forderten die Fans ab der 50. Minute. Dass der besondere Treffer neun Minuten später von Tim Hornke zum 40:25 erzielt wurde, war kein Zufall. Es war der 16. Treffer des Lemgoer Rechtsaußen, der damit auch eine neue persönliche Bestmarke aufstellte.

Auf das Wiedersehen mit seinem Heimatverein hatte sich Bietigheims Valentin Schmidt eigentlich schon lange gefreut. Doch als er nach dem Schlusspfiff hoch zur Anzeigentafel schaute, verzogen sich die Mundwinkel des Spielmachers. „40 Gegentore tun schon sehr weh“, schnaufte der gebürtige Lagenser kräftig durch. Da konnte ihn auch seine eigene gute Leistung nicht trösten. „Lieber wäre ich leer ausgegangen und wir hätten dafür gepunktet“, meinte der 24-jährige BWL-Student, der einst beim TBV ausgebildet wurde.

In der Phoenix-Contact-Arena wurde „Valle“ Schmidt von einem eigenen kleinen Fanklub unterstützt. Neben Vater Volker Schmidt, einst in Müssen-Billinghausen und Lage handballerisch aktiv, und Mutter Beate drückte ihm auch sein drei Jahre älterer Bruder Dominik die Daumen. „Blut ist dicker als Wasser“, hatte der fürs ALL-Drittligateam spielende „Schmiddi“ keinen Hehl daraus gemacht, dass er seinem Bruder die Daumen drückt.

Nach dem Match war dann Trösten angesagt. Valentin Schmidt war geknickt: „Wir befanden uns nach dem Auswärtssieg in Hannover und der guten Leistung gegen den SC Magdeburg auf einem guten Weg. Doch das haben wir jetzt in 60 Minuten alles über den Haufen geworfen.“ jh/sim

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel