Hülben ist aus dem Häuschen: Am  Samstag standen die Turnerinnen des SV Hülben ganz oben auf dem Siegertreppchen beim Regionalliga-Süd-Wettkampf in der Balinger Sparkassenarena – mit 1,5 Punkten Vorsprung vor dem Turnteam Schwaben. Zudem wurde Carina Kraiser vom SVH als beste Turnerin des Tages geehrt und erhielt das „Topscorer-Shirt“ der deutschen Turnliga. Ihre Teamkollegin Valerie Burdukov belegte in der Einzelwertung den fünften Platz.
Als die Hülbener Mannschaft im letzten Jahr in die Regionalliga aufgestiegen ist, war das für die 3000-Einwohner-Gemeinde schon eine Sensation. Dass die Turn-Mannschaft des grün-weißen Mehrspartenvereins beim zweiten Regionalliga-Wettkampf der Saison so erfolgreich ist, überrascht indes die Hülbener Verantwortlichen selbst.

In der vierthöchsten Liga

Immerhin ist die Regionalliga im Turnen bundesweit die vierthöchste Klasse nach der ersten bis dritten Bundesliga. In der Tabelle ist der SV Hülben mit diesem Sieg um zwei Plätze nach oben gerückt – und folgt damit dicht auf den Tabellenersten Turnteam Schwaben.
„Wir sind immer noch sprachlos und überglücklich. Ich hätte mit vielem gerechnet, aber nicht mit diesem Ergebnis. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir das ausschließlich mit Turnerinnen aus den eigenen Reihen geschafft haben. Beim Turnteam Schwaben sind beispielsweise auch Mädchen aus den bayerischen Standorten Illertissen, Augsburg und Neu-Ulm-Pfuhl dabei“, freut sich SVH-Trainerin Sabrina Maier.
Wie schon beim Aufstiegswettkampf hatte Trainerin Lisa Epple einen Bus organisiert, um zahlreiche Fans aus Hülben mitzunehmen, darunter auch Fußballer des SVH.
„Die Unterstützung der Fans war wichtig für uns, das motiviert die Mädchen einfach“, sagt Lisa Epple. Zwei weitere Wettkämpfe der Regionalliga Süd stehen noch aus, der nächste ist am 29. Oktober in der Theodor-Eisenlohr-Halle in Nürtingen. 

Zweitbeste am Stufenbarren

Mitgeturnt haben an diesem Tag Sarah Baun, Mara Gaßner, Antonia Schwarz, Carina Kraiser, Melanie und Valerie Burdukov sowie die erst elfjährige Finia Holder. Verzichten musste der SV Hülben auf die erfahrenen Turnerinnen Marga Hinderer und Vivienne Fandrich, die wegen Studium und Beruf kaum trainieren konnten. Pia Kächele war wegen einer Verletzung nicht einsetzbar.
Als A-Kampfrichterin war Jeanette Synovzik für den grün-weißen Mehrspartenverein im Einsatz und als B-Kampfrichterin Tanja Velder. Für den SV Hülben war der Stufenbarren das erste Gerät des Wettkampfs. Sarah Baun eröffnete und zeigte an ihrem Paradegerät eine fehlerfreie und schwierige Übung. Es folgte Valerie und Melanie Burdukov sowie Carina Kraiser, die ebenso wichtige Punkte für das Team erbrachten.
Carina Kraiser zeigte am Barren die zweitbeste Übung des Tages. Finia Holder, die spontan für Vivienne Fandrich eingesprungen war, brachte ihre Übung beim Debüt fehlerfrei durch. Insgesamt konnten die SVH-Turnerinnen fünf Riesenfelgen zeigen, die wertvolle Punkte brachten.
Am Stufenbarren erreichte das Hülbener Team mit 33,9 Punkten das zweitbeste Mannschaftsergebnis nach dem Turnteam Schwaben.

Bärenstark am Schwebebalken

Der Schwebebalken gilt bei den Turnerinnen auch als Zitterbalken, denn jeder Sturz von dem nur zehn Zentimeter breiten Balken bedeutet gleich einen ganzen Punkt Abzug. Doch Stürze gab es an diesem Tag in Balingen kaum für den SV Hülben.
Die Sportlerinnen boten den Zuschauern spektakuläre Übungen. Finia Holder ging als Erste an den Start. Ohne großen Wackler und geschmückt mit einem Flick-Flack brachte sie ihre Übung zu Ende und bekam wichtige Punkte.
Antonia Schwarz, Melanie Burdukov und Valerie Burdukov brachten ihre Salti rückwärts in den sicheren Stand. Lediglich beim Salto vorwärts kam Valerie Burdukov nicht sicher zum Stehen und musste das Gerät kurz verlassen. Carina Kraiser zeigte ihr technisch perfektes freies Rad. Sie war mit 10,5 Punkten beste Turnerin an diesem Gerät. Mit mehr als einem Punkt Vorsprung zum Zweitplatzierten, der Wettkampfgemeinschaft Gäu Schönbuch, war der SV Hülben die beste Mannschaft am Schwebebalken.
„Meiner Meinung nach haben wir an diesem Gerät den Wettkampf entschieden. Weil wir nahezu fehlerfrei durchkamen, konnten wir hier entscheidende Punkte gutmachen“, sagt Sabrina Maier.
Nach dem großen Erfolg am Schwebebalken ging die SVH-Mannschaft selbstsicher zum Boden über. Während der Verlauf am Balken – und auch am Barren – wegen drohender Stürze schwer berechenbar ist, war sich das Team sicher, dass es am Boden noch wertvolle Punkte holen kann. Denn der Boden gilt als Paradegerät der Hülbenerinnen.

Paradegerät Boden

Mara Gaßner eröffnete die Bodenfläche. Lange war unklar gewesen, ob man sie an diesem Tag einsetzen konnte, da sie sich die Bänder am Fußgelenk gerissen hatte. Ihr Wille und ihr Ehrgeiz waren so groß, dass sie in den letzten Wochen vor dem Wettkampf den Trainingsrückstand fleißig aufholte. Es hat sich ausgezahlt, sie erhielt sagenhafte zehn Punkte. Auch Melanie Burdukov konnte zwischendurch lange wegen einer Fußverletzung nicht trainieren. An diesem Tag zeigte sie ihr Comeback und wurde gleich an vier Geräten eingesetzt. An ihrem Lieblingsgerät, dem Boden, zeigte sie ihre neu erlernte Choreografie mit schweren akrobatischen Elementen. Antonia Schwarz und Carina Kraiser glänzten ebenfalls mit tollen Übungen und brachten ihre Schraubensalti perfekt in den Stand.
Wiederum war es Carina Kraiser, die die höchste Note des Tages erhielt. Den höchsten Schwierigkeitswert turnte jedoch Valerie Burdukov. Sie zeigte ihren Doppelsalto rückwärts am Boden und bekam dafür enormen Beifall vom Publikum. Auch die Kampfrichter belohnten sie mit mehr als zehn Punkten.
Am Boden war der SV Hülben die drittbeste Mannschaft des Tages in Balingen im Zollernalbkreis.

Technisch perfekte Sprünge

Letztes Gerät für Hülben war der Sprung. Normalerweise sammelt hier Marga Hinderer mit ihrem Tsukahara wertvolle Punkte. Auf sie musste das Team aber wegen ihres aktuellen Trainingsrückstands verzichten. Mara Gaßner wiederum konnte ihren Tsukahara auf Grund ihrer Verletzung nicht springen. Antonia Schwarz und Melanie Burdukov sprangen für die Beiden ein und glänzten mit technisch perfekten Sprüngen, einem Halb-rein-halb-raus und einem Yamashita. Als dritte Turnerin war Carina Kraiser an der Reihe. Freilich konnte sie ihren Tsukahara gebückt nicht in den Stand bringen und verlor dadurch einen Punkt. Finia Holder und Valerie Burdukov machten den Punkteverlust wieder gut, zeigten einwandfreie Tsukaharas und bekamen dafür Höchstnoten von jeweils zwölf Punkten.
„Unsere Turnerinnen haben an allen Geräten eine tolle Mannschaftsleistung gezeigt, aber dass für Platz eins reicht, hätte niemand gedacht“, resümiert Sabrina Maier und fährt fort: „Es wird nicht pausiert, unsere Turnerinnen trainieren weiter, denn der nächste Wettkampf ist schon in zwei Wochen. Da möchten wir uns den Klassenerhalt sichern.“

Der SV Hülben ist Gastgeber in Nürtingen

Der nächste Regionalliga-Wettkampf im Turnen findet am Samstag, 29. Oktober, in der Theodor-Eisenlohr-Halle Nürtingen statt. Der SV Hülben fungiert dort als Gastgeber. Das Hülbener Ziel ist der Klassenerhalt. Das Einturnen startet um 9 Uhr, die Wettkämpfe beginnen um 10.30 Uhr. Das Hülbener Team freut sich auf kräftige Unterstützung vieler Fans in Nürtingen.