Diese Statistik ist fast schon beängstigend: Mit Neuzugang Nemanja Zelenovic auf der Platte holten die Handballer von Frisch Auf Göppingen 22:4 Punkte in der Bundesliga, ohne den serbischen Nationalspieler keinen einzigen in sieben Spielen. Auch am Donnerstag bei der 25:29-Heimniederlage gegen Rekordmeister THW Kiel saß der verletzte Linkshänder hinter der Ersatzbank. Zudem mussten die Grün-Weißen auf Sebastian Heymann verzichten.

Doch auch mit den beiden ­Rückraumschützen wäre die Niederlage wohl kaum zu verhindern gewesen, zu clever agierten die Zebras in den entscheidenden Momenten. Dennoch hinterließ die Begegnung ratlose Gesichter auf der Frisch-Auf-Bank und warf einige Fragen auf: Warum lagen die Gastgeber nach 17 Minuten mit sieben Toren in Rückstand (5:12)? Wie gelang es ihnen, wieder bis auf ein Tor heranzukommen (23:24/50.) und den haushohen Favoriten ins Wanken zu bringen? Wieso konnte man das Momentum danach nicht nutzen und noch klar auf die Verliererstraße geraten?

„In der Anfangsphase waren wir wohl noch in der Winterpause“, stellte Kreisläufer Kresimir Kozina, mit 7/1 Toren bester Frisch-Auf-Werfer, verbittert fest, „wir haben in der ersten Halbzeit nur eine Zeitstrafe gekriegt, haben viel zu wenig Körpersprache gezeigt.“ Sein Sportlicher Leiter Christian Schöne ergänzte: „Am Anfang haben wir zu verhalten gespielt, vielleicht hatten wir zu viel Respekt vor den Kielern.“ Nach dem Seitenwechsel trat Frisch Auf vor der Saisonrekordlisse von 5100 Zuschauern – nur gegen die Rhein-Neckar-Löwen pilgerten genauso viele Fans in die EWS-Arena – ganz anders auf. „Dann waren wir so richtig da und haben uns gut herangekämpft“, erklärte Spielmacher Josip Peric. Doch gerade als Göppingen drauf und dran war, den Ausgleich zu erzielen, zog der Tabellenzweite wieder davon. „Ich weiß auch nicht, warum das passiert ist“, rätselte Linksaußen Marcel Schiller, „wir hatten das Momentum beim 23:24 kurz auf unserer Seite. Danach ging es schnell. Wir haben ein paar Fehler gemacht und dann war Kiel einfach zu clever.“

In der Schlussphase, in der der Rekordmeister innerhalb von vier Minuten von 24:23 vorentscheidend auf 27:23 davonzog, machte sich der Ausfall von Zelenovic und Heymann bemerkbar. „Uns haben frische Leute gefehlt. Wir haben nicht so einen Kader wie die Kieler mit 20 starken Spielern“, resümmierte Kozina.

Nur ein Frisch-Auf-Akteur hatte trotz der Niederlage Grund zur Freude: Der langzeitverletzte Tim Sörensen gab gegen die Norddeutschen sein Bundesligadebüt. „Das war wie ein Traum für mich. Es war wundervoll, mit dem Ball auf dem Spielfeld zu sein“, strahlte der dänische Neuzugang, der am morgigen Sonntag seinen 27. Geburtstag feiert. Bei seinem ersten Einsatz – Sörensen wurde nach der Pause für Marco Rentschler eingewechselt – gelang dem Linkshänder gleich ein Tor. So richtig freuen konnte er sich darüber allerdings nicht. „Das war irgendwie ein komisches Gefühl, denn wir lagen zu diesem Zeitpunkt mit fünf, sechs Toren zurück.“ Dennoch war der Däne froh, endlich zum Frisch-Auf-Kader dazuzugehören.

Auch Kreisläufer Kozina freute sich für seinen genesenen Mitspieler: „Ich bin so froh. Er hat im Training doppelt so viel gearbeitet wie wir anderen. Die Fans werden noch sehr viel Freude an ihm haben“, prophezeite er.

Nach der sportlichen Berg- und Talfahrt innerhalb der 60 turbulenten Spielminuten wissen die Göppinger, die weiterhin Tabellensiebter sind, noch nicht recht, wo sie stehen. Das sollte sich spätestens kommenden Donnerstag ändern, wenn im SC DHfK Leizig ein deutlich schwächerer Gegner in die Arena kommt. Christian Schöne hat diese Partie, ebenso wie die darauffolgende gegen die MT Melsungen am 24. Februar, als „zwei richtungsweisende Spiele“ charakterisiert. Ob Glücksbringer Zelenovic und Heymann dann wieder dabei sein werden, ist offen. Unterm Hohenstaufen jedenfalls hofft man auf ein Ende des Zelenovic-Fluchs.