Vor Japan-Reise DHB-Team mit Defiziten: Wo ist der Dagur-Effekt hin?

Andreas Wolff ist einer der Torhüter der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Foto: Bernd Thissen
Andreas Wolff ist einer der Torhüter der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Foto: Bernd Thissen © Foto: Bernd Thissen
München / Von Nils Bastek, dpa 07.06.2018

Die deutschen Handballer freuen sich fast alle auf ihren ehemaligen Erfolgscoach Dagur Sigurdsson. Einzig Torhüter Andreas Wolff wirkte nicht besonders begeistert.

„Es würde mir mehr bedeuten, wenn wir dem Weg, den Dagur uns damals vorgegeben hat, hätten weiter folgen können“, sagte der 27-Jährige vor dem Abflug der DHB-Auswahl nach Japan. Bei einem zehntägigen Lehrgang werden die einstigen Bad Boys dort auch dem Isländer begegnen, der mittlerweile die Japaner trainiert. Wolff schätzt Sigurdsson sehr. Aber der ehrgeizige Keeper schätzte noch mehr, welche außergewöhnlichen Erfolge die Mannschaft unter Sigurdsson feierte.

Diesen besonderen Weg mit dem EM-Titel 2016 als Krönung aber hat die DHB-Auswahl spätestens seit dem Abschied Sigurdssons im Januar 2017 verlassen. Bei der 25:30-Testspielniederlage gegen den WM-Zweiten Norwegen wurde deutlich, dass die DHB-Auswahl momentan nicht zur Weltspitze gehört. Sieben Monate vor dem Start in die speziell für den Deutschen Handballbund (DHB) so bedeutsame Heim-WM zählt Deutschland nicht zu den den Titelfavoriten. Sigurdssons Nachfolger Christian Prokop beschreibt es so: „Es ist aktuell die Wahrheit gewesen, was wir da an der Anzeigetafel gesehen haben“, sagte der 39-Jährige nach der Niederlage in München.

Auf dem Weg zum WM-Eröffnungsspiel am 10. Januar in Berlin waren die Norweger seit längerer Zeit der erste starke Gegner und werden das nun auch für längere Zeit bleiben. Schon am Donnerstag machte sich Prokop mit seiner Mannschaft auf den Weg nach Japan. Zehn Tage werden Gensheimer und Co. dort verbringen. Zehn Tage, an denen Prokop und seine Spieler sich auf die WM einstimmen wollen. Dass auch zwei Testspiele gegen die von Sigurdsson trainierten Japaner anstehen, dürfte für einige Spieler emotional, sportlich aber kein Maßstab sein. Allein körperlich sind die kleinen Japaner der deutschen Mannschaft klar unterlegen.

Die Norweger waren das nicht. Vor allem in der zweiten Spielhälfte hatte die DHB-Auswahl vor 9700 Zuschauern in der Olympiahalle Vieles vermissen lassen. Es fehlte an Aggressivität in der Abwehr und an Präzision im Angriff. Selbst klarste Chancen wurden nicht genutzt. Waren seine Spieler nach einer langen Saison letztlich einfach zu müde? „Dieses Alibi wollen wir uns nicht geben“, sagte Prokop. Er räumte ein, dass sich seine Spieler im zweiten Durchgang „nicht an Absprachen gehalten“ hätten. Der Bundestrainer wirkte enttäuscht, öffentliche Kritik übte er aber nicht.

Bei der enttäuschenden EM im vergangenen Januar in Kroatien hatte es Missverständnisse zwischen Mannschaft und Trainer gegeben. Seitdem gab es zahlreiche Gespräche, Trainer und Spieler betonten die Bereitschaft des jeweils anderen, aufeinander zuzugehen. Wie stabil dieses Verhältnis ist, wird sich spätestens bei der WM zeigen.

Vorher wollen beide Seiten in Japan noch enger zusammen rücken. Auch Dagur Sigurdsson hatte während seiner außergewöhnlich erfolgreichen Zeit mit dem DHB-Team 2016 großen Wert auf Teambuilding-Maßnahmen gelegt. Manche Spieler werden sich spätestens in Japan daran erinnern.

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